Was bisher geschah: Erschrocken riss Tyler seine Augen auf und merkte, dass er im Aufzug kurz weggedrehten war… Tyler musste sich erst an der Stirn fassen und sich sammeln, denn die Vision hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen. „Ich glaube, dass Violet und ich die selbe Vision hatten. Wir müssen sofort zu Violet und die anderen!“
15.3. Resurrectio
(Die Auferstehung)
.: Kings County Hospital :.
Aufbrausend
riss Tyler die Zimmertür auf und stürmte hinein. Mit verdatternden Blicken sahen
die Frauen Tyler und Dwight an, da sie nicht erwartet hätten, dass die beiden
Männer so stürmisch und unerwartet das Zimmer betraten. „Wir
müssen von hier fort“, fing Tyler an. „Wieso
müssen wir von hier fort?“ Ava hatte den kleinen
Dwight fest im Arm und drückte ihn während der Frage näher zu sich. Daraufhin
lief Tyler zu Ava und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, danach wandte er sich zu
seiner zukünftigen Tochter: „Violet, ich denke du
weißt wovon ich spreche. Wir beide hatten wahrscheinlich dieselbe Vision.“
Eigentlich wollte Tylers zukünftige Tochter ihre Vision verschweigen, und erst später davon erzählen. Sie wollte es den Moiren sagen, wenn die sich von Ava verabschiedet hatten, aber ihr Dad war wohl anderer Meinung – Es pressierte.
„Was ist denn bloß los? Wieso bist du so
aufgebracht?“ Ava blickte in die Augen ihres Mannes
und nahm eine Unruhe wahr, die auch sie letztendlich beunruhigte. „Hier
wird es einen Angriff der Dämonen geben. Das Krankenhaus wird in einem
Ausnahmezustand sein, den ich noch nie zuvor gesehen habe.“
„Und wie genau wird der Angriff der Dämonen sein?“
Dwight schaute nach seiner Frage erst zu seinem kleinen Ich und dann zu seinem
Vater.
„Nicht hier. Violet, könntest du das
Krankenhauspersonal darüber informieren, dass Ava und der kleine Dwight heute
das Krankenhaus verlassen möchten?“
Nickend lief Violet aus dem Zimmer und wollte gleich wieder zurück sein. Auch
sie empfand es als richtig, Ava aus dem Krankenhaus zu entlassen. „Du
machst mich wahnsinnig!“, sagte Ava. „Du
sagst von einem Ausnahmezustand, aber nicht wieso. Ich will wissen, was mit dem
Krankenhaus passiert.“
„Wenn du sicher zu Hause angekommen bist, werde ich
es dir erzählen“, versicherte der Anwalt und drehte
sich zu den Moiren, die sich bisher nicht dazu geäußert hatten. „Wer
ist Dáfni?“ Nach der Frage tauschten sich die
Moiren ernste Blicke aus. Sie wussten sofort mit dem Namen etwas anzufangen,
denn der Name gehörte zu einer bestimmten Person oder besser gesagt Dämonin. „Dáfni
ist die Tochter von Persephone und somit eines der Ultimate Se7en Dämonen.“
Klotho spitzte die Lippen zusammen und atmete einmal tief ein. „Jetzt
verstehe ich auch, wieso im Krankenhaus das Chaos ausbricht. Dáfni ernährt sich
von Neugeborenen und gewinnt dadurch an Wissen und Intelligenz. Sie entwickelt
sich außerdem schneller als normale Neugeborene.“
Verängstigt drückte Ava ihren Kleinen noch näher zu sich, es schien so, als
würde sie ihn Wärme und Schutz geben wollen.
Nachdem Klotho sich zu Dáfni geäußert hatte, wollte auch Lachesis etwas zu
dieser Dämonin sagen. „Die Geburt von der kleinen
Dämonin haben wir wohl völlig verschwitzt. Jetzt erklärt es sich von selbst,
wieso die Ultimate Se7en sich nicht mehr an der Oberfläche gezeigt hatten. Sie
alle waren mit der Geburt von Dáfni beschäftigt.“
„Hades und Persephone haben nach einer schwangeren
Frau gesucht, um ihr Kind auf der Welt zu gebären. Jetzt ergibt alles einen Sinn“,
leuchtete Atropos ein.
