16.4. Machtlos (Teil 2)
.: Bei den Carrendoors :.
Die
Moiren beamten sich direkt in die Mitte des Schlafzimmers von Ava und Tyler und
mussten den Büchern ausweichen, die wild im Zimmer herum gewirbelt wurden.
Ansonsten hätten sie womöglich unfreiwillig Bekanntschaft mit dicken Wälzern,
die von Literatur bis zu Krimi und von Thriller bis hin zu Wissensbüchern
reichten, gemacht. „Na das nenne ich doch eine nette Begrüßung“, rief Atropos,
nachdem sie sich schnell geduckt hatte und schützend ihre Hände über den Kopf
geschlagen hatte. Dwight hatte die Schicksalsgöttinnen entdeckt und war froh,
Unterstützung zu bekommen, da er mit Dáfni nicht alleine fertig wurde. Er
drückte sich vom Boden ab - schaute auf sein schwarzes Lederband um sein
Armgelenk - und ließ einen Windstoß frei, der nur noch mehr für
Unruhe im Zimmer sorgte. Dieser flog in einem schnellen Tempo in die Richtung
der Dämonin, die jedoch diesen Angriff sehen konnte und geschickt auswich. Der
Windstoß prallte an der Wand wo der Kopf des Bettes war, ab und ließ das Bild
mit dem silbernen Bilderrahmen auf das Kissen fallen. Zum Glück hatte es nicht
das Holz getroffen, ansonsten wäre der Glas in tausend Stücke gebrochen.
Dáfni steuerte zum Gegenangriff an und warf einen Feuerball zum Gegner, der in
letzter Sekunde zur Seite springen konnte – Dwight hatte die Hitze des Feuers
schon an seinem Oberarm gespürt, die jedoch nicht Feuer gefangen hatte. Schwein
gehabt!
Er blickte zum Kinderbett, weil das Baby sich bewegt hatte. Der Kleine wurde
durch die immer zunehmende Unruhe im Zimmer aus seinem Schlaf geweckt und fing
auch sofort an zu weinen, nachdem er gemerkt hatte, dass seine Mutter nicht in
seiner Nähe war. Seine Schreie wurden immer lauter und es schien, als hätte er
die Geräusche übertönen wollen um nicht überhört zu werden. Ava lag immer noch
am Boden und versuchte sich vorsichtig Stück für Stück vorzuarbeiten – Natürlich
kroch sie am Boden um zum einen nicht auf sich aufmerksam zu machen und zum
anderen nicht selbst in Gefahr zu geraten.
Dwight erkannte das Vorhaben seiner Mutter und lenkte die Dämonin ab, indem er gleich zwei spiralförmige Windböen aus seinen Fingern zauberte und diese auf die Zielperson wirbelten. Die Göttinnen wollten nicht tatenlos dastehen und kamen Dwight zur Hilfe. Sie hatten sich im Raum verteilt und streckten ihre Arme in die Luft – Für einen kurzen Moment sah Dwight etwas kritisch Atropos an, diese ließ sich jedoch nicht davon abhalten und suchte den Blickkontakt zu Hekate. „Für heute hast du genug unfug getrieben.“ Ein funkelnder Strahl schoss in die Richtung der Dämonin. Erschrocken streckte Dáfni daraufhin ihre Arme dagegen, doch der Strahl umringte die Dämonin und drang in ihren Körper an. Gespannt, was für Auswirkungen dieser Zauber hatte, hielt Dwight seine Luft an.
Als er jedoch erkannte, dass Dáfni keine Reaktion zeigte, sie hatte sich nicht
aufgelöst oder Feuer gefangen, plusterte er seine Backen auf und warf
unverständliche Blicke zu Hekate, die ihre Hand bremsend auf und ab bewegte:
„Nicht so ungeduldig.“ Dáfni wusste selbst nicht, welchen Zauberspruch die
Göttin gegen sie eingesetzt hatte und war für einen Moment etwas
verwirrt. Nachdem sie sich wieder gefangen hatte, wollte sie einen Feuerball auf Hekate werfen, doch irgendwie kam dieser nicht. „Da staunst du nicht wahr? Ich
habe deine dämonischen Kräfte für einen Moment ausgesetzt und nun bist du wohl
machtlos.“
„Du..“ Die Dämonin knirschte wütend mit den Zähnen,
die Hände zu Fäusten geballt, ihre Augen zornig und
ihr Körper, ihr Köper zitterte vor Wut. „Das wird ein Nachspiel haben.“ Dáfni löste sich in
einem schwarzen Rauch auf, weil sie durch den Zauber unterlegen war. Wäre sie
geblieben, hätten die Anderen sie womöglich verletzen können und das wollte sie
ganz und gar nicht.
