18.5. Endstation (Teil 2)
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Jonathan war nicht wiederzuerkennen.
Die Augen waren schwarz wie die Nacht, an seiner Stirn stachen die Adern vor Wut
hervor und er versuchte sich gewaltvoll von den Fesseln zu befreien, was ihn nur
noch zorniger stimmte. Ununterbrochen brüllte er Artemis und die zwei Propheten
an, beschimpfte sie auf das Übelste, die sie eiskalt ignorierten, weil sie
weiterhin die magische Barriere aufrecht erhalten mussten. Apollon stieß helfend
dazu und unterstützte die Götter.
Tyler dagegen stand stattdessen bloß da und wirkte wie ein hilfloser
Fußballspieler, der nicht genau wusste, auf welcher Position er spielen sollte.
Herophile warf Apollon ein kleines Elixier aus rotem Gemisch zu, die direkt in
seine Hände fiel. Sofort marschierte er zu Jonathan vor und packte ungalant den
Kopf des Gefangenen. Mit einem festen Handgriff drückte Apollon seine Backen
zusammen und schüttete das Elixier in seinen offenen Mund, danach wich er wieder
von Jonathans Seite und wartete ab, was nun passieren würde. Der Besessene
versuchte das Gemisch wieder herauszuspucken, doch ein Teil war schon durch die
Speiseröhre in seinen Körper gelangt. Das Resultat war ein tobend,
unkontrollierten Jonathan, der wie einer auf einem Elektrostuhl gefesselten
zappelte und sein Kopf in einer unvorstellbaren Geschwindigkeit schüttelte. Es
sah so aus, als wäre in Jonathan die Tollwut ausgebrochen, denn ein solcher
Anblick war regelrecht pervers, da sie wie eine typische Folterszene erinnerte.
„Thanatos ist geschwächt, nun bist du dran Tyler.“
Kam nun wirklich der wiedergeborene Krieger ins Spiel? Tyler war noch von dem
Anblick dermaßen von hingerissen, dass Artemis ihn ein weiteres Mal auffordern
musste, ehe er verstand, dass sein Einsatz nun gefordert wurde. „Du
musst zu ihm vor, weil in Jonathan kein normaler Dämon steckt, sondern einer der
mächtigsten. Ziehe Thanatos Geist direkt aus Jonathans Mund heraus. Mach
endlich!“
Tyler hatte nicht mehr zugehört, weil in ihm erhebliche Nervosität ausbrach. Er hasste es wie die Pest, weil es sich in dem Moment anfühlte, als würde er eine Praxisprüfung absolvieren müssen, in der keine Fehler erlaubt waren – Die Prüfung für den Führerschein war ein Klacks dagegen. ‚Augen zu und durch‘, dachte Tyler angespannt, weil ihm etwas anderes gar nicht übrig blieb und spürte seinen immer höher werdenden Puls gegen seinen Körper schlagen. „1,2…“
.: In der Traumwelt :.
Wie versteinert starrte Atropos auf die
zwei kleinen und verdreckten Glöckchen in ihrer Hand, die sie bei der Begegnung
von Phobeter unbemerkt an sich reißen konnte. Sie konnte nichts damit anfangen,
aber irgendwas sagte ihr, dass der Fund etwas besonderes war, auch wenn sie zu
dem Zeitpunkt nicht mehr wusste, dass sie eine Göttin war. Denn in der Traumwelt
war ein Tag, eine Woche und somit waren sie schon fast sieben Monate in der Welt
gefangen. Sie schaute in die Runde und sah in die verängstigten und
hoffnungslosen Augen ihrer Schwestern. Lachesis hatte es besonders stark
getroffenen, denn sie saß zurückgezogenen in eine Ecke gezwängt, panisch
schauend, weil sie jedes Mal zusammenzuckte, wenn sie etwas hörte.
Als die vier in die Traumwelt gelangten, wurden sie gejagt und Lachesis war damals die erste, die zwischen die Hände von Phobeter und seinen erschaffenen Personen geriet. Sie wurde gequält und gefoltert, da sie diejenige war, die von allem den stärksten Willen besaß. Unerwartet hörten sie Stimmen von mehreren Frauen, die die rostige Stahltür aufbrachen. Sie flüsterten, weshalb Hekate und die anderen hellhörig wurden. Neugierig krochen sie an die Gittertür und spähten in den Gang. „Schaut mal, da sind die Schwestern!“, rief Ava etwas lauter und war heilfroh, dass sie noch am Leben waren.
