Was bisher geschah: „ „Was war das gerade eben?“, fragte die Krankenschwester erschöpft und völlig verwirrt. Ihre Augen wanderten zuerst zu Isaac der die Station verließ und danach zu Tyler, der einfach nur froh war, dass seine Befürchtungen durch seine Vision nicht bewahrheitet wurden - Seinem Sohn ging es gut – Gott sei Dank! „Nächstes Mal sprechen wir uns ab, bevor einer von uns eine Solonummer durchzieht, verstanden?“ Dwight konnte die Erleichterung in Tylers Gesicht klar und deutlich erkennen, weshalb er ihm einfach nur zunickte und nicht widersprach.
16.4. Machtlos
.: Kings Plaza :.
Violet
und Dwight standen an der Kasse, als unerwartet jemand Dwight auf die Schulter
tippte. Verwundert drehte er sich um und sah eine ältere Dame, die eineinhalb
Köpfe kleiner war als er, einen leicht buckeligen Rücken hatte und eine Gehilfe
besaß. „Ich kenne Sie doch“,
fing sie mit krächzender Stimme an. „Achja? Woher
denn?“ „Mein Junge. Du
bist doch derjenige, der vom Dach gestoßen wurde aber nicht unten ankam. Meine
Enkelin und ich haben schon darüber diskutiert, wie das sein kann. Also willst
du nun einer alten Dame erklären, ob das ein Zaubertrick war oder du einen
Schutzengel gehabt hast? Wenn du ein Schutzengel hast, wo kann man ihn
bestellen? Ich bräuchte nämlich auch einen.“
Dwight kam leicht ins Stottern, da er nicht erwartet hate, wiedererkannt zu
werden. Mensch, ihm hätte klar sein müssen, dass die Rettungsaktion von Hekate
nicht ohne Folgen blieb. „Dwight, willst du mal
bezahlen? Die Kassiererin wartet nicht, bis du zu Ende geflirtet hast“,
sagte Violet mit einem frechen Grinsen. Er nahm daraufhin seine Geldbörse aus
seiner hinteren Hosentasche und zuckte nach einem 100 Dollar Schein. ‚Oh
Gott, was hat sie bloß denn alles nur gekauft, sodass wir so viel bezahlen
müssen‘, dachte sich Dwight, während er der
Kassiererin beim Abrechnen zusah.
„Es war ein Zaubertrick“, sagte Dwight nachdem er sich ein letztes Mal zur älteren Dame gedrehte hatte und sich freundlich verabschiedete. Er hörte beim Verlassen des Supermarktes noch, wie die ältere Dame ein Gespräch mit der Kassiererin anfing und schmunzelte in sich hinein. Denn älteren Personen fehlten des öfteren Gesprächspartner und deswegen nutzten sie jede Gelegenheit, ein Gespräch mit einer Person – auch wenn sie diese gar nicht kannten – anzufangen.
Vollgepackt bis oben hin, liefen die zukünftigen Kinder von Ava und Tyler an das Auto, auf dem Parkdeck. Als Dwight die Einkaufstüten in den Kofferraum verstaut hatte, sich ins Auto setzte, passierte etwas Merkwürdiges – Dwight hörte den Schrei seiner Mutter, weshalb er verwundert zu Violet blickte und überlegte, ob sie den Schrei auch gehört hatte. „Was ist?“, wollte Violet wissen. „Ich habe gerade Mum schreien hören.“ Hastig stieg er wieder aus dem Wagen aus und meinte zu Violet, dass sie nach Hause fahren soll. Er würde stattdessen den kürzeren und schnelleren Weg nehmen – Das Beamen. Er wollte kontrollieren, ob seiner Mutter wirklich in Gefahr war…
.: Jackson Lewis Kanzlei :.
