19.5. Trip to Hell (Teil 2)
Tyler brüllte sich regelrecht aus
seiner Vision. Er war völlig nassgeschwitzt gewesen. An seiner Stirn tropfte der
Schweiß über seine Wangen, seine Hände waren warm und feucht, seine Augen
rötlich angehaucht. Er hatte immer noch das Handy in der Hand, worauf zwei
Anrufe in Abwesenheit angezeigt wurde – Ava und Carmen. Tyler startete den Motor
und rief besorgt seine Frau an, die jedoch nicht abnahm. Er fluchte verärgert,
hämmerte wütend auf das Lenkrad und schaltete das Radio etwas lauter, weil eine
Meldung von einer Evakuierung in der Utica Avenue bekanntgegeben wurde und die
U-Bahnen vorerst stillgelegt wurden, sodass die NYPD in Ruhe arbeiten könnten.
Nähere Informationen seien nicht bekannt.
Nun wusste er wo er hin musste und er hoffte, rechtzeitig zu kommen. Dwight
musste leider warten, denn nun brauchte Ava seine Hilfe.
***
Unmittelbar nachdem ungefähr zehn von den Toten aufgestanden waren, hörten Ian, Ava, Hope und die zwei Polizisten Geräusche aus der U-Bahn kommen. „Ava gib mir den Revolver!“ Ava schoss eine Kugel ab, die um Haaresbreite Ians Ohrläppchen getroffen hatte. Diese jedoch bohrte sich zwischen den Augen eines Untoten durch dessen Hinterkopf und fiel daraufhin reglos um. In der Not entwickelte sich bei Ava der Ehrgeiz nach dem Überleben, was ihr eine ungeheure Kraft verlieh. Sie konnte sich nicht erklären, wieso sie so gut mit der Waffe umgehen konnte und stattdessen nicht wie ihre Freundin, vor Angst halber erstarrte. Bei ihr war es anders gewesen, allerdings war es nicht das erste Mal, dass sie eine gute Figur in einem Kampf machte. Zuletzt musste sie sich in der Traumwelt gegen ihre Angreifer wehren.
„Ian sei ruhig und hilf mir lieber!“
Die Polizisten griffen nach ihren Waffen und merkten, dass die Personen die
nachgekommen waren, keine normalen waren – Genauso wie die, die aus der U-Bahn
erschienen. Sie alle hatten überall Verletzungen gehabt, manche sogar tödliche,
doch wieso konnten sie noch am Leben sein? Viel Zeit zum Überlegen blieb ihnen
nicht, denn sie mussten feststellen, dass die Untoten gefährlich waren und sie
angreifen wollten. „Bleiben Sie stehen“, befahl der eine Polizist einen
Infizierten,
der scheinbar die Sprache nicht verstand oder absichtlich ignorierte, was er
sagte. Seelenruhig hinkte er zu ihm vor und streckte seine Arme nach
den Polizisten aus. Der Officer zögerte eine Sekunde, schoss jedoch, als
er merkte, dass es keine andere Möglichkeit gab. Er schoss ihm in die Brust,
was den Untoten zum Schwanken gebracht hatte und er einige Schritte
zurücktaumelte. Das war jedoch schon alles gewesen. Während ein normaler Mensch
tot umgefallen wäre, erholte sich die angeschossene Person und lief als wäre
nichts gewesen, weiter auf den Beamten zu. „Zielen Sie auf den Kopf!“ Der andere
Polizist übernahm das für seinen Kollegen und zog ihn von der Stelle weg. „Haben
Sie noch eine geladene Waffe?“, fragte Ian und streckte seine Arme in die
Richtung des Polizisten aus. Dieser griff nach dem Kaliber 38, der im Halfter
steckte. „Hier, aber gehen sie behutsam mit der
Waffe um.“
Die Polizisten funkten ihre Kollegen an, weil sie Verstärkung brauchten. Sie
sollten sofort kommen und nicht wie geplant in der Utica Avenue Station auf sie
warten. „Wir wurden bereits von einem dritten informiert und sind somit gleich
da! Haltet sie solange in Schacht.“ Die Stimme von Abigail ertönte aus dem
Funkgerät. Ein kurzes Zischen, dann sprach sie erneut. „Verdammt, wir bekommen ebenfalls Besuch.“
