18 | Dreamcatcher

18.5. Endstation

.: M. Gordon’s Schatztruhe :.
-3 Stunden zuvor –

Carmen hatte sich für den Mittag freigenommen, was ihr den Vorteil brachte, das Herzmedaillon früher zubekommen. Außerdem musste sie nicht die Anwesenheit von Officer Abigail Claridge ertragen, die obwohl sie erst ihren ersten Tag bei der NYPD hatte, sich mächtig aufspielte. Den anderen Arbeitskollegen konnte sie großen Eindruck schinden, doch Carmen glaubte nicht alles, was aus ihrem Mund kam.

Ava unterhielt sich mit Christina, die Ladenbesitzerin und unterbrach das Gespräch, als sie Carmen gesichtet hatte. „Hallo Ava“, begrüßte Carmen ihre Freundin und umarmte sie liebevoll. „Wo ist der kleine Dwight?“ „Er schläft und Violet passt gerade auf ihn auf.“ Carmen blickte erstaunt um sich. Obwohl sie schon seit der Geburt an in Brooklyn lebte, hatte sie seither noch keinen Fuß in den Antiquitätenladen getan, was sich als große Schande herausstellte, weil in dem Laden so wunderschöne Gegenstände zum Verkauf standen. Carmen liebte alte Uhren und so war es nicht überraschend, dass in ihrer Küche eine Uhr hängte, die man aus älteren Zeiten in England her kannte.
Ist das Ihre Freundin, die letztendlich entscheidet, ob Sie das Herzmedaillon kaufen?“, fragte Carmen und lief hinter dem Tresen hervor. Ava nickte bestätigend. „Es ist so verrückt müssen Sie wissen. Ich habe überall recherchiert und als ich die Hoffnung fast aufgegeben habe und einen verzweifelten Blick zu den Gemälden machte, fiel es mir wieder ein.“ Christina verschwand kurz hinter der Wand und kam mit einem Gemälde zurück, das alle Blicke auf sich zog. An der Reaktion der beiden Interessierten, wusste Christina, dass sie ins Schwarze getroffen hatte. Auf dem Gemälde war eine blonde junge Frau zu erkennen, die anstelle eines Kleides einen großen pfirsichfarbigen Schleier oder Seidentuch trug. In ihrer Hand hatte sie eine goldene Kette mit einem goldenen Herzmedaillon, das farblich hervorgehoben wurde, weil ein Glanzeffekt um die Kette gemalt wurde. Doch es schien, als wäre das Bild ausgehöhlt worden um das Medaillon hineinzusetzen. Und tatsächlich, das Herzmedaillon war nicht gemalt, sondern wurde in das Gemälde integriert.
Wow. Mir bleibt die Luft weg“, äußerte sich Carmen und konnte ihre Augen nicht vom Bild lösen. „Ja, das ist das Herzmedaillon was ich gesucht habe“, fügte Ava überwältigt hinzu.

Sichtlich erfreut wanderte Christina wieder hinter dem Tresen und stellte es darauf ab. „
Der letzte Käufer war ein Künstler, der sich beim ersten Blick in das Herzmedaillon verliebt hatte. Er wollte unbedingt das Schmuckstück in sein aktuelles Werk integrieren und so wurde aus einer einfachen Kette das Teil eines Kunstwerkes.

Wer ist denn die Frau auf dem Bild?“, fragte Ava interessiert. Unwissend bewegte Christina ihre Schulter auf und ab. „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Ich weiß nur, dass dieses Gemälde schnell einen Käufer gefunden hatte und dass dieser es jedoch wieder sofort an mich verkauft haben wollte, weil er seit dem Besitz des Werkes, Unglück hatte. Als ich das Medaillon wiedererkannt habe, musste ich an die vorherigen Besitzer der Kette denken, die das selbe behaupteten. Also ich glaube ja nicht an Übernatürliches, aber anscheinend verbindet jeder mit der Kette etwas schlechtes.

Carmen und Ava sahen sich intensiv an. „
Wie viel kostet das Gemälde samt der Kette?
Zu ihrem erstaunen wollte Christina letztendlich Ava das Gemälde schenken. „
Es liegt schon eine Weile hier und hat seither auch keinen neuen Besitzer gefunden. Ich habe sie letzte Woche abgehängt und wollte es in den Keller bringen, wo die unverkauften Sachen gelagert werden. Wie gesagt, das Gemälde gehört Ihnen, wenn sie das wollen.