Die Tür wurde mitten im Gespräch
geöffnet und kurz daraufhin von Violet betreten. „Wir
können packen.“ Violet lief direkt zum
Kleiderschrank und holte den Koffer heraus. „Der
Arzt möchte aber noch einen letzten Test mit Dwight und dir durchführen. Er
wartet schon im Behandlungszimmer auf dich.“ Tyler
nahm vorsichtig den Kleinen in seinen Arm, während Ava die Hand vom großen
Dwight griff, um aus dem Bett zu steigen. „Danke
Dwight. Den Rest schaffe ich schon alleine.“
„Soll ich mitkommen?“,
fragte Tyler mit dem Baby im Arm. Er schien es zu genießen, seinen eigenen Sohn
im Arm tragen zu können. Der Kleine hatte immer zu seinem Vater hinauf gesehen
und hatte dabei den Mund leicht geöffnet. „Na du
kleiner Knirps. Gleich wirst du dein richtiges zu Hause kennenlernen.“
„So, und nun kommst du zu Mama“,
funkte Ava dazwischen. „Dein Dad muss sich nun
nämlich um die Rettung der Welt kümmern.“ Durch
ihre Aussage erübrigte sich die Frage, ob er mit seiner Frau zum Arzt gehen
sollte.
Nachdem Violet die Zimmertür hinter sich zugezogen hatte, stellten sich die
Anwesenden in einem Kreis. Sie sahen sich für einen momentlang an, ehe Klotho
die Stille unterbrach. „Wir könnten das Krankenhaus
überwachen und uns auf jedem Stockwerk verteilen.“
„Das Krankenhaus ist viel zu groß. Wir können das
unmöglich alleine bewältigen und außerdem würden wir ja die Menschen im
Krankenhaus gefährden.“ Tyler drückte seine
Augenbrauen zusammen, weil er den Vorschlag nicht für Optimal hielt. „Können
wir denn nicht die anderen um Hilfe bitten, Sharon und die anderen?“
„Wir können nur Isaac Fragen, da die anderen mit
den Dämonen in deren Stadtteilen beschäftigt sind. In Queens tauchen
merkwürdigerweise die Dämonen nicht auf. Auf Sharon, Ellen und Mason können wir
ausnahmsweise nicht zählen.“
Wenn es um das Thema Hilfe ging, musste Tyler direkt an Ethan denken, der sicherlich ohne zu zögern geholfen hätte - Traurig presste er seine Lippen zusammen, denn er wusste, dass er nichts ändern könnte und musste deshalb das Beste daraus machen. Er müsste mit den anderen zusammen, die unschuldigen Menschen vor den verdammten Dämonen retten und sie für ein und allemal zurück in die Hölle verbannen. Doch wann würde der Zeitpunkt kommen, wo die Moiren auf ihn zukommen und mitteilen werden, dass er sein normales Leben als Anwalt, Ehemann und Vater fortführen kann ohne jegliche Gedanken an mögliche dämonische Gefahren machen zu müssen?
„Ich informiere Isaac über die Situation. Wir
treffen uns dann in der Wohnung.“ Lachesis
verabschiedete sich rasch und löste sich nach den zwei kurzen Sätzen auf.
„Und wir? Was machen wir?“,
fragte Dwight.
„Wir gehen zu den Neugeborenen“,
entgegnete Tyler ihn. „Ich will wissen, wie viele
Neugeborene zurzeit auf der Station sind.“
Klotho und Atropos wollten derweil Hekate informieren, die dabei war, den
Werwolf Moiris, in Arizona zu suchen. Denn nicht nur Dáfni hatte das Licht der
Welt erblickt, sondern Moiris ebenfalls. Er hatte schon vor Wochen sein Unwesen
getrieben, war jedoch nur einmal auffällig geworden. Er war im Körper des
älteren Bruders von Alex Burks (Episode 13) wiedergeboren und aus irgendeinem
Grund nicht nach Brooklyn zu den anderen dazu gestoßen…
.: In Dearings Apartment :.