Durch den zuletzt gefallenen Zombie wurden die Infizierten unruhig und zornig. Ava, Ian und die zwei Polizisten schossen um sich, die leeren Patronenhülsen fielen und klimperten nur so auf den Boden, doch die Zombies schienen immer mehr zu werden und nach und nach aus den verschiedensten Richtungen zu kommen. Ein Zombie machte sich über Hope her, die weinerlich im Eck stand und das kleine Taschenmesser von Ian schützend vor ihrem Körper gehalten hatte. Gerade als der Zombie sie zu Boden geworfen hatte, fiel ein Schuss und im nächsten Moment zerplatzte der Kopf des Zombies vor ihren Augen. Blut und Hirnmasse spritzten in ihr Gesicht woraufhin sie panisch anfing zu schreien. Hope wischte das meiste von ihrem Gesicht ab und betete zu Gott, dass alles bald ein Ende hatte. Ava griff nach ihrem Arm, weil sich immer mehr Kreaturen an die unterlegene Freundin machen wollten und sprintete mit ihr los. Sie schoss sich den Weg frei, während Ian und die Polizisten nacheinander ihnen anschlossen. „Ich habe fast keine Munition mehr“, stellte der eine Beamte fest. „Verdammt, mir geht’s genauso!“
***
Tyler konnte durch Carmens Unterstützung Abigail und den anderen klarmachen, dass die U-Bahn nicht ankommen würde und stattdessen mitten im Tunnel stecken geblieben war. Er vermutete stark, dass die Dämonen die U-Bahn manipuliert hatten und es dadurchzum Unfall kam. Er konnte sich nicht vorstellen, dass der Polizist, der den Knopf gedrückt hatte, schuld an der ganzen Sache war. Mitten auf der Strecke rannten ihnen eine Meute panischer Personen entgegen und unter ihnen schienen auch gefährliche Kannibalen zu sein, die erbarmungslos die Personen an sich rissen und an ihn nagten. Für Tyler und den anderen war es anfangs schwer, neben den eindeutigen Zombies unterscheiden zu können, wer von ihnen nun ein Untoter oder Unschuldiger war. Sie mussten also aufpassen, auf wen sie zielten. „Holt Dwight hier her. Wir brauchen seine Unterstützung“, rief Tyler zu Carmen und schoss auf den Infizierten, der über eine unschuldige Frau herfallen wollte. „Hovan, lass Dwight frei. Sofort! Er soll zu uns kommen.“ Nach der eindeutigen Ansprache, packte Carmen wieder ihr Funkgerät weg, und jagte einem Zombie nach dem anderen eine Kugel in den Kopf. Es war das reinste Schießfeld geworden. Die Kugeln, die ihre Ziele verfehlten prallten an den Wänden des Tunnels ab und der Lärm, der durch die Schüsse verursacht wurde, war durch den Hall doppelt so laut gewesen als gewöhnlich. Die wenigen Menschen, die sich retten konnten, stürmten an den Polizisten vorbei, während die Anzahl der Zombies weiterhin in der Überzahl blieben. Es gab verschiedene Zombiearten. Die einen waren schnell, die anderen dagegen etwas langsamer und hinkten ihren Zielen hinterher. Sicherlich gab es noch weitere Unterscheidungen, doch die zwei Arten waren am auffälligsten gewesen. Was sie jedoch alle gemeinsam hatten, war die Gier nach Menschenfleisch, das Zerfleischen und das kompromisslose Töten ihrer Ziele.
***
Nun mussten die Polizisten sparsam mit
der Munition umgehen und direkte Angreifer so gut wie es ging, durch geschickte
Tritte und Faustschläge erledigen. Lediglich die gefährlichsten Gegner sollten
mit der Waffe erledigt werden. Sie rannten ein Stück, bis Ian vor Schmerz
aufschrie und stehen bleiben musste. Hope löste sich von Ava und eilte zu
ihrem Freund. „Schatz, komm schon.“ „Nein, geht. Ich merke, wie sich mein Körper
verändert. Mein Verstand, meine Sinne, alles. Schatz...“
Verzweifelt drückte er sie an sich und gab ihr einen Kuss. „Ich habe Tyler versprochen euch zu
beschützen, auch wenn es das letzte ist, was ist tue. Nun halte ich mein Wort.