.: In Tylers Traumwelt :.

Tyler war schon völlig erschöpft von der immer wiederkehrenden Situation, die er ausgesetzt war. Es war eine harte Prüfung, die er bewältigten musste. Immer wieder musste er sich den blutrünstigen Schäferhunden, der älteren Dame Miss Fisher, dem kleinen lateinamerikanischen Jungen stellen und nachdem er sie mit Hilfe seiner Fähigkeit, den Windstößen schlagen konnte, tauchten neue besessene Personen auf. Jedes Mal, wenn er scheiterte und starb, wurde er wie in einem Spiel wieder zum Anfang gebracht, was ihm in sein Schlafzimmer führte. „So komme ich nicht weiter. Es muss einen anderen Weg geben, denn langsam werde ich noch wahnsinnig. Die Windstöße sind nicht der Schlüssel zur Aufgabe. Ich konnte mich damit zwar wehren, jedoch tauchen immer aus heiterem Himmel weitere Personen auf. Tyler, denk nach, so schwer kann es doch nicht sein.“ Tyler fühlte sich ein bisschen wie Alice aus Resident Evil, wo die Klone sich durch das Labor der Umbrella Coperation beweisen mussten. Er dachte an die Worte von Morpheus und wollte nach dem 13. gescheiterten Versuch aus der Traumwelt zu entkommen, seine Energie auf seine Fähigkeit konzentrieren. Er durfte sie nicht töten, denn immer wenn sie starben, fing alles wieder von vorne an. Er musste also ein Weg finden, wie er die Dämonen in den Menschen wieder austreiben konnte, ohne sie tödlich zu verletzen. Festentschlossen diesmal anders vorzugehen, riss er die Tür auf und wurde auch sofort von den Hunden empfangen. Sie sprangen auf ihn, weshalb er geschickt den beiden auswich und aus der Wohnung rannte. Von weitem sichtete er schon Miss Fischer, die auf ihn zugestürmt kam, doch bevor er sich der älteren Dame widmete, drehte er sich um und schleuderte einen Windstoß gegen den kleinen lateinamerikanischen Jungen, der schon hinter ihm lauerte und das Messer in seinen Rücken rammen wollte. Der Junge fiel im hohen Bogen gegen die Tür und wurde bewusstlos – er starb nicht, sonst wäre Tyler wieder im Schlafzimmer gelandet.

Miss Fisher war zu Tyler vorgedrungen und kreischte wie eine Hyäne, die an ihn nagen wollte. Er bückte sich und schlug mit seinem Ellenbogen in die Rippen der Frau, wodurch sie schmerzvoll zu Boden fiel. Mit einem Windstoß beförderte er sie gegen die Wand. Er musste nicht lange warten bis aus dem Treppenhaus die Schülerin, Amanda auftauchte. „Komm sofort zu mir“, schrie er und hoffte, dass Amanda nicht verwirrt stehen blieb und dadurch von dem Hausmeister, der ihr heimlich gefolgt war, mit der Axt aufgeschnitten wurde. Tyler rannte hastig zu ihr und zerrte sie hinter sich. „Was wollen Sie von mir?“, fragte sie verängstigt und konnte die Situation nicht nachvollziehen. Doch als sie den Hausmeister mit der Axt sehen konnte, der sich wie ein Bär vor Tyler aufgerichtet hatte, fing sie an zu schreien. Tyler bremste seinen Schlag, indem er mit beiden Händen nach dem Stiel der Axt griff und dagegen drückte. Er konzentrierte sich auf seine Fähigkeit, was zur Folge hatte, dass unter ihm ein Wirbel entstand und den Hausmeister verwirrte. Als der Hausmeister eine Sekunde  lang nicht aufpasste, entriss Tyler ihm die Axt und stieß den Hausmeister gegen die Wand.

.: Bei den Carrendoors :.

Mit einem mulmigen Gefühl kniete Carmen vor dem Gemälde mit dem Herzmedaillon und suchte im Buch nach der Stelle, wo beschrieben wurde, wie sie in die Traumwelt eines Menschen eindringen konnte. Sie blätterte Seite für Seite durch und war nach wie vor überwältigt von der Menge, wie viel sich in den letzten Jahrhunderten angesammelt hatte. Ein Rascheln drang an ihr Ohr, weshalb sie für einen Moment die Augen vom Buch ließ. „Carmen wie weit bist du?“ Sie zuckte leicht zusammen und drehte sich um. Violet und Hypnos waren einem Poltergeist gefolgt, der eine Nachbarin des Hauses seit geraumer Zeit geplagt hatte und kamen nach der erfolgreichen Aufgabe, den Poltergeist wieder in die Verdammnis verbannt zu haben, zurück in die Wohnung. „Wenn die vier Schwestern erwachen, kommt Hypnos wieder an seinen Flügeln dran und könnte uns vielleicht bei unseren Dämonenkämpfen besser unter die Arme greifen“, merkte Violet an. Carmen verzog skeptisch ihre Augenbraue. „Welche Flügeln?