Mit einem lauten Schrei wachte
Rebecca aus ihrer Bewusstlosigkeit auf. Völlig verstört tastete sie sich
Stelle für Stelle an ihrem Körper ab um sicher zu gehen, dass sie das auch nicht
träumte. Sie drückte sich vom Boden ab und rannte hektisch zum Spiegel um sich
anzuschauen. „Wie ist das möglich?“
Sie drehte sich von einer Seite zur anderen, um sich von Oben bis Unten zu
begutachten. Noch während sie völlig sprachlos versuchen wollte, die Situation
zu verstehen, konnte sie im Spiegel ein grelles Licht erkennen, woraufhin sie
sich erschrocken umdrehte. Zum Vorschein kamen zwei Personen, die ihr völlig
fremd waren. „Der Prophet hat die erste Göttin aus
dem Totenreich gerettet!“
Rebecca Dearing war nicht mehr sie selbst, sondern niemand anderer, als die Göttin der Gerechtigkeit höchstpersönlich – Themis. Die Göttin verstarb bei einer Rettungsaktion ihrer Kinder und wurde in die Hölle verbannt. Mehr als 10 Jahre sind mittlerweile vergangen und für Themis war das ein merkwürdiger und unvorstellbarer Moment, welcher sie nicht in Worte beschreiben konnte. Es war komisch und irgendwie auch beängstigend. Sie hatte die zwei Personen, die vor ihr standen nicht gleich erkennen können, doch als sie diese genauer betrachtete, erkannte sie die wahren Personen, die im Körper des jeweiligen Menschen waren– Artemis und Apollon.
Die Zwillinge Artemis und Apollon waren die Enkelkinder der Göttin Phoibe, die gleichzeitig die Schwester von Themis war. Jeder von ihnen hatte besondere Aufgaben und Fähigkeiten, die in der bevorstehenden Schlacht sehr nützlich waren. Artemis, eine leidenschaftliche Jägerin, die meistens mit Nymphen gegen ihre Gegner kämpfte, wurde wieder zum Leben erweckt, da ein Kind geboren wurde, auf die sie besonders aufpassen musste. Sie wurde oft als grausame und strenge Göttin beschrieben, was jedoch ein Widerspruch in ihrer Aufgabe war, die Gebärenden zu beschützen.
Apollon dagegen war der Gott des Lichts und bekannt für seine Weissagungen und Heilkünste. Er konnte sogar seine Gabe des Hellsehens an sterbliche weitergeben, um die vor Gefahren zu warnen. Ihre Großmutter, Phoibe war eine Göttin des Mondes.
„Wie habt ihr mich wieder aus der Hölle befreien können?“, fragte Themis.
„Der stärkste Prophet wurde auf die Erde geschickt. Er war es, der dich aus der
Hölle retten konnte“, entgegnete Artemis der Göttin.
„Alleine?“
„Nein, aber wer ihm dabei geholfen hat, darf ich dir nicht sagen.“
Themis musste sich erst einmal hinsetzen und nahm auf dem Bett Platz. „Durch
meine Rettung aus der Hölle wird aber alles auf dem Kopf gestellt. Das ist gegen
den Himmel und die Hölle!“
Nach ihrer Aussage hin zog Artemis ihre Augenbrauen zusammen. „Denkst du etwa,
dass die Dämonen sich an die Gesetze halten? Nein, und das sieht man ja jetzt.
Die Ultimate Se7en wollen auf der Erde die sieben Todsünden verkörpern, was
wiederum bedeutet, dass sie zusammen das Höllentor öffnen können.“
Apollon nickte zustimmen und führte das Gespräch für Artemis weiter. „Innerhalb der letzten eineinhalb Jahre ist so viel passiert und nun droht alles wie bei einem Vulkan auszusprechen. Wir müssen handeln und deshalb brauchen wir deine Hilfe. Die Dämonen in der heutigen Zeit haben vieles aus der Vergangenheit gelernt und sind noch unberechenbarer als je zuvor.“ Themis, die als sehr Weise galt und in schwierigen Situationen immer gute Vorschläge und Lösungen hatte, konnte in den Augen der beiden jüngeren Gottheiten ihre Dringlichkeit sehen.
Alles müsste innerhalb der nächsten Tage oder Wochen geschehen, ehe der letzte von The Ultimate Se7en das Licht der Welt erblickte. „Während damals deine Kinder noch alleine gegen die gefürchtetsten Dämonen ankämpfen konnten, wird es diesmal nicht mehr ausreichen. Die unehelichen Kinder, die du durch ein Verhältnis mit Deukalion, der König von Thessalien, gezeugt hast: Elenie (Ellen), Ilias (Isaac), Makarios (Mason), Sappheire (Sharon), Tychon (Tyler) können unmöglich alleine gegen sie antreten. Auch mit der Unterstützung von deinen Kindern aus der Ehe mit Zeus und den Moiren werden wir unterlegen sein, auch wenn die Moiren die wiedergeborenen Halbgeschwister über ihre Gaben gelehrt haben.“
„Schön, dass du mir so viel Mut machst. Und die anderen Götter wollen nun das
Reich Gottes auf der Erde erschaffen? Ist das die Antwort auf die Schlacht?“
Wieder nickte Apollon. „Ich habe die Zukunft
gesehen und du hast sie sicherlich auch gesehen – New York wird der Olymp sein
und eine unbeschreibliche Schlacht wird ausbrechen. Millionen von Menschen
werden sterben und das wird dann erst der Anfang sein, ehe es ganz Amerika
betrifft oder sogar die ganze Welt...“
Nachdenklich strich sich Themis eine Strähne aus ihrem Gesicht und überlegte hin
und her. Sie ging in sich und malte sich aus, was für Folgen die Veränderung
haben könnte.