Hope, du bist diejenige, die meine letzten Monate versüßt haben, dafür danke ich
dir vom ganzen Herzen.“
„Ian, aber…“, stotterte Hope überströmt von Tränen, die nur so über ihre Wangen
flossen. „Ich möchte nicht, dass du mir dabei zuschaust, wie ich langsam zu
einem von denen werde. Behalte mich in guten Erinnerungen. Hast du verstanden?“
Das Sprechen fiel ihm schwerer. Dann hob er die Waffe in die Richtung
der Zombies, die zu ihnen vorgedrungen waren und schoss auf sie. Sie waren
Schuld an seiner Situation und sein Frust, ließ er an ihnen raus. „Hope geh jetzt
endlich!“ Ava lief hastig zu Hope, während die
Beamten die drei vor den Zombies so gut wie es ging Deckung gaben. „Wir werden einen Weg finden, wie wir dich
retten können, okay? Ich danke dir für alles Ian... Es tut mir so wahnsinnig leid,
dass ich dich mit reingezogen habe.“ Ian versuchte
Ava anzulächeln. Er wollte so tun, als würde er an seine Rettung glauben, nur um Ava und Hope etwas
zu beruhigen, so dass sie endlich gehen würden. In der nächsten Sekunde jedoch strömte
irgendetwas Aggressives durch seine Venen und veränderte ihn augenblicklich.
Hope und Ava sahen sich noch verwundert an und dann war es schon zu spät
gewesen. Ian hatte Ava überwältigt und auf den Boden gerissen. Dann biss er ohne
jegliche Vorwarnung in ihren Hals. Ava fing an zu schreien und versuchte sich
von seinen Klauen zu befreien, während Hope versteinert da stand und mit weit
aufgerissenen Augen vor Entsetzung panisch kreischte.
Unerwartet wurden die Zombies zur Seite geschleudert, von gezielten Windstößen
getroffen, die sie nicht hätten kommen sehen können. Tyler und die anderen waren
zu ihnen vorgedrungen und erledigten einen Zombie nach den anderen. Er stürmte
zu Ian hervor, der nach wie vor noch über Ava gebeugt war und packte ihm am
Kragen, zögerte jedoch ihm den endgültigen Gnadenstoß zugeben. Stattdessen richtete er
einen Windstoß gegen ihn, der ihn gegen die Wand schmettern ließ und
bewusstlos machte. Verstört blickte er zu Ava, die eine große blutende
Wunde an ihrem Hals hatte. Er half ihr hoch. „Halte durch Schatz, hast du
verstanden?“ Fassungslos drückte Hope das Halstuch gegen die Wunde,
die sie zuvor von ihrem Hals entnommen hatte und versuchte
Ava wach zu halten, die benommen ihre Augen kaum aufhalten konnte. „Kümmere du
dich bitte um Ava.“ Tyler blickte um sich. Der Kampf gegen die Zombies
hatte noch nicht aufgehört und würde nicht aufhören, wenn er den anderen beim
Kampf nicht unterstützte. Die Zombies sprangen auf die Polizisten, bissen
skrupellos zu und
wurden teilweise im nächsten Augenblick im Gegenangriff von anderen Schützen erledigt. Carmen
wälzte sich mit einer infizierten Frau auf dem Boden herum, doch dann gewann sie
an Überhand und verpasste dem Zombie einen harten Tritt in den Unterleib. Diese
fiel im hohen Bogen nach hinten und wurde danach durch eine Kugel erschossen.
Carmen schwankte ihren Kopf nach links, da ein Arbeitskollege von ihr von zwei
Infizierten angegriffen wurde. Sie rannte auf sie zu und erledigte sie eiskalt,
doch für ihn kam die Rettung zu spät. Sie hatten seine Augen rausgerissen und
seine Ohren aufgefressen. Er weinte bitterlich, strampelte und schlug verwirrt um
sich. Danach richtete er seine Waffe gegen sich selbst und drückte ab, um
sein Leid ein Ende zu bereiten. Carmen war noch so gebannt vom dem Anblick,
dass sie gar nicht merkte, wie ein Zombie sie von hinten angreifen wollte. Erst
als Dwight laut aufschrie, drehte sie sich um und wurde um ein Haar überwältigt,
wäre nicht die Person gewesen, die sie zur Seite gerissen und beschützt hatte. Sie fiel
zusammen mit ihm zu Boden und als sie erkannte, wer sie gerettet hatte, riss sie
erschrocken ihre Augen weit auf und konnte kaum noch mehr atmen. Ihr Unterkiefer
zitterte, ihr Herz pochte wie wild und ihr Magen spielte total verrückt.
„Hi.“ In ihr drehte
sich alles, die Luft blieb ihr weg, die sie in dem Moment unbedingt zum Atmen
gebraucht hätte. Sie konnte sich nicht mehr kontrollieren und verlor daraufhin
das Bewusstsein. Mit ihm konnte sie nicht rechnen - Niemanden von ihnen. Sie
hätte niemals mit ihm gerechnet, hier nicht und auch später nicht. Carmen hatte
ihn sogar schon aufgeben müssen, auch wenn sie ihn nie vergessen konnte und er
in ihr weiter lebte.