Hypnos setzte sich auf den freien Platz des Sofas und erklärte ihr, was Violet mit den Flügeln meinte: „Als Thanatos in die Hölle verbannt wurde, kamen die Dämonen auf mich zu und fragten, ob ich den Platz von meinem Bruder einnehmen möchte und die verstorbenen Seelen in die Hölle begleiten wollte. Anfangs war ich strikt dagegen, doch ich wollte Thanatos Aufgabe keinem anderen überlassen. Auch Apollon, der zu derzeit noch ein guter Freund von mir war, wollte nicht, dass ich den Dämonen einwilligte. Doch als ich zusagte, sollte ich meine Fähigkeiten abgeben um die Sense in ihrer vollen Macht einsetzen zu können. Ich gab also mein Schlummerhorn und Mohnzweig ab, außerdem wurde mir die Flügeln an der Stirn, die unter der Haut eingebrannt wurden, entfernt. Mit einem Zauber ließ Hekate alles verschwinden und somit weiß nur sie, wie ich wieder an meine Fähigkeiten komme. Da die Dämonen mir nun die Sense wieder entnommen haben, bin ich machtlos.

Carmen verstand sein Anliegen und kannte nun den wahren Grund seiner Anwesenheit. „
Na gut, wir verfolgen also das selbe Ziel. Willst du dann mit in die Traumwelt?

Als Unterstützung wäre es sinnvoll mitzukommen, doch ich kann nicht.
Wieso?“, wollte Violet wissen.
Mein Sohn, Phobeter würde nach einer Weile meine Anwesenheit spüren und somit könnte ich euch in Gefahr bringen. Phobeter wird nicht skeptisch, wenn Personen auftauchen, die er noch nie in seinem Leben getroffen hat. Somit denkt er, dass seine Traumwelt diese Menschen erschaffen hat und sieht die auch nicht als Bedrohung an. Wenn ihr also in die Traumwelt gelangt, verhaltet euch unauffällig, sofern ihr nicht gerade in eine Welt kommt, wo die Dämonen ihr böses Spiel treiben. Ihr müsst euch aber im Klaren sein, dass ihr den Unterschied zwischen der realen und der Traumwelt anfangs nicht unterscheiden könnt. Achtet auf Unstimmigkeiten die noch so unscheinbar wirken mögen. Mit dem Buch könnt ihr sicherlich die gefangenen Göttinnen aufspüren und so rettet sie bald, denn je länger ihr in der Traumwelt verweilt, desto stärker wird Phobeter, weil er eure Lebensenergie absorbiert.

Da Carmen nebenbei im Buch weitergeblättert hatte, fand sie die Stelle wo Phobeter beschrieben wurde. Sie las den anwesenden vor, was darin stand und wie sie in seine Traumwelt gelangen konnten. Die Gefangenen konnten nur überleben, wenn sie innerhalb sieben Wochen aus der Traumwelt gerettet wurden, ansonsten blieben sie für immer dort gefangen. Zum Glück befanden sie sich mitten in der siebten Woche, was bedeutete, dass sie nicht zu spät kamen. „
Dann will ich mal das Herzmedaillon aus dem Gemälde entnehmen.“ Carmen zögerte, weil sie Angst davor hatte, was passieren würde, wenn sie das Medaillon berührte. Sie hielt den Atem an und nahm ihren ganzen Mut zusammen. Vorsichtig berührte sie das Schmuckstück und als sie jedoch merkte, dass nichts geschah, zog sie die Kette rasch aus dem Bild. Nachdem sie die Kette um ihren Hals geschlungen hatte, half ihr Hypnos beim Verschluss. „Ich dachte wirklich, dass ich nun irgendetwas Übernatürliches spüren würde, aber bis jetzt hat sich nichts getan“, teilte Carmen den anderen mit und hielt das Medaillon mit der Hand vor der Brust fest. Sie wirkte etwas enttäuscht, zuckte mit den Schultern und teilte Violet und Hypnos mit, was sie für das Eindringen in die Traumwelt benötigten: „Wir brauchen jeweils eine Haarsträhne von den vier Schwestern die um einen Mistelzweig gewickelt werden, einen Gegenstand aus dem Gebäude oder der Gegend wo sie in den tiefen Schlaf fielen, Mohnkörner, die wir dann über die den Gegenstand streuen können, vier Teelichter und etwas Weihwasser von einer Kirche. Sobald wir das vollständig beisammen haben, muss der dafür vorgesehene Zauber laut ausgesprochen werden. Zuerst auf lateinisch und danach in der Landessprache.