Ava rappelte sich vom Boden auf und eilte zum kleinen Dwight, den sie aus dem
Bett trug und ganz fest an sich heran drückte. „Schatz, zum Glück geht es dir
gut.“ Sie küsste ihn liebevoll auf die Stirn, wobei eine kleine Träne auf seinen
Kopf tropfte. Ja sie war überglücklich, dass ihrem Baby nichts passiert war.
„Der Kleine hat eine Art Schutzschild um sich, ist das normal bei Kindern mit
kriegerischen Genen?“, fragte Ava die Göttinnen, die langsam auf sie zu liefen,
um den kleinen Dwight zu bestaunen. „Im Säuglingsalter haben die Neugeborene
eine Schutzbarriere, die bei Angst automatisch eingesetzt wird. Je nach
Entwicklung verschwindet jedoch diese Fähigkeit, da sie sich selbst vor Gefahren
verteidigen können.“
Klotho sah das Baby an und war genauso froh wie die Mutter, dass dem Kleinen
nichts geschehen war. Danach wandte sie sich zu den Anderen, die dabei waren,
dass Chaos im Zimmer wieder zu beseitigen. Dwight hängte das Bild wieder über
das Bett auf und räumte danach die Bücher wieder in die Regale. Hekate hatte die
Gardinen wieder in die richtige Position gerückt, während Lachesis die Ordnung
auf dem Schreibtisch wiederherstellte.
Langsam kehrte wieder die Normalität ein und die Spuren eines Kampfes war kaum
noch zu sehen. „Jetzt nur noch die Bettdecke richtig hinlegen und dann ist alles
perfekt“, sagte Atropos und hörte im Hintergrund die Wohnungstür aufgehen.
Dwight streckte seinen Kopf aus dem Schlafzimmer um im Flur nachzusehen, wer
nach Hause gekommen war.
Tyler und Violet stürmten regelrecht in die Wohnung, da sie den Anderen helfen
wollten. „Ihr kommt zu spät“, entgegnete Dwight den beiden mit einem frechen und
erleichterten Grinsen. „Ist euch was passiert?“, fragte Tyler, noch bevor er
im Schlafzimmer war. Dwight schüttelte den Kopf. „Es ist alles wieder in bester
Ordnung, Dad. Du kannst also wieder ein Gang zurückschalten.“ Dwight hatte die
angespannte Haltung von seinem Vater gesehen und wollte, dass dieser sich wieder
entspannte. Violet war ebenfalls erleichtert und lehnte sich im Schlafzimmer
gegen die Wand: „Ich habe fast mehrere Verkehrsunfälle gebaut, weil ich so in
Eile war. Ich weiß nur nicht, ob unser Einkauf das überlebt hat.“
Dwight lachte kurz auf und klopfte seiner Schwester auf die Schulter. „Na dann
werde ich unseren Einkauf mal aus dem Kofferraum holen.“ Er lief aus dem Zimmer
und griff im Flur nach dem Autoschlüssel um in der Tiefgarage die Einkaufstüten
aus dem Auto zu holen. Vielleicht war ja vom Einkauf noch etwas heil geblieben.
Tyler setzte sich auf dem Bett neben Ava hin und nahm seinen kleinen Sohn in die
Arme. „Na du, kleiner. Haben die Dämonen dich bei deinem Schlaf geweckt?“ Der
kleine sah seinen Vater mit seinen kleinen Augen, ohne zu blinzeln, an und hatte
leicht den Mund geöffnet. Es schien,
als hätte dieser bei dem Wort Dämon versucht die Augen noch weiter aufzureißen.
Tyler strahlte förmlich, weil das Gefühl, Vater zu sein, einfach unbeschreiblich
war.
Ava unterbrach den Vater-Sohn Moment, weil sie wissen wollte, ob die von der
Arbeit bescheid wussten, dass er einfach gegangen war. „Selbstverständlich.
Nur Terrence scheint etwas verwirrt zu sein, dass ich auf einmal bewusstlos
wurde. Morgen will er dann mit mir reden.“
„Weswegen hat er dich den aufgesucht?“, fragte Ava verwundert. „Ist es wegen
Caroline?“ Tyler nickte und erzählte ihr die ganze Sache mit Caroline, Fiona und
Paula – Ihren Arbeitskolleginnen.