Tyler, Hope, Dwight und Ava konnten
kaum glauben, wer wie aus dem Nichts zu ihnen gestoßen war. „Ethan!“
Er lächelte ihnen zu und fiel über die Zombies her, die die anderen nicht
erledigen konnten. Stählern schlug er sie zusammen und machte dabei den
Eindruck, als eine stärkere Person zurückgekehrt zu sein. Präzise visierte er
seine Gegner an und ging mit seinem kleinen Dolch und dem Revolver geschickt um. Zusammen mit den anderen,
konnten sie langsam die Oberhand gewinnen. Nachdem der letzte Infizierte
gefallen war, wachte Carmen langsam von ihrer Bewusstlosigkeit auf. Sie war nach
wie vor am zittern, doch so langsam realisierte auch sie, dass sie das alles nicht
geträumt hatte.
„Dwight bring Ava sofort ins Krankenhaus“, rief Tyler zu seinem zukünftigen
Sohn, der auf der Stelle zu seiner Mutter marschierte. Doch mitten auf dem Weg
wurde er von Dáfni überrascht, die ihn gnadenlos an die Wand beförderte. „Du
bist der Schlüssel“, lachte die Dämonin und machte eine ruckartige Handbewegung
wodurch Hope ebenfalls gegen die Wand geschmettert wurde. Nun stand sie
gefährlich vor Ava die mit ihrer letzten Kraft den Revolver gegen Dáfni richtete.
Ava drückte ab und jagte die Kugel durch ihre Brust. Blut spritze in allen
Richtungen, doch sie
schien nichts davon getragen zu haben. Gerade als Ava sich geschlagen geben
musste, sprang Ethan der Dämonin von hinten auf den Rücken und schlug sie zu
Boden. „Dorim!“, schrie Ethan, während er ihr keine Möglichkeit gab, aufstehen
zu können. Im nächsten Augenblick erschien der Schattendämon, den Tyler bereits
des Öfteren begegnet war. Er versuchte Dáfni den kleinen silbernen Dolch in
ihren Magen zu rammen, doch wurde daran gehindert, weil sie seine Gedanken
kontrolliert hatte. „Hat dich Persephone nicht zur Hölle gejagt?“ Er bekam keine
Luft mehr, lies danach den Dolch aus seiner Hand fallen und fasste sich besorgt
an den Hals. Er würgte mehrmals, rang nach Luft, keuchte und versuchte sich mit
der einen Hand abzustützen. Dáfni nutzte die Gelegenheit, in der Ethan
unaufmerksam geworden war und befreite sich von ihm. Doch gerade als sie nach
dem Dolch greifen wollte, fegte ein Windstoß die Waffe von ihr weg. Giftig
zischte sie Tyler an, der ihr ein Strich durch die Rechnung gejagt hatte. „Ich
habe langsam keine Lust mehr auf solche Spielchen. Ihr denkt wohl, gegen mich
etwas ausrichten zu können, doch da liegt er völlig falsch.“
Weitere Schüsse fielen, die von einigen Polizisten freigelassen wurden. Sie
wussten zwar, dass sie dadurch nichts erreichen konnten, wollten jedoch die Dämonin von Carmen
ablenken, die den Dolch an sich gerissen hatte und auf sie zu gerannt kam. Die
mutigen Polizisten wurden von Dáfni kaltblütig wie platzende Luftballons gesprengt.
Alle zuckten entrüstet zusammen und erkannten, dass die Dämonin einer der
gefährlichsten war, denen sie jemals gegenüber standen. Sie war durch das Blut
von Klein-Dwight noch viel mächtiger und gewalttätiger geworden.