Hypnos, Violet und Carmen wollten sich zugleich auf den Weg machen, um die nötigen Dinge zu besorgen. Ihnen kam es sehr entgegen, als Dwight von seiner Arbeit zurückkam und direkt helfen wollte. Dwight und Carmen erklärten sich dazu bereit, in das Psychiatriezentrum zu gehen, während Violet und Hypnos zum Brooklyner Campus gehen wollten. „
Dann treffen wir uns wieder hier?“, vergewisserte sich Carmen. Ein Ja kamen aus den Mündern der übrigen drei. „Let the show begin“, leitete Dwight die Suche ein und beamte sich mit Carmen aus der Wohnung.

.: In Tylers Traumwelt :.

Mister Carrendoor!“, brüllte Amanda entsetzt und wurde von Miss Brown, die gegenüber von Tyler wohnte, weggezerrt. Sie zog gewaltsam an ihren Haaren und schleifte sie durch den Gang. Schnell wandte er sich von dem Hausmeister ab und schmetterte einen Windstoß in die Richtung der beiden Damen und versuchte dabei, nur die besessene Nachbarin zu treffen – Erwischt! Im hohen Bogen knallte sie gegen die Aufzugstür und sackte zu Boden. Der Anwalt, konnte zwar die besessenen Personen außer Gefecht setzen, nur waren sie nach wie vor eine Bedrohung für ihn. Er half der Schülerin beim Aufstehen und riet ihr, dicht hinter seinem Rücken zu bleiben. Mit bedachten Blicken, klapperte Tyler jede Ecke ab, wo mögliche Gefahren lauern könnten. Als die Bedrohung außer Gefahr zu scheinen mochte, wachte Miss Fischer aus ihrer Bewusstlosigkeit wieder auf. Gerade als Tyler sich erneut gegen sie richten wollte, tauchte Morpheus auf und brachte ihn zurück in die Wohnung.

Missverständlich ließ sich der Traumgott auf das Bett fallen und schüttelte mit dem Kopf, während er Tyler ohne ein Wort zu verlieren beäugte. Geknickt lehnte sich Tyler gegen den Kleiderschrank: „Durchgefallen, oder?“ Morpheus hielt für einen Moment inne und holte tief Luft. „Du bist ja noch schlechter als die Götter dich beschrieben haben. Ich dachte wirklich, dass du deine Fähigkeit auch ohne fremde Hilfe entdeckst, aber da lag ich wohl falsch.“ Erst war in Tylers Gesicht eine gewisse Empörung zu erkennen, dann wurde sein Ausdruck schuldbewusst und gekränkt. „Und wie soll es nun weitergehen?
Morpheus erhob sich wieder und lief zu Tyler. „
Wenn du jetzt rausgehst möchte ich, dass du an die Dämonenaustreibung denkst, ehe du deine Fähigkeit einsetzt. Konzentriere dich nur auf die Befreiung der Personen, hast du verstanden?“ Tyler blickte kurz an die Decke und kratzte sich grübelnd am Hinterkopf. „Ja, dass müsste ich hinbekommen.

.: Bei den Carrendoors :.