„Die Dämonen haben sicherlich bereits mitbekommen,
dass ich aus der Hölle befreit worden bin. Nicht lange, und sie werden auf die
Suche nach mir gehen.“
Entgegen ihrer Befürchtung, teilte Artemis ihr mit, dass sie völlig abgeschirmt
waren. Die heilige Schlange des Propheten würde dafür sorgen, dass niemand auch
nur die leiseste Ahnung bekommen könnte, dass Themis sich hier gerade aufhielt.
Doch in dem Punkt, dass sie aus der Hölle entkommen ist, musste sie ihr
zustimmen - Sicherlich hatte es sich in der Hölle wie ein Lauffeuer verbreitet.
Bis alles ans Tageslicht kommt, konnten die drei ehemaligen Schutzbeauftragten
des Orakels von Delphi dennoch den Plan in die Tat umsetzen. Da Themis von der
Außenwelt vorerst abgeschirmt war und niemand erfahren durfte, dass sie wieder
lebte, hatte sie auch nicht die Möglichkeit ihre geliebten Kinder wiederzusehen.
„Du siehst nicht glücklich aus, aber ich garantiere dir, dass du es sein wirst,
wenn alles vorbei ist.“ Apollon wollte Themis aufbauen und dazu stärken, den
Plan umzusetzen, die für die Rettung der Welt notwendig war.
„Was ist mit meinen Kindern? Dürfen die nicht erfahren, dass ihre Mutter wieder
unter Ihnen ist?“
„Gewiss, aber zu gegebener Zeit“, fing Artemis an.
„Aber erst, wenn wir die vorderste Front aufgebaut haben.“
.: Bei den Moiren :.
Die Moiren hatten
Isaac und Hekate informiert und deshalb versammelten sie sich
alle in Wohnzimmer um dem Tisch herum, worauf die New Yorker Stadtkarte
ausgebreitet wurde. Sie wollten mithilfe von Isaacs Gabe, Persephone und Dafni
orten und sie mit den anderen bei einem Überraschungsangriff konfrontieren. Zum
Glück war Persephone im Körper der koreanischen Sängerin, sodass er eine
bestimmte Person im Kopf hatte und diese präzise Orten konnte.
Er schloss seine Augen und konzentrierte sich auf die Person. Anfangs kamen ihm tausende Gesichter von den verschiedensten Sängerinnen entgegen und so musste er sie nach und nach aussortieren. Von Katy Perry zu Pink und von Lady Gaga bis Britney Spears hätte er sie problemlos orten können. Doch er wollte nicht diese Damen sondern Sidney Calsh.
Nach und nach verschwanden die unzähligen Gesichter und langsam leuchtete eine Person hell auf. Sie lag in einem Bett und schien leicht gereizt oder erzürnt zu sein. Im Arm lag ein kleines Baby, die gerade an der Flasche nuckelte. Das was das kleine Kind zu sich nahm war keine Milch, sondern war etwas, was total dunkel rot war. Um sie herum war Hades, Lilith und Alucard, die ihre blutende Armgelenke zuhielten. Wahrscheinlich hatte das Kind das Blut von den vier Dämonen bekommen. Eine andere Erklärung konnte er sich nicht vorstellen.
Noch während er seine Augen geschlossen hatte, verzog er sein Gesicht, weil er
es widerlich fand, Blut anstelle von Milch zu trinken - Das war ja der reinste
Pfusch und Doping. Er ging in Gedanken aus dem Zimmer, erkannte ein kleines
heruntergekommenes Haus, lief aus dem Gebäude und erkannte, dass es ein
verlassenes Haus in der 776 Albany Avenue war. „Ich weiß wo sie sich aufhalten!“
Im selben Moment tauchten auch Dwight und Tyler in der Wohnung der Moiren auf.
Auch Isaac hatte mitbekommen, dass Tyler Vater wurde und gratulierte ihm kurz,
ehe er wieder auf die Dämonen zurückschwappte.