Als Carmen auf sie zu gestürmt kam, schrie sie wütend auf und wurde erneut von Ethan fest umklammert. Um jeden Preis wollte er verhindern, dass Carmen oder sonst jemand das selbe Schicksal erleiden musste, wie die mutigen Polizisten. Dáfnis unbegrenzte Wut ließ den Boden beben und ihre Schreie untermalten ihren Zustand zusätzlich. Carmen ließ sich nicht einschüchtern und schmetterte den Dolch in die Richtung der Dämonin. Der Dolch landete direkt in ihre Kehle, woraufhin sie sofort aufhörte zu schreien. Stattdessen versuchte sie nach Luft zu schnappen und keuchte ununterbrochen, während sie nach wie vor versuchte, aus Ethans festen Griff freizukommen. Als jeder dachte, sie endlich bezwungen zu haben, überraschte sie alle, indem sie Ethan mit dem Ellenbogen hart in die Rippen schlug und er vor Schmerzen nach hinten taumelte. Danach zog sie das Messer aus ihren Hals, sichtlich angeschlagen und mit Blut übersät, und warnte die Anwesenden noch vor die bevorstehende Auseinandersetzung. „Glaubt ja nicht, dass ihr gewonnen habt. Es wird noch schlimmer und dann werdet ihr euch wünschen, nie geboren zu sein!“ Sie richtete erbost ihre Augen auf den Schattendämon, der sich langsam wieder erholen konnte. „Hey du Verräter, dass hast du aus der Hand fallen lassen!“ Im nächsten Moment schmetterte sie den Dolch gegen den Schattendämon. Alles passierte so schnell, dass er kaum reagieren konnte und das nicht aufhalten konnte, was auf ihn zu geprescht kam. Der Dolch hatte sich tief in seinen Bauch gerammt und ihn sichtlich verletzen können. Er klappte zu Boden und sah, wie Dáfni sich lachend auflöste. Besorgt lief Ethan zu ihm, der langsam menschliche Gestalt annahm. „Hey Dorimédion, mach kein Scheiß und halte durch. Komm schon, das wird schon wieder.“ Benommen sah er Ethan mit halbgeöffneten Augen an. Es fiel ihm schwer, ein Satz am Stück zu sprechen, da er immer mehr Blut verlor. Immer wieder musste er unterbrechen, hustete, holte tief Luft und sprach danach weiter. „Jag dem Miststück den Dolch ins Herz und beförderte sie in die Verdammnis… In den letzten Monaten habe ich dir viel beibringen können… Enttäusche mich nicht… Ich denke, ihr müsst wohl ohne mich gegen die Dämonen antreten… So ein Mist…“ Ava, Hope und vor allem Tyler waren überaus überrascht, als sie die wahre Identität des Schattendämons kannten.
„Mum, komm ich bring dich
jetzt endlich ins Krankenhaus.“ Dwight lief zu Ava, die nach wie vor
verletzt war. „Nimm gleich noch Jason mit“, fing Tyler an und schaute zu den
verletzten Dämon oder wer er auch immer in Wirklichkeit war, rüber. „Er
verstirbt mir nicht, denn er muss mir noch erklären, wieso er jahrelang ein
Doppelleben geführt hat, ohne nur ein Piepton von sich zu geben.“ Tyler wusste
nicht ob er froh darüber oder sauer sein sollte, nachdem bekannt war, wer hinter
dem Schattendämon steckte. Sein
Arbeitskollege, Jason McGellegahr entpuppte sich als ein Nachkomme der Göttin Phoibe und
mimte parallel dazu den geheimnisvollen Dämon in der Unterwelt, der vorrangig für die
Dämonenmutter, Persephone, diente. War Jason nun ein Freund oder Feind?
Vielleicht war er gar keins von beiden, denn schließlich hatte er beide Seiten
total hinters Licht geführt, gab vor jemand anderes zu sein um das Vertrauen
beiderseits zu gewinnen. Es schien aber so, als hätte der Scheindämon Ethan aus
der Hölle befreit. Aber wie und aus welchen Beweggründen? Tyler platzte bald
der Kopf, denn die unzähligen Fragen, die sich in seinem Kopf langsam ansammelten,
drohten überzuquellen, wenn nicht bald die Antworten kamen.
„Tyler.“ Ethan sah seinen besten Freund mit einem gerührten Lächeln an. Solange war es her, seitdem er ihn gesehen hatte - wahrhaftig eine ganze Ewigkeit. Das unbeschreibliche gute Gefühl, endlich wieder am Leben zu sein, seinem besten Freund helfend zur Seite stehen zu können, mit ihm und einer Flasche Bier vor dem Fernseher zu sitzen und dabei wissen, dass das alles keine Einbildung war, war einfach überwältigend. Einfach nur überwältigend. Tyler lief auf ihn zu und umarmte in fest, erdrückte ihn regelrecht, weil er endlich wieder eine Person hatte, die ihm vor langer Zeit genommen und nicht durch eine andere Person ersetzt wurde. Eine Vertrauensperson, einen besten Freund. Es entstand eine Lücke, die Ethan nun mit seiner Rückkehr aus der Hölle wieder schloss. Die Freudentränen unterdrückte Tyler instinktiv und klopfte stattdessen freudig auf Ethans Rücken, der das selbe tat. „Mach das ja nie wieder, hast du verstanden? Ansonsten befördere ich dich das nächste Mal höchstpersönlich in die Hölle! Mann, du hast mir so gefehlt!“ Beide lachten gelassen und vergaßen für einen momentlang die Umstände, die die Stimmung wieder kitten würde. Erwartungsvoll stand Carmen bereits hinter Tyler, die sich mittlerweile gesammelt hatte und bereit war, ihre verflossene Liebe gegenüberzustehen. „Carmen“, hauchte Ethan sehnsüchtig und löste sich von seinem besten Freund, der ihr zulächelte und sich ebenfalls für Carmen freute. Sie warf sich in seine Arme und weinte ungehalten vor Freude. Ihr Herz schlug nun noch schneller als vorher, das Kribbeln in ihrem ganzen Körper machte sie regelrecht verrückt und das alles, weil sie ihren Freund endlich wieder in die Arme schließen konnte. Beide tauschten keine Wörter aus, sondern ließen stattdessen ihre Gefühle sprechen. Tiefe Blicke, kleine liebliche Gesten, die aber so vieles sagten, die nur sir entziffern konnten. Es war deutlich zu erkennen, dass die beiden sich unheimlich vermisst hatten und keiner den anderen vergessen konnte.