Carmen, Dwight, Violet und Hypnos hatten alles für den Zauber fertiggestellt, sodass Carmen nur noch den Zauber aussprechen musste um in die Traumwelt zugelangen. Zudem hatten sie ein Elixier zusammengemischt, um wieder aus der Traumwelt zurückzukommen. Sie verdunkelten das Wohnzimmer und zündeten die Kerzen an – Es konnte also losgehen.
Inzwischen war auch Ava dazu gestoßen, die fasziniert die Zeremonie ohne ein Wort zu verlieren beobachtete. Carmen las aus dem Buch den lateinischen Absatz und danach den gleichen nur in ihrer eigenen Sprache laut vor. Unverhofft fing Avas Handy an zuklingeln und störte somit das Vorhaben. Ava versuchte Hope, abzuwimmeln und drückte sie immer weg, doch sie war hartnäckig, weshalb sie sich dazu erbarmte und abnahm. Um Carmen und die anderen nicht zu stören huschte sie in den Flur und fragte Hope was sie wollte, hatte aber immer ein Auge in das Wohnzimmer gerichtet. „
Ja, die eine Armbanduhr aus dem Antiquitätenladen kannst du als Geburtstagsgeschenk für Ian kaufen. Ich finde sie auch wunderschön, aber Hope, könnte ich dich gleich zurückrufen, weil Dwight…“ Plötzlich gab es einen lauten Knall. Rauchwolken stiegen vom Boden herab an die Decke und verbreitete sich in Windeseile im ganzen Zimmer. „Ava, was ist gerade bei euch los? War das grad ein Knall? Was ist los?

Noch bevor Ava die Frage beantworten konnte, hörte sie wie Carmen anfing zu schreien und als sie durch den Rauch in das Wohnzimmer sehen konnte, sah sie, wie Carmen anfing hell aufzuleuchten. Alles geschah so schlagartig und ehe sie versah, überwältigte sie das Licht und der stickige Qualm…

.: In der Traumwelt :.

Ava, Hope, Carmen und Violet verabschiedeten sich von Sophie, die sie zu einem DVD-Abend eingeladen hatte. Sie hatten sich zusammen Sweethome Alabama angeschaut und waren, obwohl jeder von ihnen den Film schon mehrmals gesehen hatte, nach wie vor noch angetan von der Liebesgeschichte. Sie unterhielten sich noch bei der Verabschiedung über das kitschige Ende und tauschten hier und da herzliche Umarmungen aus. Danach begaben sich die vier jungen Frauen auch schon in den Aufzug. Während sie warteten, bis der Aufzug im Erdgeschoss stehen blieb, zuckte das rechte Auge von Violet ununterbrochen. Sie hatte schon seit einigen Minuten ein unwohles Gefühl, doch sie wusste nicht wieso. Waren die vielen Schokoladenstückchen der Grund, weshalb sie das mulmige Gefühl hatte?

Ist was?“, fragte Ava und blieb mit ihrer zukünftigen Tochter kurz stehen, während Hope und Carmen aus dem Aufzug stiegen, da dieser im Erdgeschoss angekommen war und aufging. „Nein es ist nichts glaube ich. Fahren wir nach Hause.“ Ava zögerte kurz, stimmte aber danach zu und stieg zusammen mit den anderen Mädels in den Wagen von Carmen ein. Sie fuhren die Straße entlang und merkten, wie ruhig es doch war – der Abend verging wie im Flug. Nur wenige Autos fuhren – im Verhältnis als gewohnt - ihnen entgegen und auch sonst waren kaum Passanten auf den Gehwegen zu sehen. „Ach, so ein Mist“, schimpfte Carmen vor sich hin und drehte die Musik etwas leiser, „Ich muss tanken, weil ich fast kein Benzin mehr habe.

Schau mal, dort vorne ist eine Tankstelle.“ Hope zeigte auf die leer stehende Tankstelle. Die Lichter waren an der Tankstelle an, was bedeutete, dass sie auch geöffnet hatte. Carmen bog rechts ab und fuhr an eine der sechs freien Zapfsäulen. Diese Gelegenheit nutzte Ava um die Toilette aufzusuchen. Violet dagegen wollte mit Dwight telefonieren um nach dem Rechten zu schauen, weil er für den Abend den Babysitter mimte. Summend bewegte Hope ihren Kopf von links nach rechts im Takt zu One Republics – Stop and Stare. Sie schaute zu Carmen die ihr signalisierte, dass sie bezahlen gehen wollte. „Ist ok“, rief Hope ihr zu nachdem sie die Fensterscheibe heruntergekurbelt hatte. Sie drehte die Musik lauter und fing infolgedessen lauthals mitzusingen. Dieses Lied gefiel ihr unheimlich, auch wenn es schon etwas älter war. Die Gitarrenriffs und das Schlagzeug fand sie am besten - Musik zum Träumen eben. Nachdem das Lied langsam dem Ende zu neigte, wunderte Hope sich, wieso Ava und Violet noch nicht zurückgekommen waren. Auch Carmen schien länger als vermutet zu brauchen. Hope drehte die Musik wieder leiser und stieg aus dem Auto aus.