„Das ist ja schrecklich.“
Ava legte ihren Kopf auf Tylers Schulter und fragte sich, was gewesen wäre, wenn
sie noch im Krankenhaus gewesen wäre. Wäre sie dann auch eines der Opfer
gewesen? Schließlich war sie ja selbst Angesllte im Kings County Krankenhaus.
Tyler zuckte fragend mit den Schultern und schielte zu Klotho, die jedoch den
Kopf schüttelte: „Die Dämonen haben jemand gebraucht, die auf der Kinderstation
arbeitet. Da du als allgemeine Krankenschwester tätig bist, wärst du nicht
unbedingt die Zielperson gewesen. Weiß man, ob Caroline nun freigesprochen
wird?“ „Ich weiß es nicht, denn es sieht nicht wirklich gut für sie aus.“ Tyler
löste seine Augen kurz vom Kleinen und sah direkt in das Gesicht von Ava, die
voller Sorge war. „Terrence will mich verhören, aber falls im Bericht die
Fingerabdrücke nicht eindeutig sind, könnte das für die Angeklagte sprechen. Das
einzige was belastend sein könnte ist die Aussage von Paula Finn... die ja
leider tot ist... Hope zerbricht sich schon die ganze Zeit den Kopf darüber, wie
sie den Fall gewinnen könnte… Außerdem nimmt sie es mir übel, dass ich ihr das Telefonat mit Fiona
verschwiegen habe.“
„Die Arme. Wie willst du ihr das denn erklären? Willst du
ihr die Wahrheit erzählen?“ Avas Tonlage zur Folge, wollte sie ihr das Geheimnis
erzählen, doch ohne die Zustimmung von ihrem Mann, wollte sie das nicht machen.
"Es ist kompliziert und ich weiß, dass ich es ihr irgendwann erzählen muss, aber
nicht heute“, antwortete Tyler. Er wandte sich wieder zu Klein-Dwight
- er war wirklich wie ein kleiner Magnet - und
überlegte, wie alles nun weitergehen sollte. Ihm stand noch ein Gespräch mit Terrence offen, die sich vielleicht erledigt haben könnte, weil
Terrence in diesem
Moment bei Tyler auf seinen Handy anrief...
.: Fellowship Gefängnis :.
„Ich will dir nur bescheid geben, dass sich unser Gespräch erledigt hat.“ Terrence Sinneswandel kam etwas unerwartet, nicht nur für Tyler,
wie es sich später herausstellte. „Ist es dein
ernst? Was ist passiert?“, fragte Tyler mit einer unglaubwürdigen Tonfall. „Es
hat sich erledigt, mehr brauchst du nicht wissen.“ Danach legte er auf und
dachte an Trevor, der ihn dazu überredet hatte, den Fall zu den Akten zulegen.
Er war anfangs nicht wirklich begeistert gewesen, doch als der Fall immer
schwammiger wurde, die Beweislage nicht eindeutig für eine Verurteilung gereicht
hatte, willigte er dem Polizisten letztendlich ein. Wäre es nach Terrence selbst
gegangen, hätte er alle Hebel in Bewegung gesetzt um sie hinter Gitter
zubringen, doch ihm wurde ins Gewissen geredet. „Du weißt, dass nicht immer
alles so ist, wie es scheint“, sagte Trevor im letzten Telefonat
zu ihm.
Außerdem sagte er noch: „Tu mir diesen einen Gefallen. Weißt du noch als du in
Schwierigkeiten gesteckt hast, ich war nicht derjenige, der den Kopf
zusammengezogen und dich im Stich gelassen hat.“ Da konnte Terrence doch
unmöglich nein sagen. Schließlich hatte der Polizist ihn wirklich aus der Klemme
geholfen. Nur eins verstand er nicht. Wieso legte er seine Hand für Caroline ins
Feuer? War er sich wirklich hundertprozentig sicher, dass sie unschuldig war?
Egal. Er lief mit einer langgezogenen Miene in das Gefängnis, um Hope und
Caroline seine Entscheidung mitzuteilen.
Hope zog unglaubwürdig ihre linke Augenbraue hoch, als ihr Terrence mitteilte,
dass der Fall zurückgezogen wurde. „Wie kommt es eigentlich zu Ihrem plötzlichen
Sinneswandel? Muffensausen, dass ich gewinnen könnte?“ Terrence lachte einmal
kurz auf und schüttelte den Kopf. „Nein, mit Ihnen nehme ich das leicht auf,
aber ich habe da so meine Gründe.“ „Weil die Fingerabdrücke nicht
hundertprozentig beweisen können, dass meine Mandantin die Mörderin ist?“,
bohrte Hope weiter.