Es gab jedoch eine Person unter ihnen, die das alles nicht so recht
nachvollziehen konnte oder eine andere Tatsache für wichtiger empfand, als
Wiedersehensumarmungen und Willkommensgespräche. „Hallo? Würdet ihr vielleicht
so gütig sein und euer Willkommensbegrüßungen auf später verschieben?“ Detective
Abigail Claridge, die sich die ganze Zeit zurückgehalten hatte, schien nun
langsam der Kragen zu platzen und wurde deshalb etwas lauter. „Zombies,
wiedergeborene Krieger, auferstehende Verstorbene und zu allem Übel noch
reihenweise verstorbene Menschen. Hallo? Hey wie soll ich das alles
bewerkstelligen? Kann mir das bitte einer von euch sagen?“ Sie fasste sich an
den Kopf und spürte schon die Kopfschmerzen, die sich anbahnten, weil sie so
viele Aufgaben vor sich hatte, die sie bewältigten musste. Ethan schaute
Carmen nichtssagend an. Sein Blick sagte so viel wie – Wer ist denn diese triste
Person in Polizeiuniform?
Über Funk wurde Abigail vom Revier kontaktiert. „Hey Detective Claridge, die
Notärzte fragen, wohin sie kommen sollen, weil sie nicht wie vereinbart in der
Utica Avenue sind. Zwar werden einige Verletzte vor Ort
behandelt, weil sie aus dem Tunnel kamen, doch von Ihnen und der Truppe fehlt
jede Spur. Wo sind sie denn?“
Abigail atmete tief durch, ehe sie in
das Funkgespräch sprach. „Officer Hovan, wenn die Verletzten aus dem Tunnel
kamen, eine U-Bahn weit und breit nicht zu sehen ist, ist doch die logische
Folge, dass wir irgendwo im Tunnel sein müssten, oder liege ich da mit meiner
Theorie falsch?“ Sie schien sehr gereizt zu sein. „Schicken sie die Notärzte und
Sanitäter mit den Krankenbahren in den Tunnel. Sie werden dann recht bald auf
uns stoßen.“
Etwas ratlos sah Abigail erst zu Tyler rüber, dann zu Ethan und Carmen und
anschließend schwankte der Kopf zu Hope, die mittlerweile neben ihren Freunden
stand. Mit gemischten Gefühlen suchte sie den Augenkontakt zu den wenigen,
verbliebenen NYPD-Mitarbeiter. „Keiner sagt nur ein Ton von Zombies oder
ähnlichem. Wir müssen erst einmal den Kopf zermartern wie wir die
Sache angehen wollen.“ Die Anwesenden nickten ihr zustimmend zu. Dann wandte sie
sich an Tyler und seinen Freunden. „Ihr seid ebenfalls ruhig. Ich will nicht,
dass die Menschen wegen der Sache in Panik verfallen und wer weiß, vielleicht
hat sich bis morgen alles beruhigt, so dass wir in Ruhe normal weiterleben
können.“ Die Polizistin versuchte alles schön zu reden, was ihr
in Wirklichkeit schwer viel, da
sie wusste, dass das so nicht stimmte. Doch für sie war es wichtig, ruhig zu
bleiben, ein klares Bild von dem ganzen zu bekommen um anschließend eine gut
durchdachte Vorgehensweise aufzustellen und diese anschließend anwenden zu
können. „Geht bevor die Ärzte kommen. Ich denke, dass ihr euch selbst versorgen
könnt. Geht, bevor die anderen kommen und ihr womöglich unangenehme Fragen
beantworten mmüsst.“
Tyler und die anderen wollten gehen, doch Hope viel es schwer, Ian einfach dort
auf dem Boden liegen zu lassen. „Komm Hope, wir gehen.“ Tyler legte mitfühlend
seinen Arm um Hopes Schulter und lief mit ihr zu Carmen, die sie mit einem
Spruch, den sie aus dem Efgenia-Buch auswendig gelernt hatte, zu Tylers Wagen
bringen wollte. Gerade als sie gehen wollten, fing der Fuß von Ian an zu zucken.