Ava?“ Sie lief zur Toilette und hörte, wie Ava gegen die Tür hämmerte und panisch nach Hilfe schrie. „Ein Moment.“ Hope zog an der Türklinke und bekam sie ohne Probleme auf. „Gott sei Dank. Die Tür ging auf einmal nicht mehr auf.“ Ava sah richtig verängstigt aus und als die beiden einen lauten Schrei von Violet hörten, zuckten sie zusammen. Sie sahen sich erschrocken an und eilten ums Eck um nach ihr zu schauen, doch sie war nicht mehr da. Nur das Handy lag einsam auf den Boden. Kurz darauf kam Carmen zu ihnen gelaufen und sagte, dass sie Schreie gehört hatte. Als Hope und Ava ihr erzählten, dass Violet spurlos verschwunden war, wurde auch sie unruhig. Unerwartet ging das Licht für eine kurze Zeit aus. Sie rückten eng aneinander und verhakten sich gegenseitig. „Was geht hier vor sich?“, fragte Hope schlotternd, in der Hoffnung, dass der Strom schleunigst wieder anging.
Bitte, bitte, bitte“, faselte sie vor sich hin und kniff ihre Augen fest zusammen – Ein Glück. Die Lichter gingen wieder an, doch der Tankwart, war nicht mehr hinter dem Tresen. Ava griff nach dem Handy von Violet und drückte auf Wahlwiederholung - Doch die Leitung war tot. „Mist.“ Ava stampfte einmal verärgert gegen den Boden.

Plötzlich hörten sie einen dumpfen Aufprall gegen eine Scheibe, die in unmittelbarer Nähe war. „Was war das?“, fragte Hope zähneklappernd. Sie drehten sich in die Richtung, woher das Geräusch kam, und sahen, wie der leblose Körper des Tankwarts unerklärlicherweise vor ihrem Auto lag. Ava wollte zu ihm laufen, doch sie wurde von Carmen festgehalten. „Gehe nicht zu ihm. Du weißt nicht wer sich hinter dem Auto versteckt... Wieso habe ich bloß meine Dienstwaffe im Handschuhfach gelassen?“ War es denn nicht richtig zu helfen oder würde sie sich selbst in Gefahr bringen, dachte Ava und war sich auf einmal nicht mehr sicher, ob sie tatsächlich zu dem bewusstlosen Tankwart gehen sollte.

.: In Tylers Traumwelt :.

Völlig erschöpft lehnte sich Tyler gegen die Wand und sah die bewusstlosen Personen um ihn herum an. Hatte er tatsächlich nach dem 21. Versuch es geschafft, die besessenen Menschen von den Dämonen zu befreien? Bei manchen konnten er sich sicher sein, weil aus ihren Münder schwarze Rauchwolken herausschossen. Aber was ist mit den Personen, bei denen es nicht klar ersichtlich war, dass etwas aus ihren Körper die Flucht ergriff? Er wusste es nicht, denn erst wenn sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwachten, würde er es definitiv wissen. Die kurze Ruhe, die ihm gegönnt wurde, war verflogen als Morpheus vor seinen Augen auftauchte. „Thanatos ist erwacht und nun muss ich dich wieder aus der Traumwelt reißen. Du beherrschst nun deine Fähigkeit, oder?“ Tyler konnte nicht einmal antworten, als er auf einmal mitten im Raum stand, wo Jonathan wütend auf den Stuhl gefesselt wurde und hin und her zerrte.

.: In der Traumwelt :.