Tyler
arbeitete seine Ablage ab. Einen aktuellen Fall hatte er durch seinen Kurzurlaub
wegen der Geburt von Dwight nicht zugeteilt bekommen. Es war für ihn also ein
ruhiger Start, aber er war sich sicher, dass sich das schnell ändern würde,
sobald der Alltag ihn wieder eingeholt hatte. So
konnte er bis dorthin Hope helfen, wobei er wirklich noch mit dem Gedanken hegte,
auszusteigen. Als er hörte, wie jemand gegen die Tür klopfte, unterbrach er kurz
seine mehr oder weniger unbeliebte Arbeit Ablage abheften war wirklich nicht
aufregend.. Er bat die Person herein und sichtete
Hope, die ihn etwas grimmig ansah. „Ist was?“, fragte Tyler. Mit
zusammenpressten Lippen und einem feurigen Blick marschierte sie an seinem
Schreibtisch vor. Angekommen, knallte Sie ihm den zusammengehefteten Bericht
auf den Tisch und verschränkte brummend ihre Arme vor der Brust. „Du
hast mit Fiona telefoniert und hast kein Wort darüber verloren? Wann wolltest du
mir eigentlich davon erzählen?“
„Äh…“ Tyler stotterte
und nahm den Bericht in die Hand, wo er gleich die angeleuchteten Stellen lesen
konnte. – Mist, die Spurensicherung hat also doch sein Telefonat zurückverfolgt
und somit war Carmen wohl zu spät gewesen. „Weißt du eigentlich, dass du ein
möglicher Zeuge sein könntest? Du als Anwalt müsstest das doch wissen oder
verschweigst du mir etwas?“
Immer noch verstummt und mit einem unglaubwürdigen Blick, sah er Hope an, die
sich ein bisschen hintergangen fühlte. „Ich habe
gedacht, dass es nicht wichtig ist.“ „Hallo?
Sie hat dich um Hilfe gebeten und du hast gemeint, dass du so schnell wie
möglich kommen wolltest. Also Tyler, leg die Karten auf den Tisch und sag mir
die Wahrheit. Warum hat sie gerade dich angerufen?“
Die Tür stand noch offen. Zögerlich streckte die Sekretärin ihren Kopf in das Büro
herein. „Mister Carrendoor am Empfang wartet Mister Capwell auf Sie.
Soll er vorne Platz nehmen oder kann er gleich kommen?“ Tyler schielte kurz zu
Hope, die ihn mit hochgezogener Augenbraue angiftete. Ihr Ausdruck sagte ihm so
viel wie: Siehst du, das habe ich kommen sehen.
„Ich lass euch beide Mal alleine.“ Hope lief aus dem Zimmer und knallte
aufgeschäumt ihre Bürotür zu.
Torrie sah Hope hinterher und wandte sich, als die Tür zu war, wieder zu Tyler:
Der Anwalt hielt sich schuldbewusst die Hand vor dem Gesicht, holte einmal tief
Luft und
meinte danach, dass der Staatsanwalt kommen könnte. Ein schlechtes Gewissen hatte er wegen Hope schon
und er wollte es auf jeden Fall klären – später, nachdem er mit Terrence
gesprochen hat.
„Ich werde es ihm ausrichten.“, sagte sie und eilte zum Empfang, wo Terrence geduldig auf die Antwort der Sekretärin wartete. „Sie können mit mir kommen.“ Er bedankte sich freundlich und folgte Torrie, die Ende Dreißig sein müsste, aber alles dafür tat, jünger auszusehen. Ihre dicke Make-Up-Schicht konnte man sicherlich mit einer Spachtel abkratzen und dann würde man ihr wahres Gesicht sehen können. Zum Alter sollte jeder stehen, denn alles andere wirkte nur aufgesetzt und unnatürlich.
Tyler versteckte seine Nervosität hinter seinen aufgesetzten, ernsten Gesichtsausdruck, der Ruhe ausstrahlen sollte. Jeder der ihn besser kannte, wusste dass er dadurch eigentlich nur noch nervöser wirkte, aber vielleicht fiel Terrence darauf rein, auch wenn er während des Studiums öfters Kontakt mit Tyler gehabt hatte. „Tyler, Tyler, Tyler. So sieht also das Büro eines erfolgreichen Anwalts aus. Ich glaube ich sollte den Beruf als Staatsanwalt aufgeben um als überbezahlter Rechtsanwalt anzufangen.“ Das Sticheln hatte Terrence noch immer drauf und das bekam sein alter Studium-Kollege bei jeder Gelegenheit zu spüren. „Ja, bewirb dich doch bei uns und wer weiß, vielleicht wirst du ja mein neuer BFF“, schlug Tyler vor, die jedoch nicht ernst zu nehmen war.