Alle blieben daraufhin abrupt stehen. Vorsichtshalber zückte Abigail nach ihrer
Waffe und wollte schießen, falls Ian gleich als Zombie aufstehen würde. Er kam
zu sich und schüttelte verwirrt den Kopf. Noch mit halbgeöffneten Augen
schaute er unglaubwürdig um sich und drückte sich vom Boden ab. „Halt! Nicht
schießen!“ Ethan hielt Abigail auf, ehe sie eine Kugel freilassen konnte.
„Schaut ihn euch an, er ist keiner von ihnen.“ Verblüfft warf Tyler seinem
besten Freund fragende Blicke zu. „Was soll das heißen? Wieso ist er nicht wie
die anderen infiziert?“
„Dadurch, dass Ian Ava angegriffen hat und mit
ihrem Blut in Kontakt getreten ist, hat er ohne es zu wissen sich selbst geheilt
und eine Infizierung verhindern können.“ Dieses
Argument langte für Hope um sich von Tyler zu lösen und vor zu Ian zu eilen.
Noch total neben sich gedrehten wurde er von ihr umarmt. Sie weinte vor
Erleichterung, war froh Ian nicht verloren zu haben und dankte Gott dafür, dass
das Schicksal ihm noch weiterleben ließ. „Ihr müsst
jetzt echt gehen“, rief der eine Polizist, der
vorhin die U-Bahn zum Stillstand gebracht hatte und mit seinem Kollegen einer
der wenigen waren, die von der NYPD überlebt hatten. „Ich
sehe die Strahler von Taschenlampen auf uns zu kommen.“
Sie ließen es sich nicht ein weiteres Mal sagen und verschwanden unmittelbar
danach von der Unglücksstelle. Nachdem Tyler und seine Freunde nicht mehr zu
sehen waren, fasste sich Abigail verzweifelt an die Stirn. „Wie
will ich das bloß alles bewältigen? Verrückt… Einfach nur verrückt…“
.: Fellowship Gefängnis :.
Das Schwarze verschwand wieder aus den
Augen von Adam, wodurch die Lederhaut wieder weiß und die Iris blau wurde. Mit
einem schadenfreudigen Grinsen betrachtete er sich im Spiegel. ‚Das war wohl
nicht das, was sich Dáfni vorgestellt hatte. Den Tod von Ava konnte sie trotz
des großen Aufwands nicht erreichen. Einfach nur kindisch und amateurhaft.
Wenigstens habe ich alles im Griff.‘ Thanatos, der wieder die Kontrolle über
Adams Körper übernommen hatte, wandte sich vom Spiegel ab und legte sich in das
rustikale Bett. Neben ihm lag die Sense, die ihm die unglaubliche Macht verlieh,
Menschenseelen einzufangen.
Seine ursprüngliche Aufgabe, die Verstorbenen in die Hölle zu begleiten hatte er vor seinem Tod nicht mehr wahrgenommen, stattdessen sammelte er die Seelen ein und nahm sie in sich auf, weshalb er immer stärker und mächtiger wurde. Seine Gier nach Seelen wuchs mit jedem Neuen, die er verschlang. Letztendlich kostete ihn das seinen Tod. Die Aufgabe des Sensenmannes wurde an seinen Bruder, Hypnos weitergegeben. Da zwischenzeitlich Hypnos gegen die Dämonen agierte, wurde ihm die Aufgabe des Seelenbegleiters entnommen und anstelle von ihm, wurde die Aufgabe seiner Schwester Ker angeboten. Noch bevor sie die neue Tätigkeit umsetzen durfte, wollte Thanatos erst einmal genug Seelen eingesammeln, um die ultimativen Sieben bei ihrem Ziel helfen zu können. Bald war es so weit und er würde auf einem Schlag so viele verschlungen haben, dass seine Macht keine Grenzen mehr kannte…
.: Epilog :.