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Tyler lief zwei Schritte auf Jonathan zu, blieb jedoch erschrocken stehen, da dieser qualvoll anfing zu schreien und sich von den Fesseln befreien konnte. Den Überraschungseffekt hatte Thanatos für sich gewinnen können und nutzte den Moment um die Zwillinge anzugreifen. Zuerst wandte er sich zu Artemis, die ihn mit einem Faustschlag außer Gefecht setzen wollte. Er wusste sich jedoch zu helfen und wich ihr geschickt aus. Danach packte er ihren Kopf - sie versuchte sich aus seinem festen Griff zu befreien – und brach ihr ohne eine Wimper zu zucken das Genick. Wie ein Sack Zement viel Artemis zu Boden und mit dem Aufprall schoss ein gewaltiges Licht aus dem leblosen Körper, der jedem im Raum blendete. Schützend hielt Tyler seine Hand vor seinem Gesicht und als das grelle Licht so schnell wie es gekommen war, auch wieder verschwand, musste er mit ansehen, wie Apollon verzweifelt versuchte, den besessenen Jonathan zu bezwingen. „Artemis!“, brüllte Apollon verbittert und griff Jonathan von hinten an, der jedoch mit dem Angriff gerechnet hatte. Flink drehte sich der Dämon um, rammte mit seinem Ellenbogen in die Rippen des Angreifers und brach ihm in der nächsten Sekunde seinen rechten Arm. Schmerzvoll kniff er seine Augen zusammen und spürte auf einmal den Strick um seinen Hals. Apollon sah noch, wie Tyler Windstöße aus seiner Hand beförderte und in seine Richtung schmetterten, doch es war zu spät. Der Dämon hatte den Strick schon zu stark um seinen Hals zugeschnürt und die Atemwege blockiert, weshalb er vergebens nach Luft rang. Der Versuch, Apollon aus seiner mißligen Lage zu retten, kam zu spät und in dem Moment, als sein Kopf nach unten sackte, schoss aus seinem Körper ein weiteres Mal ein grelles Licht empor.
.: In der Traumwelt :.
Überprüfend kontrollierte Carmen, ob die Luft rein war. Als niemand zu sehen war und sie sich ziemlich sicher sein konnte, dass sie auch niemand überraschen würde, winkte sie den anderen zu. „Kommt schnell. Wir müssen aus dem Friedhof. Erst wenn wir draußen sind, ist der Einfluss von Phobeter nicht so mächtig, weshalb wir aus der Traumwelt entkommen können." Carmen hatte zuvor die Erinnerungen der Göttinnen mit Hilfe eines Zaubers wiedergewinnen können. „So nun beeilen wir uns aber, ehe es wieder unruhig wird.“
Sie sprinteten los, doch Carmen blieb
hinter den anderen stehen. „Ich muss Hypnos helfen, denn schließlich wären wir
ohne seine Hilfe nicht hier. Geht schon einmal vor. Ich werde irgendwie
nachkommen.“
„Du bist doch verrückt“, äußerte sich Hope zu ihrer absurden Aussage. „Wie
willst du das ohne diesem Elixier anstellen?“ Wie ein Wink des Schicksals,
hörten die Frauen das leise Rascheln der Glöckchen aus Atropos Hosentasche.