Eine dunkle Gestalt zeigte sich langsam hinter dem Auto, woraufhin Hope, Ava und Rachel Panik bekamen und in den Laden rannten. „Schnell wir müssen etwas vor die Tür stellen.“ Hastig blickte Hope umher. „Da das Regal.“ Zusammen schoben die Freundinnen das Regal vor die Tür und entfernten sich davon. „Das soll wohl ein schlechter Scherz sein, oder?“ Ein Mann, der um die vierzig sein müsste, rüttelte vergebens an der Tür und versuchte danach die Scheiben einzuschlagen. Doch anscheinend hatte er zu wenig Kraft, so dass er wieder wegging. „Ich habe Angst“, gab Hope zu und war da nicht die einzige. Auch Carmen und Ava hatten fürchterliche Angst. Plötzlich ging erneut der Strom aus, doch diesmal blieb er auch außer Betrieb. „Ava ich will von hier weg!“ Hope hatte schon Tränen in den Augen und wurde von Ava so gut wie es ging beruhigt, auch wenn sie selbst panische Angst verspürte. „Es muss doch einen Weg aus diesem verflixten Laden geben.“ Sie gingen durch den schmalen Durchgang der zu einem kleinen Aufenthaltszimmer mit einer Küchenzeile führte. Carmen zögerte nicht lange und suchte in den Schubläden nach Messern, die sie zur Not gegen den Mann verwenden könnte. Hope dagegen setzte sich auf den Stuhl neben den Fenster und hielt sich die Hand vor dem Gesicht. „Findet ihr das nicht alle sehr seltsam?“, fragte Ava, nachdem sie im Aufenthaltszimmer eine Kerze gefunden hatte und dabei war, diese mit dem Feuerzeug, was auf dem kleinen Tisch lag, anzuzünden. „Ich könnte wetten dass…

Unerwartet packte jemand Carmens Arm und versuchte sie aus dem Zimmer zu zerren. Sie wehrte sich dagegen, schüttelte sich am ganzen Körper und gab dem unbekannten einen harten Tritt gegen seine Kniescheiben. Danach drehte sie sich um und rammte ihm das Messer in den Oberschenkel. Voller Schmerz brüllte der Mann los und versuchte das Küchenmesser aus seiner Wunde zu ziehen. Diese Gelegenheit nutzten die drei Freundinnen und eilten aus dem Aufenthaltszimmer. Am Ende des Ganges, stand die Hintertür weit aufgeschlagen und so rannten sie so schnell wie es ging hinaus. Draußen angekommen, stürmten zwei weitere Männer auf sie zu. Beide hatten genauso wie der Verletzte, schwarze Ledersachen an und schienen von einer Motorrad Gang zu sein. Ava zog ihre Freundinnen nach links zur anderen Straßenseite, wo ein offenes Tor zu einer kleinen Parkanlage führte. Als sie jedoch durch das große Stahltür mit rustikalen Gittern liefen, mussten sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie auf einen Friedhof gelandet waren…

.: Brooklyner Campus :.

Tylers Cousine, Rachel und ihr Freund Riley bekamen eine übernatürliche Nachricht, kurz nachdem Hypnos und Violet bei ihnen waren und ein altes Campus T-Shirt mitgenommen hatten. Zwei Sonnenstrahlen schossen zielgerade auf die Stirn der beiden und übermittelte die Nachricht, die für sie bestimmt waren. In dieser Sekunde, indem sie wie gelähmt da standen und sich keinen Zentimeter rühren konnten, wurde ihnen eine Frage gestellt, die ihre nächsten Wochen verändern würden. Es war Themis, die Kontakt mit den beiden aufnahm und ihr Anliegen unterbreitete. Bis Mitternacht hatten sie Zeit sich zu entscheiden. Nachdem die Sonnenstrahlen sich wieder aus dem Zimmer zurückzogen, zurück hinter die dichten Wolken, schauten sie sich verdattert an und konnten im ersten Moment kein Wort von sich geben. Erst als Riley, sich schüttelte, sprudelte es nur so aus Rachel heraus: „Oh mein Gott, was war das grad für eine abgespacte Darbietung? Was denkst du was wir tun sollen? Sollen wir zustimmen oder ablehnen?

Grübelnd klappte er sein Buch zusammen, in der er gerade gelesen hatte und setzte sich neben Carmen auf das Bett. „
Ich verdanke Tyler und den anderen mein Leben und ich denke, es geht nicht nur mir so. Du wurdest auch schon oft gerettet und Themis versicherte ja, dass es nicht für immer so sein wird. Wenn wir zustimmen würden, könnten wir unsere Dankbarkeit zeigen und dabei ihnen helfen oder denkst du da anders?
Ich habe nur Angst“, gab Rachel zu, „Was ist, wenn es nicht so ist, können wir uns dann noch verwirklichen, aber andererseits wird es bei der totalen Zerstörung sowieso nicht möglich sein, sich zuverwirklichen. Also ich denke…
Mitfühlend legte Riley seinen Arm um ihre Schulter und drückte sie an sich. „
Solange wir beide zusammen sind und ich auf dich aufpassen kann, bin ich glücklich und zufrieden. Du musst dich ja nicht sofort entscheiden, wir haben ja noch bis Mitternacht Zeit.
Du hast recht. Solange ich bei dir bin, ist es mir egal was passiert. Also, ich habe mich entschieden.“...