"Wir brauchen mehrere Notärzte und Sanitäter im New York State Supreme Court Building. Es sind Schüsse gefallen und es gibt höchstwahrscheinlich Verletzte." Trevor blickte besorgt zu Ethan und den anderen. Ethan verdrehte seine Augen und viel direkt in die Arme seines besten Freundes. Mit halbgeöffneten Augen sah er Tyler an, der nur völlig verstört auf ihn herab blickte – Ethan stand unter einem Schockzustand und konnte sich in diesem Moment kaum mehr rühren. In ihm drehte es gewaltig, wie in einer Achterbahn, die jedoch nicht nach gefahrener Strecke stehen blieb. „Tyler...“, hustete er mit letzter Kraft und spürte eine ungeheure Kälte, die sich in seinem Körper ausbreitete und ihn dadurch hinderte, klar denken zu können. Er schnappte nach Luft doch jeder Atemzug, schmerzte unbeschreiblich, weil seine Wunde dadurch weiter aufgerissen wurde. In weniger als einer Minute verlor er das Gefühl in seinen Gliedern und er wusste, dass er sich nicht mehr lange bei Bewusstsein halten konnte. Mit letzter Kraft versuchte er Tyler mit seinen Lippen ein Lebewohl zu sagen, doch noch bevor es ihm gelang, fielen seine Augen zusammen und konnten nicht mehr geöffnet werden. Wie in einem Konzertsaal, gingen von hinten die Lichter aus. So fühlte sich Ethan, kurz bevor sein Herz aufgehört hatte, zu schlagen. Alles erlosch, erst das Gefühl von seinen Beinen, dann seine Arme, danach der Kopf und letztendlich, der Puls, der dafür sorgte, dass er am Leben blieb…
Erschrocken riss Ethan seine Augen auf
und war mitten in einem dunklen Raum, die nur durch eine kleine Fackel
beleuchtet wurde. Es war wie ein Kerker, der abscheulich nach Verwestem und
Verfaultem roch. Angewidert drückte er sich vom Boden ab und stand auf seinen
wackeligen Beinen. Misstrauisch erkundete er den Raum. "Sieht so etwa die Hölle
aus?" Langsam tastete er sich vorwärts, vorsichtig Schritt für Schritt und trat nach
nur wenige Sekunden auf etwas Hartem.
Er tastete danach und als er realisierte, auf ein menschliches Skelett getreten
zu sein, trat er verschreckt einige Schritte zurück. Seine Augen hatten sich
mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt und nun musste er mit Entsetzen
feststellen, dass er in einem Kerker voller Menschenskelette und verfaulten
Leichen war. Eingeschüchtert suchte er nach einer Tür, doch er fand an keinem
der vier Wände einen Ausgang. Ein eiskalter Schauer lief durch Ethans Rücken und
er wusste in diesem Moment nicht wirklich, was er machen sollte. Ethan hatte ja
schon vieles gesehen, aber so etwas derartig widerliches, war ihm noch nie
widerfahren. Seine Angst gelangte zum Höhepunkt, als diese Leichen auf
einmal zu Leben erweckten und bedrohlich zu ihm hervor gekrochen kamen. Noch
bevor ein Untoter ihm zu nahe treten konnte, tauchte ein dunkler Schatten auf
und brachte Ethan an einen anderen Ort, der sicherer für ihn erschien. „Was
geht hier vor sich? Wer bist du?“, wollte Ethan
wissen und hörte im Hintergrund unzählige Menschen qualvoll schreien und
kreischen. „Herzlichen Glückwunsch, du bist in der
Hölle angekommen.“ Der Schattendämon lief auf ihn
zu. „Hier werden die Seelen gefoltert und gequält,
hätte ich dich nicht aus dem Raum befreit, wäre es dir ebenso ergangen, eine
niemals aufhörende und endlose Folter.“
„Wieso hast du mich dann geholt?“ Ethan wirkte misstrauisch. „Weil ich für dich etwas anderes geplant habe. Doch bevor alles losgeht, muss ich die anderen davon überzeugen, dass du mein ausgewähltes Folteropfer bist.“ Ohne jegliche Vorwarnung rammte der Dämon ihm die scharfe Klinge in den Bauch. Ethan schrie vor Schmerzen und fiel auf die Knie. Er zog das Messer wieder aus dem Körper und schnitt ihm die Kehle auf, so dass das Blut nur so herumspritzte. Ethan krächzte gequält, rang nach Luft und versuchte mit seinen Händen die starke Blutung zu stoppen. Der Peiniger beugte sich zu Ethan vor und flüsterte leise zu ihm. „Der Plan ist es, dich für die große Schlacht vorzubereiten, wo wir beide zusammen mit Tyler und den anderen gegen die Dämonen kämpfen werden.“ Dann schwang der Dämon erneut das Messer und beförderte die scharfe, silberne Klinge mitten in sein Herz…

Ende der Episode.