„Stimmt, ich habe ja die magischen Glöckchen. Schütte etwas über diese
Glöckchen und nehmt sie an euch, Ava und Hope. Ihr werdet dann als erstes in die
Realität zurückkehren. Wir bleiben hier und helfen dir, Carmen.“ Atropos sah
ihre Schwestern entschlossen an. „Ja, wir werden hier bleiben und Phobeter einen
gehörigen Denkzettel verpassen.“
Ava und Hope nahmen die Glöckchen an sich und nachdem Carmen den Zauber ausgesprochen hatte, lösten die beiden sich auf. „Du hast dich mit den falschen Frauen angelegt, Phobeter.“
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
-Gegenwärtige Zeit-
Tyler war völlig außer sich und schoss
nur noch mit Windstößen herum. Er konzentrierte sich auf Thanatos, der Dämon in
Jonathan, und spürte wie seine Wut ihn immer stärker werden ließ. Rasant wurden
die Windstöße immer Stärker und donnerten in die Richtung von Jonathan, der nun
Probleme hatte, stand zu halten. Nur mit Mühe, konnte er seine Füße am Boden
halten, doch als, die Propheten, Tyler zur Hilfe eilten, wurde er überwältigt
und zu Boden geworfen. Flink schütteten sie dem besessenen Jonathan das
restliche Elixier in den offenen Mund, der nun wieder anfing unkontrolliert zu
Zucken. Nun stand Tyler direkt vor dem liegenden Dämonen und ließ mit nur einer
Handbewegung, die Windstürme verschwinden.
Er streckte seinen Arm gegen den Unterlegenen und spreizte seine Hand weit auf. Der Anwalt spürte, wie seine Fähigkeit seine Energie entzog, wie bei einem Sprintmarathon, wo nach einer gewissen Zeit die Puste ausging, doch er musste weitermachen und erst aufhören, wenn dieser Bastard in Jonathan aus dem Körper strömte und vor Gnade winselte. Die ganze Zeit über hatte Jonathan wie ein wildgewordenes Tier gebrüllt, doch als immer mehr dunkler Rauch aus seinem Mund kam, er sich immer weniger gegen die Propheten wehren konnte, wurden auch die schreie immer weniger, bis er völlig verstummte. Jonathan verdrehte seine Augen und ein gewaltiger schwarzer Rauch schoss an Tylers Ohr vorbei und flüchtete aus dem Türschlitz. Erschöpft kniete sich Tyler hin und strich sich den Schweiß aus seinem Gesicht ab. „Ist es vorbei?“ Entgegen seiner Erwartungen schüttelten sie den Kopf. „Nicht wirklich, aber zumindest hast du Jonathan retten können.“ Tyler schwankte seinen Kopf zu den leblosen Zwillingen, bedrückt und mitgenommen fasste er sich an die Stirn und schielte zu Melampus, der sich um den bewusstlosen Jonathan kümmerte. "Hey, wollt ihr die zwei einfach so hier liegen lassen? Kümmert es euch nicht, dass sie im Kampf gegen Thanatos das Leben gelassen haben?" Kaltherzig sah Herophile ihn an. "Sie sind uns nicht egal, aber in jedem Krieg gibt es Opfer. Manches lässt sich eben nun nicht ändern. Es wird immer Opfer geben und damit musst du früher oder später umgehen können. Wenn die Schlacht erst mal begonnen hat werden noch mehr sterben und wenn du jedes Mal so reagierst, wirst du daran zerbrechen und ein leichtes Ziel für die Dämonen sein."
.: In der Traumwelt :.
Hypnos Puls war seiner Meinung nach an einem Level angelangt, die er nicht überschreiten konnte ohne nachträgliche Schäden zu hinterlassen. Und so war er heilfroh, dass er für einen momentlang hinter einem größeren Grabstein - Hier ruht Michael Summerfield – Kraft tanken konnte, ehe er wieder aufspringen musste und so schnell wie es ging, aus dem Friedhof zu entkommen. „Zum Teufel mit dem Ganzen hier“, fluchte er leise und rieb sich sein Knie, weil er vorhin über einen Ast - den er in seiner Hektik übersehen hatte - gestolpert war. Plötzlich hörte er hinter ihm einen lauten Knall und unmittelbar danach, zerbröckelte der Grabstein zu kleinen Teilen und landete größtenteils auf seiner Schulter und auf der Erde. Er hustete, weil er den Staub, der durch die Zerstörung des Grabsteins verursacht und durch den Wind unkontrolliert durch die Luft geweht wurde, eingeatmet und verschluckt hatte. Er krabbelte auf allen Vieren hinter dem Grabstein hervor – oder was noch von dem übrig geblieben war - und erkannte seinen arroganten Verfolger, der ihn mit einem fiesen Grinsen ansah: „Endstation!“
Mit weit aufgerissenen Augen blickte Hypnos in die hasserfüllten Augen seinen
Sohnes Phobeter und realisierte die über Jahrhunderte angesammelte Wut auf ihn.