„Ja,
bestimmt und dann machen wir beide zusammen die Clubs unsicher und bewerben uns
später bei der 4. Staffel von Paris Hiltons My New BFF, was hälst du davon“ Tyler schnaubte etwas
abfällig und beobachtete Terrence, wie er sein Büro begutachtete. Tylers Büro
wurde vor drei Jahren umgebaut und modernisiert, neues Mobiliar wurde gegen
Altes eèsetzt, ein zeitgemäßes Zimmer eben, in edlen weiß und schwarz
zusammen mit Glasoptik und Metallic-Akzenten. Wer glaubt, es wäre bei Tyler
ungemütlich täuschte sich, denn am Fenster waren verschiedene Pflanzen, die dem
modernen Büro ein klein wenig Natur schenkte und ein gemütliches Ambiente
verlieh. Neben dem Bürotisch, war ein separater runder Glastisch, mit vier
gepolsterten Stühlen, der für die Beratung mit seinen Mandanten diente – Kurz
gesagt, es war nicht zu vergleichen mit Terrence altmodischen Büro, wo die Möbel
wahrscheinlich noch aus dem letzten Jahrhundert stammten. „Jetzt ist aber genug
mit Smalltalk.“ Terrence griff in seine Aktentasche und holte einen Bericht, den
Bericht den Tyler bereits kannte, heraus. „Wir beide müssen wohl wegen Fiona Daunston sprechen. Bietest du mir nun einen Kaffee oder Ähnliches an, denn je
nachdem könnte das Gespräch länger dauern.“
Mit zerknitternder Stirn, weil Tyler sich überlegte, welche Fragen Terrence doch stellen könnte, stand er auf und lief zum anderen Tisch und wies dem Staatsanwalt einen Platz auf eines der freien Stühle zu. „Der Kaffee kommt gleich“, merkte Tyler an und verließ das Büro. Als der Staatsanwalt alleine im Zimmer war, stand er auf und wühlte in Tylers Aktentasche herum. Eigentlich war das verboten, aber da er davon ausging, dass sein früherer Studium-Kollege nicht die ganze Wahrheit preisgeben würde, musste er eben ein bisschen nachhelfen - Doch leider fand er nichts Brauchbares. „Der Typ scheint ja wirklich ein aalglattes Leben zu führen, zu glatt, meiner Meinung nach.“
Noch bevor Tyler wieder im Büro war, setzte sich Terrence nach seiner erfolglosen Suche, wieder auf seinen Platz zurück und tat so, als hätte er nichts Besonderes während Tylers Abwesenheit getan. „So, der Herr. Hier kommt der Kaffee, frisch gemahlen und mit viel Liebe zubereitet.“ Mit einer stutzigen Miene, rührte er seinen Kaffee um und gab dem noch ein Würfel Zucker dazu, aber keine Mich, da er es lieber schwarz trank. Die Milch verfälschte seiner Meinung nach den Kaffeegeschmack und der ganze Aroma und die Intensivität. Nach einem großen Schluck wollte Terrence gleich loslegen, weshalb er überhaupt gekommen war, kam aber nicht dazu, da Tyler plötzlich verkrampfte. Seine Augen fest zusammenpresst, seine Hände gegen seinen Kopf gedrückt, weil er die starken Kopfschmerzen unterdrücken wollte. Wie gewohnt, war das ein Zeichen für eine Vorahnung, die Tyler gleich sehen würde.
.: Die Vision :.
Tyler stand im Flur seiner Wohnung und beobachtete das Gespräch zwischen Dwight,
Violet und Ava. „Könntet ihr noch einige Windeln kaufen? Der kleine verbraucht
ziemlich viel.“ Mit einem Augenzwinkern, der an Dwight gerichtet war, fing Ava
an zu schmunzeln und sorgte bei Dwight für rote Backen, da es ihm leicht
peinlich war. „Auf Violet, wir gehen jetzt.“ Dwight drückte Violet von der Tür
weg und liefen mitten durch Tylers Körper, wie bei einem Geist – Pfui, ein ekliges
Gefühl. Der Anwalt war ja nicht wirklich da, weshalb sie ihn nicht sehen
konnten - Je nach Vision konnte sich das jedoch ändern. Mal ist er in der Vision
selbst beteiligt, oder er ist ein außenstehender Beobachter. Nachdem er sich wieder vom merkwürdigen Gefühl
- echt komisch, wenn jemand direkt durch seinen Körper lief - befreien konnte,
lief er in sein Schlafzimmer.Sophie war ebenfalls in der Wohnung und anscheinend kam sie nicht nur
wegen einem Gruß vorbei, sondern wollte eine Routineuntersuchung bei Ava und Dwight
durchführen.