„Die Dämonen sind in der 776 Albany Avenue“, teilte Isaac mit. „Das ist eine
Seitenstraße von Clarkson Avenue, also ganz in der Nähe vom Kings County
Hospital.“
Tylers Vision schien also nicht völlig abwegig zu sein, was den Ernst der Lage
noch einmal verdeutlichte. „Haben wir denn eine Chance?“ Der Anwalt zweifelte
wirklich, da die letzte Begegnung doch ziemlich heikel war.
„Wir müssen den Dämonen einfach ein Schritt voraus sein“, merkte Hekate an. „Was
ist, wenn wir einige Dämonen ablenken? Ich könnte zum Beispiel Lilith ablenken.“
Die Idee, die Dämonen abzulenken war gar nicht mal so übel, weshalb Klotho den
Gedanken fortsetzte. „Wenn jeder von uns einer nach dem anderen von ihrem
Standort fortlocken, wäre im besten Fall nur noch Persephone und Dafni im Haus.“
„Dann würde ich mal sagen, dass wir nun die Dämonen
zuordnen. Uns rennt nämlich die Zeit davon.“ Tyler
drängte die Anwesenden, da er nicht wollte, dass seine Vision zur Realität
wurde. Ihm wurde richtig unwohl bei dem Gedanke, die toten Menschen an der Decke
und vor allem seine eigene Tochter beim Sterben zusehen zu müssen…
****
Carson Dearing lag in seinem Bett und hatte seine Augen geschlossen. Der Prophet
im Körper des Mannes wollte durch seine Gedanken erfahren, was die Ärztin Dr.
Charlotte McLean gerade machte, denn sie sollte die nächste sein. Als er sich in
ihre Gedanken eingeschleust hatte, merkte er jedoch, dass sie nicht mehr in der
Klinik war, sondern bereits auf dem nachhause Weg war. Sie fuhr die Clarkson
Avenue entlang und bog an der großen Kreuzung in die Troy Avenue ab. Von der
Anstalt bis zu ihr nach Hause dauerte es eine halbe Stunde und so war es, dass
sie um halb fünf am späten Nachmittag erschöpft und total verwirrt ihre Haustür
aufschloss und wie ein Sack Zement auf das Sofa fiel.
Sie merkte nicht, dass jemand gerade ihre Gedanken ausspionierte, denn wenn sie
das wissen würde, wäre sie sicherlich vorsichtiger gewesen. In ihrem Kopf
tummelte es von Gedanken bezüglich außergewöhnliche Wesen, Geister und
unerklärbare Phänomene.
Dass ihr Patient, Carson Dearing eine Art Phänomen für sie war, wusste er
spätestens jetzt, nachdem er sie auf eine sehr dreiste Art ausspionierte. Sie
konnte sich nicht erklären, wie Carson hunderte von kleinem Bröckeln im Körper
haben konnte und wie dieser innerhalb von einem Tag graue Stellen am Kopf
bekommen hatte.
Das war doch total verrückt – dachte sich Charlotte und schüttelte dabei ihren Kopf. Sie erhob sich von ihrer Couch und griff nach ihrem Laptop, der auf dem quadratischen Wohnzimmertisch aus Glas stand. Sie hatte erst vor kurzem den Laptop von der Marke Acer gekauft und musste sich noch etwas einleben. Da sie jedoch nur den Internet Explorer brauchte um die Google-Seite aufzurufen, blieb ihr also neue Funktionseinstellungen und Tauchfühlung in Windows Vista erspart.
Sie tippte in das Suchfenster - Dämonen in Brooklyn - ein. Innerhalb von Sekunden spuckte die Suchmaschine unzählige Seiten über Dämonen in Brooklyn auf - Naja, zumindest wo diese beiden Wörter auftauchten und die Seiten handelten absolut nicht über Dämonen. Müsste sie vielleicht präziser werden, denn es kam so viele absurde und gar nicht zusammenhängende Seiten. Außerdem zweifelte sie, dass auch tatsächlich ein Bericht oder Video im Internet herumschwirrte, das mit Dämonen zu tun hatte. Und ihr bei ihren Fragen weiterhelfen konnte. Das World Wide Web und Youtube konnten ja vieles bieten, aber echte Dämonen? War das möglich?
Plötzlich raschelte es unter ihrem Sofa. Charlotte dachte anfangs, dass die
Geräusche von ihrem Laptop kamen, doch als das Geräusch wieder unter ihrem Sitz
zu hören war und sie sogar etwas für einen momentlang an ihrem Fuß gespürt
hatte, legte sie ihr Laptop ab und kniete sich auf den Boden um unter ihre Couch
zu sehen.