„Dad, Dad, Dad. Was soll ich denn nur zu dir sagen? Willkommen zurück, ich
empfange dich mit offenen Armen oder sollte ich lieber sagen, du verfluchter
Verräter bist zurückgekehrt? Du hast deine Familie im Stich gelassen und hast
dich gegen uns entschieden. Deine Geschwister Ker und Thanatos, deine eigenen
Kinder Morpheus, Phantasos und mich hast du im Stich gelassen und verraten. Es
ist kein Wunder, dass die Dämonen dir den Rücken zukehren und ich, ich habe die große
Ehre dir den Gnadenstoß zu geben. Weißt du, dass ich aus meinem Fluch, der
Traumwelt entkommen kann? Ich kann wiedergeboren werden, denn mit deinem Tod
verspricht mir Hades mich aus meiner verdammten Welt zu retten.“
Ein eiskalter Schauer, lief Hypnos über den Rücken hinunter, weil Phobeter das wirklich
ernst meinte. „Werde doch endlich vernünftig, Hades wird dir nicht das geben
können, was er dir versprochen hat. Überleg doch mal, er will dich nur für seine
Zwecke ausnutzen um am Ende seine eigenen Ziele verfolgen.“
„Sei ruhig! Ich habe lange auf dich gehört, doch nun ist Schluss! Willst du noch
bevor du stirbst, einige letzte Worte sprechen?“
„Er nicht, aber ich!“, schrie Atropos und briet Phobeter mit der Metallzange einen über den Kopf. Torkelnd verlor er sein Gleichgewicht und stürzte zu Boden. Carmen und Hekate, zogen Hypnos helfend zu sich und unterstützten ihm beim Aufstehen. „Ihr habt mich reingelegt“, brüllte Phobeter verbittert und sprang wieder auf. In der nächsten Sekunde hatte er mehrere Dolche in der Hand, die er gegen die ungebetenen Frauen mit voller Wucht schleuderte. Während Klotho und Hekate den Dolchen ausweichen konnten, stellten sich Atropos und Lachesis schützend vor Hypnos und Carmen und wurden dadurch brutal getroffen. Das Blut tropfte von Atropos Stirn über die vor Schock weit aufgerissenen Augen hinunter über ihre Wange. Der Dolch hatte Lachesis direkt am Kehlkopf getroffen, weshalb sie Keuchend versuchte vor Schmerz zu schreien, jedoch kam außer einem qualvollen Krächzen nicht heraus. Die anderen waren wie gelähmt vor Schreck und noch bevor Phobeter seinen Schlachtzug fortsetzen konnte, tauchte eine unbekannte Person auf. Verblüfft verzog Phobeter fragend sein Gesicht. „Morpheus was suchst du in meiner Traumwelt?“
Morpheus antwortete gar nicht auf die Frage und wandte sich stattdessen zu den
Göttinnen. „Ihr habt eure Arbeit getan.“ Er schnipste einmal und in der Sekunde
waren die Göttinnen verschwunden. Als er ein weiteres Mal in die Finger
schnipste lösten sich auch Carmen und Hypnos auf. „Jetzt sind nur noch wir beide
hier und ich würde mal sagen, dass wir den Ort wechseln.“
Kaum hatte Morpheus das ausgesprochen, landeten sie in einem gefährlich
brennenden Zimmer. „Es tut mir so leid Phobeter, aber ich muss dich aufhalten,
ehe du noch mehr Unheil verursachst.“ Da Phobeter in der Traumwelt von Morpheus
weniger Kontrolle über seine Macht hatte, war er widerstandslos in dieser
Hinsicht und konnte, wenn überhaupt sich nur mit seinen Kampfkünsten
verteidigen. Doch dazu kam es nicht, weil sein Bruder ihn mit einer
blutgedrängten Kugel aus der Schrottflinte direkt in den Brustkorb schoss. „Ich
hätte mir ein anderes Wiedersehen gewünscht. Lebewohl mein geliebter Bruder.“
Danach löste er sich auf und ließ den stark blutenden Phobeter alleine. Er
konnte sich durch seine Verletzung nicht mehr bewegen und lag hilflos da -
Loderndes Feuer, knisternde Holzbalken, umringt von giftigen Rauchwolken und
schwarzer Asche. Das Feuer hatte seinen Höhepunkt erreicht – Panische Todesangst
erreichten Phobeter. Erregt
blickte er an sich hinunter, völlig verstört auf die klaffende große Wunde,
woraus das Blut nur so heraus quoll. In der nächsten Sekunde brach der Holzboden
unter ihm zusammen. Erbarmungslos verschlangen ihn die wütend lodernden Flammen,
die nur darauf warteten, in ihm Empfang zu nehmen. Mit einem letzten Schrei
wollte er seine Demut demonstrieren doch das nützte alles nichts – Die Hölle
hatte Phobeter wieder...