Sie holte aus ihrem Koffer das Blutdruckmessgerät und legte es um Avas Oberarm,
nachdem sie den Arm freigemacht hatte. Zuvor hatte sie Dwight in sein kleines
Babybett an der Wand, neben dem Fenster gelegt. „Blutdruck
ist normal, das ist gut.“ Danach griff sie nach
einem Stift und meinte, dass Ava diesen nur mit ihren Augen folgen sollte. Erst
nach links, dann nach rechts; Von oben nach unten. Als auch dort nichts
auffällig wurde, tastete sie die Gelenke ab – Alles Positiv. „So
nun kommen wir zum Frischling.“
Sophie lief zum Kinderbett von Dwight und merkte auf einmal, wie etwas
sie daran hinderte, zu ihm vorzutreten. Da Ava noch mit dem Anziehen beschäftigt
war, fiel ihr das nicht auf. „Verdammt, ich hätte das wissen müssen“, flüsterte
Sophie leise vor sich hin. Tyler, der das ganze genau beobachtete, wurde stutzig. Er sah wie eine
fast durchsichtige Hüllet um Dwights Bett aufgebaut wurde und Sophie diese
nicht durchdringen konnte. „Ist sie etwa...?“ Tyler schwankte
ruckartig seinen Kopf zu Ava, in der
Hoffnung, dass seine Frau darauf aufmerksam wurde. „Ava
sperr die Augen auf, da
ist was faul.“
Die Ärztin spreizte ihre Finger und erzeugte ein kleines
Magnetfeld, wo kleine Funken sprühten. Durch die aufgeladene Spannung,
elektrisierten sich Sophies Haare, wodurch sie etwas von ihren Ohren abstanden
Letztendlich bemerkte es auch Ava und schrie erschrocken auf. „Hey
Sophie was machst du da?“ Anscheinend mochte es
Sophie nicht, wenn man sie bei der Arbeit störte. Fauchend drehte sie ihr
Gesicht zur jungen Mutter und machte eine ruckartige Handbewegung, welcher zur
Folge hatte, dass Ava gegen ihren Willen zu Boden zwang. Die Ärztin verdrehte
ihre Augen, so dass nur noch die weiße Farbe zu erkennen war - kleine rote
Adern, machte den Anblick nur noch gruseliger. „Ich
hab’s doch geahnt“, sagte Tyler und eilte zu seiner
Frau.Helfen konnte er ihr jedoch nicht. Und so griff er erfolglos ins Leere;
durch den Körper von Ava ohne dass sie nur eine Notiz von ihrem Mann wahrnahm.
„Du bist nicht Sophie, nicht wahr? Komm, zeig dein wahres Gesicht.“ Auf die
Aufforderung von Ava hin, schüttelte sie nur verächtlich den Kopf. „Ich wollte
ja eigentlich kein großes Aufsehen erregen, aber da es wohl nicht anders geht."
Die wahre Gestalt hinter dem Körper von Sophie zeigte sich, indem sie sich wie
bei einer Larve schälte. Es war die kleine Dáfni, die Ava nur vom Gespräch her
kannte. Völlig entsetzt, dass einer der ultimativen Sieben in ihrem Zimmer war,
fing sie panisch an zu schreien. Sie musste irgendwie wieder die Kontrolle über
ihren Körper bekommen, um dem hilflosen kleinen Dwight zu beschützen. „Verschwinde! Wehe du
fasst meinen Sohn an, sonst...“ „Sonst
was? Du kannst dich ja kaum rühren. Denkst du in allem Ernst, dass ich Angst vor dir habe?“ Sie
konnte Ava nicht ernst nehmen und lachte sie nur spöttisch aus. Als Beweis
beförderte sie Ava gegen den Kleiderschrank, wo sie nach dem Aufprall erneut zu
Boden sackte. „Du kleine Rotzgöre“, schimpfte Ava mit knirschenden Zähnen
und wutentbrannte Augen. Am liebsten hätte sie der Dämonin den Hals umgedreht,
aber das war momentan nur ein Wunschgedanke, der nicht realisiert werden konnte.