„Es reicht doch, wenn ihre Mandantin nun frei ist, oder nicht?“ Hope war
verwirrt über den plötzlichen Sinneswandel des Staatsanwaltes und konnte ihm
noch nicht wirklich trauen. „Ich kann Ihnen zwar immer noch nicht folgen, aber
teilen Sie mit, wie es nun weitergehen soll.“ Terrence holte seine Akten aus dem
Koffer und zerriss vor den Augen von Hope, Caroline und dem Gefängsniswärter, Ian
Porter, die Akten. „Sie können einpacken und nach Hause gehen.“ „Das ist aber
kein schlechter Scherz, oder? Ist das vielleicht eine Taktik von Ihnen… oder…
ich verstehe gar nichts mehr.“ Caroline erlebte
gerade ein Wechselbad der Gefühle? Sollte sie sich freuen oder alles in Frage
stellen? Sie entschied sich für das Freuen, auch wenn sie das noch nicht zeigen
konnte.
Für Terrence schien es beschlossene Sachen
zu sein, weshalb ihn hier nichts mehr hielt. „Ich
werde nun gehen. Ob Sie nun doch hierbleiben wollen, ist ihre Sache.“
Der Staatsanwalt stand auf und verließ den Raum.
Hope sah ihm hinterher und wandte sich danach zu ihrer Mandantin. „Sie sind nun
wieder ein freier Mensch. Aber fragen sie mich echt nicht, was ihn zu dieser
Entscheidung geritten hat. Wahrscheinlich haben Sie einen Schutzengel, der nicht
möchte, dass sie unschuldig im Gefängnis sitzen.“ Glücklich sah zwar anders aus,
aber die Vorstellung, dass die zerbrechliche im Gefängnis verweilen musste, ging
gar nicht. „Sie dürfen gleich Ihr Zeug packen.“ Ian befreite die Mandantin von
den Handschellen und schenkte den beiden Frauen ein zustimmendes Lächeln.
Als er sie zur Tür begleiten wollte, riss sie sich von ihm und knallte mit dem
Kopf gegen den Tisch. „Oh mein Gott, Caroline was
machen Sie da?“ Hope sprang entsetzt vom Stuhl auf
und versuchte Caroline zu stoppen, die weiterhin mit ihrem Kopf gegen den
Metalltisch schlug.
Ian zerrte Caroline mit aller Kraft zurück. Ihre Augen waren mit unbeschreibliche Furcht versehen, so als hätte sie selbst nicht gewollt, sich zu verletzen - doch ihre Handlungen, sprachen etwas anderes - Sie riss sich erneut vom Gefängniswärter und knallte gegen die raue Steinwand. Ihre Stirn platze auf und Blut klebte an der Wand. Blut tropfte langsam von ihrem Gesicht auf ihre Kleidung. Versuchte Caroline etwa ihr Leben zu beenden? Aber was für einen Grund hätte sie denn dafür? Sie wurde doch freigesprochen! Hope war vor Angst erstarrt und konnte sich kein bisschen mehr bewegen. Ihre Augen waren auf Caroline gerichtet, die mit voller Wucht gegen die Kante des Stuhles knallte - einer für Hope noch nie gehörtes Knacken drang an ihr Ohr - Sie brach sich das Genick und fiel leblos zu Boden. Ihre Augen waren weit aufgerissen und es sah so aus, als hätte sie das alles gar nicht wollen – Aber dennoch, sie hatte sich selbst das Leben genommen. Das Blut verteilte sich weiterhin über ihre Wangen und langsam auf den Boden.
Hope schrie entsetzt laut auf und hielt sich ihre Hände schützend vor ihre Augen. Sie konnte den Anblick nicht mehr ertragen und wurde dann von Ian Porter in die Arme genommen, der ihr Trost schenkte. Seine Augen waren auf Caroline gerichtet, die eigentlich nur noch ihre Sachen packen musste und danach wieder zurück nach Hause fahren durfte. "Was ist bloß in sie gefahren?", brummte er leise und strich Hope über den Kopf, die angefangen hatte zu weinen, weil sie das alles zu furchtbar fand.