.: Bei den Carrendoors :.
Überglücklich fiel Tyler Ava um den Hals, als diese benommen ihre Augen öffnete. Sie blickte verwirrt in die Runde, erkannte die besorgten Gesichter die ihr an sie gerichteten waren und nahm Tyler nur zögerlich in die Arme. Für einen Moment lang war sie verunsichert, weil sie sich nicht sicher war, ob sie noch träumte. Doch als sie das unverkennbare Parfüm von ihrem Mann duftete, der nie so intensiv in ihren vergangenen Träumen gerochen hatte, wusste sie, dass sie in der Realität war und deshalb Tyler stärker drücken konnte. „Liebling ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Was machst du bloß für Sachen, wenn ich einmal nicht da bin.“ Ava schaute in die Augen von Tyler, der unbeschreiblich erleichtert war, dass seiner Frau trotz des riskanten Ritts in die Traumwelt heil davon gekommen war. Im Wohnzimmer hatten sie sich alle versammelt, Carmen, Dwight, Hypnos und sogar Violet, die in der Traumwelt auf einmal wie vom Erdboden verschluckt wurde. Ava löste sich von Tyler und drückte Violet an sich. Sie weinte vor Freude, weil sie geglaubt hatte, ihre zukünftige Tochter verloren zu haben. Liebevoll strich Violet ihr über den Rücken und meinte, dass sie von Morpheus gerettet wurde, der auch Carmen und Hypnos aus der Traumwelt geholt hatte.
Erst jetzt fiel ihr auf, dass noch eine weitere Person im Wohnzimmer
anwesend war. „Danke“, sagte sie schluchzend und wandte sich zu Carmen, weil sie
wissen wollte, wo die vier Schwestern waren. Carmen presste betroffen ihre Lippen
zusammen und schüttelte langsam den Kopf, während Hypnos ihr tröstend die Hand
auf die Schulter legte. Traurig drehte Ava sich zu Tyler, der verstohlen den
Kopf gesenkt hatte und sich wahrscheinlich in diesem Moment unheimliche Vorwürfe
machte. Sie hielt sich unglaubwürdig die Hand vor dem Mund und wischte sich die
Tränen ab. „Sie haben Hypnos und mich beschützt und wurden dabei beim Angriff
tödlich verletzt“, sagte Carmen den Tränen nahe und drehte ihren Kopf etwas zur
Seite um nicht in die verheulten Augen ihrer Freundin zu sehen. „Bei
dem Versuch, die vier Schwestern aus der Traumwelt zu befreien, wurde ich von
einem weiteren Bruder angegriffen.“ Hypnos zog nach der
Aussage skeptisch die rechte Augenbraue hoch, was jedoch niemand auffiel,
weil alle auf Morpheus schauten.
Tyler wusste seine Hilfe zu schätzen und bedankte sich trotzdem bei ihm. Doch nun musste er an die frische Luft, weil er merkte, wie ihm auf einem richtig schlecht wurde. Ohne ein Wort zu sagen lief er schnell zur Balkontür, riss sie auf und schloss sie hinter sich zu als er draußen stand. Auf den Balkon stützte er sich auf dem Geländer ab und holte tief Luft. Das alles, was ihm in den letzten 24 Stunden passiert war, war eindeutig zu viel für ihn gewesen, was sich auf seinen Kreislauf bemerkbar machte.