Dáfni wandte sich von Ava ab, da sie keine Gefahr mehr für sie war und schenkte
dem Neugeborenen die volle Aufmerksamkeit. Wieder baute sich die fast
durchsichtige Schutzwand auf - Diese musste doch irgendwie zu durchbrechen sein,
dachte sich Dafni und erzeugte in ihrer Hand elektromagnetische Wellen, die sie
zur Zerstörung der Barriere anwenden wollte. Aus der Hand blitzte und funkte es,
wie bei einem kleinen Feuerwerk. Dáfni spreizte ihre Finger; aus ihrer
Handfläche schossen ununterbrochen kleine Blitze hervor, die von der
Schutzbarriere verschlungen wurde. War Dwight schon als kleines Kind so mächtig?
War seine kriegerischen Genen nach nur wenigen Lebenstagen so stark, dass er
sich selbst vor Dämonenangriffen schützen konnte? Etwas unglaubwürdig blinzelte
Tyler einige Male, während er Dáfni zuschaute, die nicht aufgeben wollte, das
Schutzschild zu durchbrechen. Sie musste zu Dwight, ansonsten war sie nicht
Vollkommen. Sie war noch nicht bei vollen Kräften und das konnte sie nur durch
den kleinen Hosenscheiser.
Ava, die vor Zorn Tränen in den Augen hatte, brüllte Dáfni verzweifelt an. Die kleine sollte in der Hölle schmoren und für ewig verdammt sein; so skrupellos wie sie war, hätte sie das nur verdient. Wann riss Tyler endlich wieder seine Augen auf, um die anderen von seiner Vorahnung zu warnen? Er suchte mit nervösen Blicken nach dem Kalender, dann die Uhr - Schock – Es war der 18.05. und die Uhr zeigte 16:30 Uhr. Das bedeutete, dass Dáfni in diesem Moment wirklich in der Wohnung war und der Anwalt keine Zukunftsvision hatte. Tyler versuchte irgendwie aus seiner Vision zu entkomme. Er musste aufwachen, ansonsten konnte er seiner Familie nicht helfen. Immer wieder kniff er seine Augen für wenige Sekunden fest zusammen, und dann wieder auf. Aber jedes Mal war er noch in der Wohnung.
Unangekündigt und völlig
überraschend stürmte Dwight in das Zimmer und schleuderte einen Windstoß gegen
die kleine Dämonin. Da sie den Angriff nicht vorhersehen konnte, kam sie im
Genuss seiner vollen Gabe und flog im hohen Bogen auf das Bett von Ava und Tyler
- Wieso musste sie ausgerechnet auf dem weichen Bett fallen? Hätte sie nicht auf
den Boden oder gegen etwas kantiges knallen können? Ein riesen Stein viel Tyler
vom Herzen, denn er war erleichtert, dass sein zukünftiger Sohn gekommen war, um
Dáfni gehörig die Leviten zu lesen.
Tyler wollte zu seinem Baby laufen, doch gerade als er nur einen Fuß vor dem
anderen gesetzt hatte, zog ihn etwas wieder aus dem Zimmer, und danach wurde
alles schwarz. Tyler riss erschrocken seine Augen auf und schnappte gleichzeitig
tief nach Luft. So, als wäre er Minutenlang ohne jeglichen Sauerstoff unter
Wasser gewesen und als er an der Oberfläche angekommen, nach Luft inhalierte.
***
„Tyler? Hey, geht es dir gut?“ Langsam öffnete Tyler seine Augen wieder und
hatte immer noch seine Hände an seinen Kopf gelegt. Mit halb geöffneten Augen
blickte er in das Gesicht von Terrence, der gerade nicht verstand, wieso sein Studien-Kollege urplötzlich so benommen wirkte und für wenige Minuten nicht
ansprechbar war.
Während Tyler in seiner Vision schwelgte, hatte Terrence wahrscheinlich das Glas
mit Mineralwasser gefüllt, welcher auf der linken Seite auf einem Sideboard
stand, und reichte es nun dem Anwalt. Er sollte etwas Wasser zu sich nehmen, um
wieder einen klaren Verstand zu bekommen oder auch was immer er gerade für
Beschwerden hatte. Seit wann hatte Tyler denn solche Schwächeanfälle, fragte
sich Terrence im Schweigen und befürchtete, dass der zunehmende Stress für Tyler
nicht gesund war.