.: In der Traumwelt :.

Halt“, schrie Carmen erschrocken. „Jetzt wird mir so einiges klar.“ Hope und Ava blieben verdattert stehen und warteten darauf, was ihre Freundin zu sagen hatte. „Sucht auf den Friedhof nach einem Kerker, denn dort werden nämlich die vier Schwestern gefangen gehalten.“ Während Hope immer noch nicht dahinter kam, was Carmen von ihnen wollte, dämmerte es auch langsam bei Ava. Sie erinnerte sich an einen lauten Knall, dem Telefonat mit Hope und dem fürchterlichen Rauch. „Das Ritual! Ach herrje, das war gar nicht geplant, dass wir alle hier landen.

Würde mich bitte jemand aufklären?“, bat Hope und schaute dabei Ava eindringlich an. „Ich muss das Buch von Efgenia aus meiner Tasche holen. Ava, du kannst dich ja noch an Tylers Vision erinnern. Suche nach irgendwelche waffentauglichen Gegenstände und finde heraus, wo die vier Schwestern gefangen gehalten werden. Ich werde dann nachkommen.“ Unbeirrt griff Ava nach der Hand der hilfsbedürftigen Freundin, die außer Bahnhof nichts verstand und drang mit ihr tiefer in den Friedhof ein.

Carmen wartete noch eine Weile, bis sie sich sicher sein konnte, dass Hope und Ava nicht verfolgt wurden und machte sich danach auf den Weg zurück zur Tankstelle. Auf halber Strecke wurde sie von Hypnos erschreckt, der sie fast umgerannt hätte, weil er so stürmisch war. In der Hand trug er das Buch, welches sie eigentlich aus ihrem Auto holen wollte. „
Es ist zwar die Traumwelt von Phobeter, aber ich spüre noch eine Person, die ich nicht klar identifizieren kann. Ich weiß nur, dass sie Violet geschnappt hat."
Wir müssen zu Ava und den anderen, ohne unsere Unterstützung schaffen sie das nicht.
Warte, nicht so schnell“, hielt Hypnos Carmen auf. „In der Vision tötete Phobeter Hekate, da er auf euch aufmerksam wurde. Wir müssen also anders vorgehen. Wenn du dafür sorgst, dass die Göttinnen ihre Erinnerungen bekommen, können sie deine zwei Freundinnen bei der Flucht helfen. Du machst jetzt folgendes. Suche deine Freundinnen auf, im Buch müsste ein Erinnerungszauber stehen, den du bei den Göttinnen anwendest. Sobald sie die Erinnerungen wieder gewonnen haben, sucht ihr so schnell wie es geht das weite und gelangt wieder in die Realität. Ich werde währenddessen dafür sorgen, dass Phobeter abgelenkt wird und sich vom Kerker fernhält. Somit gewinnt ihr etwas Zeit, aber trödelt nicht. Ich weiß nicht wie lange er auf das Ablenkungsmanöver reinfällt.

Mit einem beklommenen Gefühl nickte sie ihm zu und lief mit ihm in den Friedhof. Vom weiten sah sie schon Hope, die ohne es zu wissen von einen der Männer von der Tankstelle verfolgt wurde und er in seiner Hand eine Metallzange trug. Er holte aus und brüllte dabei laut um Hopes Aufmerksamkeit zu gewinnen. Mutig nahm Ava eine Handvoll Kieselsteine vom Boden und warf sie direkt in das Gesicht des Mannes. Seine Augen wurden getroffenen und brannte daher fürchterlich. Er musste die Metallzange loslassen, um sein Gesicht von den Kieselsteinen zu säubern und rieb sich dabei die Augen vor Schmerzen. Hope stand immer noch unter Schock und konnte sich keinen Zentimeter rühren. Es war wieder ihre Freundin, die ihr aus der Situation half und nach der Metallzange griff und mit voller Wucht gegen seinen Nacken schlug, so dass er gleich Ohnmächtig wurde. Mittlerweile war auch Carmen zu ihnen vorgedrungen und riet ihnen zu verschwinden. „Ava woher hast du gelernt, dich so verteidigen zu können?“ „Angst? Panik? Reflex? Erklär du es mir, denn ich kann’s mir selbst nicht erklären.“ Ava kicherte verlegen und folgte den beiden Freundinnen, die sich auf die Suche nach dem Kerker machten.

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