In dem Moment, als sie ihren Kopf in die Richtung der Couchkante gestreckt
hatte, sah sie wie eine zuckende kleine rote Zunge, die so lang und gespalten
war, direkt auf sie zugeschossen kam und etwas Flüssigkeit auf ihre Augen
spuckte.
Sie schrie vor Schreck und schwankte ihren Kopf zurück. Da sie nichts sehen
konnte, knallte sie an die Tischkante und spürte daraufhin an ihrem Hinterkopf
einen anhaltenden Schmerz, der sich bis zu ihrer Stirn hervor zog.
„Ach verd…“ Blind tastete die Ärztin den Boden ab um endlich von dem Boden
aufzustehen, doch das etwas, hatte sich um ihren Fuß geschlungen, was sie daran
hinderte aufzustehen.
Es war eine Schlange, die sich von ihren Füßen hoch zu ihrem Körper bewegte.
Genauso wie es bei Miss Dearing der Fall war…
Carson, der nach wie vor in der Klinik war und nur gedanklich außerhalb war, murmelte etwas vor sich hin und als er seine Augen öffnete, war keine Pupille und Iris mehr zu erkennen – Alles war völlig weiß und glänzte auch irgendwie hell auf.
Wie bei Miss Dearing hat er die griechische Äskulapnatter dafür verwendet um die Seele von Charlotte einzufangen um diese sicher zu verwahren. Der Körper von ihr sollte für eine weitere aus dem Totenreich zu verfügen stehen um somit Gottes Reich einem Schritt näher zu kommen. Er hatte Charlotte auserwählt, da sie in der Klinik nicht auffallen und die Mitarbeiter ihr nicht nachspionieren würden, wenn sie sich in der Klinik frei bewegen würde. Somit würde sie auch niemand daran hindern, das Geheimversteck und der Schutzort vor den Dämonen auf die Beine zu stellen…
.: NYPD Revier :.
Wenn
Carmen diesen Blick und diese Tonlage auflegte, konnte nichts Gutes
daraufhin folgen. Sie hatte den erschreckenden und leicht erschütternden
Gesichtsausdruck, den Trevor schon in der Vergangenheit gesehen hatte.
Fürsorglich fragte er sie nach dem Telefonat, was denn passiert war und bekam in
knappen Sätzen die Situation geschildert. „Im Kings County Hospital sind drei
Neugeborene verschwunden. Den Krankenschwestern war es erst später aufgefallen,
weil sie davon ausgegangen sind, dass die Kinder bei den Eltern waren. Sie
bitten uns umgehend ins Krankenhaus zu kommen.“ Danach schnappte Carmen ihr
Handy und wählte hektisch die Nummer von Ava – Vergeblich, aber auch bei Tyler
und den anderen hatte sie keinen großen Erfolg. Sie befürchtete, dass vielleicht
Dwight unter den vermissten Kindern sein könnte. „Erst
schwangere Frauen und nun unschuldig kleine Babys. Das waren sicherlich die…“
Mitten in Trevors Satz funkte Carmen dazwischen. „Kann ich mit? Ich kann Ava nicht erreichen und ich habe Angst, dass der kleine Dwight entführt wurde.“ Nach kurzem Überlegen, rief er eine Kollegen zu sich, die Carmens Platz einnehmen sollte, um den Platz am Empfang zubesetzen, während Carmen ihn begleitete.
„Also für Vertretung ist gesorgt.“ Beide verließen hastig die Polizeistation und stiegen in Trevors Dienstwagen ein. Mit hoher Geschwindigkeit, leuchtenden blauen Lichtern und quietschenden Reifen, überquerten sie die Straßen von Brooklyn.
Obwohl Trevor ziemlich Gas gegeben hatte, war ihm nicht entgangen, dass Carmen
ziemlich besorgt aussah. „Atme mal tief durch. Ihnen ist sicherlich nichts
passiert. Tyler und die anderen sind sicherlich bei Ava und wie ich die
einschätze, werden sie alles dafür tun, dass ihr und dem Kleinen nichts
passiert.“ Trevor riss sein Lenkrad nach links und sorgte dafür, dass Carmens
Haare völlig wild in ihr Gesicht fielen und sie einmal tief Luft holte. „Hoffen
wir nur, dass du recht hast.“…
Fortsetzung:
15.4. Viribus unitis (Mit
vereinten Kräften)