Ein kalter Windzug zog an Ian und Hope vorbei, wobei beide dies nicht spürten, da sie zu beschäftigt waren, die Situation zu verstehen…
Epilog
Der kleine Dwight schmiegte sich an Tylers Körper und krallte sich mit seinen
winzigen Fingern an den Reisverschluss von Tylers Jacke. Mit einem verträumten
Blick und einem warmherzigen Lächeln streichelte er die Wange des Kleinen. Er
würde sich, wenn er mal groß war, für seine Eltern einsetzen und alles dafür
tun, dass es ihnen gut ginge. Das erfüllte Tyler mit Stolz, weil er jetzt schon
wusste, dass sein kleiner Dwight ein großes Herz hatte. Sicherlich würde er ein
Mädchenschwarm werden und einen anständigen Beruf haben. Ihm fiel ein, dass er
Dwight noch gar nicht nach seinem Beruf gefragt hatte, aber vielleicht war es
besser so, nicht alles zu wissen um noch einige Überraschungen erleben zu
dürfen.
Tyler wanderte mit seinen Augen nach vorne zum grauen Grabstein, wo der Name seines verstorbenen besten Freundes eingraviert wurde - Ethan Bridgeman, „den Bruder den ich niemals hatte – Du hättest ihn sicherlich gemocht, mein kleiner. Ethan war einer der gradlinigsten und sozialsten den ich kannte. Er war immer für einen da und half ohne wenn und aber. Schade, dass du deinen Patenonkel nicht kennenlernen konntest, weil er vorher gehen musste.“ Tyler presste seine Lippen zusammen und unterdrückte seine Tränen. Immer wenn er vor dem Grab stand, wurde ihm klar, dass Ethan nicht mehr kommen würde und das erfüllte ihn mit unbeschreiblicher Trauer. Ein unwohles Kribbeln, dass sich vom Kopf bis hin zu den Fußspitzen reichte. „Ach Ethan, was machst du bloß für Sachen. Kannst du dich noch an unser Gespräch vor drei Jahren erinnern? Da als wir aus Spaß bei einem Bier in der Kneipe über unsere Zukunft geredet haben? Du wolltest ein kluges und liebevolles Mädchen, die du vergöttern könntest. Mindestens zwei Kinder wolltest du haben und am besten sollten sie im selben Alter wie meine Kinder sein, um miteinander spielen zu können. Wir malten uns aus, wie es wäre, wenn wir beide auf dem Spielplatz unsere Kinder beim toben zusehen würden. Ava und deine Frau würden irgendwo auf einer Wiese für ein großzügiges Picknick sorgen und wir hätten mit einer Flasche Bier auf unser glückliches und sorgloses Leben angestoßen.“
Tyler stoppte kurz, weil er völlig aufgewühlt war - verflucht, wieso nur
Ethan? - Eine Träne
kullerte an seiner Wange hinunter. Schnell wischte er mit seiner Hand die Träne
ab und blinzelte mehrmals, um auch wirklich die Tränen im Auge zu unterdrücken.
„Naja und was ist nun? Du hast von alldem nichts realisiert und das verüble ich
dir gewaltig. Ich kann nun nicht mit dir auf unser Leben anstoßen, unseren Kindern beim
toben zusehen und... ja... ich kann nicht dein Trauzeuge sein, wenn du dein kluges
und liebevolles Mädchen heiratest…“ Das Leben war
nicht fair und das wurde ihm immer wieder vor das Gesicht gehalten, wenn er
seinen besten Freund am Grabstein besuchte.
Tyler kramte in seiner Jackentasche und holte ein kleines, schwarzes Lederband hervor, den er vor einigen Tagen von Ethans Eltern bekommen hatte. Danach schaute er erneut zum kleinen Dwight: „Schau mal, was dein Onkel dir zur Geburt schenkt. Er hätte es dir sicherlich persönlich gegeben, wenn er könnte, aber das soll dich an ihn erinnern und da ich weiß, dass du ihn kennenlernen wirst, wirst du später mal, wenn du zurück in die Vergangenheit reist, an dein Geschenk von Ethan denken.“ Vorsichtig, zog er es dem Kleinen über und band es ein bisschen strammer, so dass es nicht aus seinem Handgelenk rutschen konnte. „Ich danke dir, mein Freund. Ich weiß zwar nicht, wann du dieses Geschenk gekauft hast, aber ich bin dir dankbar dafür... Ethan du bist einfach…“ Tyler holte tief Luft. „Du bist einfach… einzigartig und für mich, der wahre Held.“
Nach diesen Worten drehte er sich um und lief mit langsamen Schritten aus dem Friedhof hinaus. Im Gedanken war er bei Ethan, der ihm seit Kindesalter immer den Rücken gestärkt hatte und Tyler hoffte, dass sein bester Freund das zu Lebzeiten gewusst hatte.
Ende dieser Episode...