„Er braucht Zeit um das alles zu verarbeiten“, sagte Ava und blickte zu ihrem
Mann, der auf dem Balkon stand und ziemlich mitgenommen aussah, auch wenn er
dies unterdrücken wollte. Die Anwesenden
akzeptierten dies und wollten sich nun langsam verabschieden, weil sie selbst
den Tag verarbeiten mussten – Jeder auf seine eigene Weise. Hypnos hatte seine
Magie wieder durch Morpheus bekommen. Er wusste zwar nicht, wie sein Sohn das
geschafft hatte, wollte es zu diesem Zeitpunkt auch nicht wissen. Der
Dämonengott war nur froh, nicht mehr machtlos zu sein, wenn er wieder
angegriffen werden würde.
Sie liefen in den Flur und hörten ein stürmisches Klingeln an der Wohnungstür.
Als Ava verwundert die Tür öffnete sah sie direkt in das verstörte Gesicht ihrer
Freundin, Hope. „Du bist mir eine Erklärung
schuldig und ich möchte diesmal das du mir die Wahrheit sagst!“
Ava schwankte ihren Kopf zu Carmen, die ihre Tasche wieder auf die Kommode
legte, weil sie es für richtig hielt, bei dem Gespräch dabei zu sein, indem es
ging, Hope die Wahrheit zu offenbaren…
.: Kingsboro Psychiatric Center :.
Adam Reyes lag im Bett als er den starken Windzug hörte, der vom Gang aus in sein Zimmer zog. Verwirrt hob er seinen Kopf an und schaute zum Fenster, die jedoch fest verschlossen war. Er hielt für einen Moment lang den Atem an und spitzte die Ohren. „Da ist nichts“, flüsterte er leise vor sich hin und vergrub das Gesicht wieder in das ungemütliche Kissen, die nicht mal ansatzweise an sein Kissen von seiner alten Wohnung ankam. Erschrocken zuckte er zusammen, als er etwas gegen seine Tür schlagen hörte und drehte seinen Kopf ruckartig in die Richtung. „So kommst du niemals hier raus. Jetzt bleib einfach ruhig und versuche zu schlafen.“ Er redete immer mit sich selbst, wenn er merkte, dass er langsam halluzinierte. Doch diesmal schienen die Halluzinationen hartnäckig an ihn bleiben wollen, so dass er das Poltern nicht aus seinen Ohren bekam. Er schaltete das Licht an und musste entsetzt feststellen, dass eine dunkle Rauchwolke an seiner Decke schwebte und direkt in Mund eindrang, die er vor Erstaunen weit aufgerissen hatte.
Er strampelte und stöhnte panisch, schlug gegen die Bettkante, trat wiederholt heftig gegen den kalten Boden, mit dem Ziel, die anderen auf ihn aufmerksam zu machen. Erst als der Rauch vollständig in seinen Körper verschwunden war, tauchten zwei Mitarbeiter des Kingsboro Psychiatric Zentrum auf und hielten ihn an den Armen fest. „Haben wir wieder schlecht geträumt Mister Reyes. Keine Sorge, sie werden nun ganz tief und fest schlafen können.“ Die Pflegerin schien sichtlich genervt von dem Patienten zu sein, weil es nicht das erste Mal war, dass Adam solche Anfälle hatte. Erst nachdem die Spritze seine Wirkung zeigte, wurde Adam ruhiger und lies sich zudecken. „Gute Nacht Mister Reyes.“ Beide Mitarbeiter sahen sich mit einem missmutigen Augenrollen an und verließen sein Zimmer. Dabei fiel ihnen nicht auf, wie sich Adams Augen schwarz verfärbten und er ihnen ein finsteres Grinsen zu warf. „Endstation.“...
Epilog
Sie alle kämpften mit vereinten Kräften
gegen die grausamen Dämonen und ihre Führer, den ultimativen Sieben. Die Dämonen
wollten den Olymp erklimmen, weil dieser als zentraler und heiliger Ort der
Götter galt. Eine Dämonenstätte sollte der Olymp werden, wo die regierenden
Dämonen hausten und neben der Hölle ihr Unwesen treiben konnten. Sterbliche
Krieger, Halbgötter, Götterkinder und die Götter selbst bildeten eine Einheit
und bekämpften die Armee der Dämonen. Es war schrecklich anzusehen, wie nach und
nach die mutigen Helfer für die Gerechtigkeit starben und kaltblütig von den
Dämonen getötet wurden.