.: Kingsboro Psychiatric Zentrum :.
Die
Götter saßen mit den beiden Propheten im Zimmer von Carson Dearing und
beobachteten den Kampf zwischen Dwight und der kleinen Dáfni mithilfe ihrer
Gedanken. Praktisch, wenn man nur die Augen schließen musste um zu erfahren, was
die anderen so trieben. Die vier Götter brauchten keine Zauberkugel oder
Fernsehgerät – Nein, alles spielte sich in ihren Kopf ab. „Wollen
wir Dwight nicht helfen?“, fragte Artemis und
öffnete leicht ihre Augen. Ein einstimmiges Kopfschütteln. „Nein,
ich denke er kommt zurecht und Unterstützung von den vier Schwestern kommt ja
gleich.“ Apollon schien zuversichtlich zu sein,
dass der zukünftige Sohn von Tyler zusammen mit den Moiren und Hekate, die
jüngste von The Ultimate Se7en bändigen konnte. Sie Zwillinge hatten derweil
eine andere Aufgabe die sie erledigen mussten.
„Es gibt einige, die eine Gehirnwäsche bekommen
müssen. Themis hatte bei dem Ruf des göttlichen Lichts nicht darauf geachtet,
dass das Licht für die normalen Menschen unsichtbar ist und somit haben es
unzählige Menschen gesehen. Wenn wir nicht bald die Erinnerungen der Menschen
löschen, könnte es sein, dass sie es weitererzählen und das Licht womöglich für
Gesprächsstoff sorgen könnte.“
„Gut, dann machen wir uns auf den Weg“,
stimmte Artemis zu. „Wie
viele Menschen müssen wir denn besuchen?“
„Viele“, sagte Apollon
in einem Ton, der nicht gerade vor Begeisterung strotzte. „Wir
dürfen also keine Zeit verlieren.“
Die beiden Götter waren als Besucher des Patienten Mister Dearing getarnt und
verließen zusammen mit Herophile, die im Körper der Ärztin Dr. McLean steckte,
das Zimmer. Unterwegs schwankten ihre Köpfe abwechselnd von links, dann nach
rechts und wieder zur Mitte um den Weg zum Erdgeschoss nicht zu verfehlen. Die
Patienten in dieser Klinik konnten einem schon leidtun, dachte Apollon im
Stillen. Verwirrte Personen, die labil und hilflos waren, wurden vom Personal in
ihre Zimmer begleitet – diejenigen, die noch frei herumlaufen durften, wurden
demnach nicht als bedrohlich oder gefährlich für die Anderen eingestuft und
konnten sich, auch wenn die Klinik nicht ihre normale Umgebung ersetzen konnte,
ein Stückweit frei fühlen.
Die Patienten, bei denen man nie wusste, was in ihren Köpfen herumschwirrte –
zumindest für normale Menschen, die keine Gedankenlesen konnten – und die Tests
schwere psychische Störungen ergeben hatten, sperrte man zur eigenen Sicherheit
in ein Zimmer hinter Schloss und Riegel. Sie wurden strengstens überwacht und
von Privatsphäre, die zweidrittel aller eingewiesenen Patienten genießen
durften, konnten diese nur träumen.
„Ich muss
zu meinem nächsten Patienten“, sagte Herophile und
lnkte die Aufmerksamkeit für eine kurze Zeit auf sich – Die beiden Zwillinge
waren so stark mit der Umgebung beschäftigt, dass sie Herophile fast nicht
gehört hatten. „Ja.. Ist in Ordnung“,
meinte Apollon nachdem er sich von den Patienten im Aufenthaltsraum befreien
konnte. „Wie ist es so als Therapeutin, Dr. McLean?
Schöpfen manche verdacht?“ Die getarnte Göttin
schüttelte den Kopf. „Ich habe ja das Wissen und
die Eigenschaften dieser Frau angenommen und bin daher zuversichtlich, dass
keiner mir auf die Schliche kommt.“
Mit einem zufriedenen Lächeln trennten sich die Wege von Herophile, Apollon und
Artemis. Die Zwillinge verließen die Klinik und bogen gleich nach dem Ausgang
links ab, hinter einer Mauer, wo der Parkplatz des Personals aufzufinden war.
Überprüfend blickte Artemis um sich und als niemand in Sichtweise war, beamten
die beiden sich fort.