Artemis und Apollon bekamen die Unterstützung der Nymphen und andere guten
Geschöpfe, während die kriegerischen Kinder der Themis sich mit ihren
übernatürlichen Fähigkeiten verteidigen
wussten. Die Dämonen kämpften sich bis
an die Spitze hervor, wo das heilige Tor zum Himmelreich war und sie es nur noch
aufbrechen mussten. Doch bevor die Dämonen dort ankamen, schmälerte sich auf
beiden Seiten die Fronten und so verstarben sechs von den ultimativen sieben und
alle auf der guten Seite, bis nur noch Tychon und die Zwillinge Apollon und
Artemis der jüngsten
Herrin, Dáfni gegenüberstanden und sich den letzten entscheidenden Kampf boten.
Doch wer glaubte, dass Dáfni unterlegen war, nur weil sie die einzig Überlebende
der ultimativen Sieben war, hatte sich getäuscht.
Um das Ganze ein Ende zubereiten umkreisten die Zwillinge die skrupellose Dämonin
und ließ einen grellen Strahl vom Himmel auf sie prallen. Dieses Licht
vernichtete jedes Lebewesen innerhalb des Kreises und beendete auch das Leben
von denjenigen, die das Licht gerufen hatten. Somit war es, dass sich die Götter selbst geopfert
hatten, um die Menschen und auch der letzte lebende Krieger zu retten. Als das
Licht langsam abschwächte, und keiner mehr zusehen war, steckte
Tychon seinen Schwert in den Halfter und wollte den Olymp herabsteigen. Er
setzte einen Fuß vorwärts und wurde überraschend von der Dáfni angegriffen,
die ihn von hinten attackierte und zu Boden warf. Ihr Körper war total verbrannt
und hatte an sämtlichen Körperstellen Prellungen und Abschürfungen. Die Haut
wurde durch die Hitze total ausgetrocknet und klebte sogar an Tychon, als er mit
ihr in Berührung kam.
Gewaltvoll riss sie ihm das Hemd auf und biss ihm in die Brust, wodurch das
Dämonengift direkt in sein Herz wandern konnte. Noch bevor das Gift seine volle
Wirkung zeigte, griff er nach seinem Schwert - aus Weihwasser und Phoenixflammen
geschmiedet – und rammte es ihr direkt in die Kehle. Voller Schmerz wälzte sie
sich von Tychon ab und löste sich immer für Sekundenbruchstücke auf, die Augen
jedoch waren immer auf den Verursacher gerichtet. Wäre ihre Stimmbänder nicht
durchtrennt worden, hätte sie ihn sicherlich verflucht und beschimpft, doch sie
konnte es nicht. „Si vis pacem, cole iustitiam“, gab er ihr zu wissen und sah,
wie Dáfni in sich fiel und zu Asche wurde – Der Wind verteilte die Asche über
den ganzen Olymp und mit dem Tod der letzten Dämonin verschwanden auch die
dunklen Wolken, die den hellblauen Himmel verdeckt hatten. Es hörte auf zu
Regnen und zu stürmen, die wie der Beginn des Weltuntergangs wirkte. Am Himmel
wurde es wieder freundlicher und langsam kehrte auch die Sonne wieder zurück,
die mit ihren Sonnenstrahlen Tylers Gesicht berührten –So wunderschön, wie seit
langem nicht mehr.
Sichtlich erleichtert, dass The Ultimate Se7en vollständig ausgerottet wurde, stützte sich Tyler mit seinem Schwert auf und merkte jedoch, wie sich das Dämonengift in seinem Blut rasant verteilte. Es blockierte die Atemwege und verdarb seinen Magen. Das Gift wirkte wie Säure auf seine Leber und Niere und er merkte, wie sein Körper langsam von Innen glühte. „Soweit kommt es nicht – Ich bin ein Krieger und kein blutrünstiges Monster“, schnaufte Tychon und setzte mit seiner letzten Kraft das Schwert gegen sich selbst...

Ende der Episode.