Was bisher geschah:
„Okay… Hast du denn schon eine Unterkunft? Bei mir
in der Wohnung wäre noch reichlich Platz.“
Hope lachte kurz auf, „Nein… Los Angeles war eher
eine Spontanaktion. So weit habe ich gar nicht geplant.“
„Na dann ist ja alles klar",
meinte Lee, "Dann fahre ich dich jetzt zu mir. Zu
Hause kannst du ja dann deine verschmierte Schminke aus dem Gesicht waschen.“…
14.3.
Die Auserwählte
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FSK: ab 16 Jahren
Erläuterungen: Szenen in dieser
Farbe, sind Erlebnisse in der Vergangenheit
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.: Los Angeles :.
Hope
hatte ihre Hände zu einer Schale geformt, so dass das Wasser aus dem Wasserhahn
in ihren Händen landete und sie dadurch ihr Gesicht befeuchten konnte. Die
verschmierte Schminke, die roten und verheulten Augen kühlten dadurch ab und sie
fühlte sich danach um einiges besser.
Mit einem langen Seufzer betrachtete sich im Spiegel. Jeder hätte sofort gesehen, dass sie etwas bedrückte und deshalb so eine lange Miene gezogen hatte. Sie wollte gerade wieder in Gedanken schwelgen, als es an der Tür zweimal geklopft hatte. „Ich habe deinen Koffer in das Gästezimmer getragen. Deine Handtasche liegt auf dem Sofa im Wohnzimmer.“ „Alles klar, danke.“ Hope trocknete ihr Gesicht mit dem kleinen weißen Handtuch ab, den ihr Lee an der Seite des Waschbeckens zur Verfügung gestellt hatte.
Lee und Landon hatten durch ihre Militärzeit viele Parallelen. So war Lee genauso wie sein bester Freund immer super organisiert und strukturiert, seine Wohnung war ordentlich und alles hatte genau seinen Platz. Beängstigend, dass Männer so ordentlich sein konnten, dachte sich Hope, als sie die Tür des Badezimmers geöffnet und den schön eingerichteten Flur näher betrachtet hatte. Der Charakter der beiden unterschied sich darin, dass Lee eher auf Kompromisse einging und nicht gerade Diskussionsfreudig war. Er war derjenige der lieber nachgegeben hatte, als stundenlang über ein und dasselbe Thema zu diskutieren. Im Allgemeinen war er eher der Ruhigere, wobei es sich schlagartig änderte, wenn die beiden unterwegs waren und durch die Kneipen zogen.
„Also ich muss schon sagen, dass deine Wohnung echt
hübsch eingerichtet ist“, sagte Hope und setzte
sich im Wohnzimmer auf das Sofa. „Danke, dass du
mich aufgenommen hast. Das weiß ich echt zu schätzen.“
Lachend kratzte sich Lee am Kopf und es schien, als wäre er ein bisschen
verlegen gewesen. „Mach ich doch gerne. Willst du
mal den riesigen Balkon sehen?“
Hope nickte einmal und lief zum Balkon. Nachdem Lee die Vorhänge zur Seite gezogen hatte, konnte sie den tollen Ausblick auf Los Angeles sehen. Bei Nacht leuchtete alles so wunderschön und da er in einer der höheren Etagen wohnte, hatte sie auch den Himmel vor Augen. „Wow, kann ich nur dazu sagen.“ Lee schaute zu ihr herüber und war froh, dass sie sich nach dem Friedhofsbesuch etwas erholen konnte. Wer konnte denn ahnen, dass Landons Eltern am selben Abend wie Hope auf den Friedhof betreten würden.
„Was hast du hier denn noch zu erledigen?“,
fragte Lee ganz unerwartet.
„Es bezieht sich auf Landon“,
antwortete Hope, „Und morgen möchte ich dass
erledigen.“
Lee öffnete seinen Mund, weil er Fragen wollte, was sie denn zu erledigen hatte,
schloss aber wieder seinen Mund, da er es doch für besser hielt, in diesem Punkt
nicht zu neugierig zu sein. „Na dann würde ich
vorschlagen, dass du jetzt ins Bett gehst. Morgen brauchst du sicherlich viel
Zeit!“
„Da hast du recht.“
Hope lächelte kurz und ging wieder in die Wohnung, woraufhin Lee das selbe tat.
Er zog die Balkontür hinter sich zu und folgte Hope mit seinen Blicken, die
gerade auf dem Weg war, ihr Gästezimmer zu begutachten...
.: Brooklyn :.
Hekate
suchte auf den Friedhof auf hilfreiche Zeichen, die sie zu dem Entführer von
Carmen verhelfen konnten. Sie klapperte Stück für Stück ab und fand letztendlich
etwas pulverartiges auf der grünen Wiese. „Kommt
mal her“, forderte sie die anderen auf. „Ich
glaub' ich könnte mit diesem Fund etwas anfangen.“
Mit strenger Miene lief Tyler zu Hekate, die sich kurz gebeugt hatte, um etwas
von dem Rasen aufzuheben. „Und was soll das sein?“ Tyler verschränkte seine Arme
vor der Brust und blickte zu Dwight, der nachdenklich die Stirn runzelte. „Weißt
du vielleicht was das ist?“, fragte Tyler seinen
Sohn.
„Das ist Schwefel, nur eben braunfarbig.“ Skeptisch verzog Tyler sein Gesicht: „Welcher Dämon hinterlässt braunen Schwefel?“ Nachdem Hekate den Schwefel in eine kleine durchsichtige Tüte gepackt hatte, ging sie auf Tylers Frage ein. „Es gibt nur wenige Dämonen, die braunen Schwefel hinterlassen. Auf die wenigen müssen wir uns beschränken, wobei wir Hades nach wie vor nicht ausschließen werden, da er zu den wenigen gehört.“ Seit Wochen wollten die Göttinnen Hades aufspüren, was sich als ziemlich schwierig erwiesen hatte, da er nicht wie die Vampirsbaronin Alucard oder die Hexe Lilith, die jede Gelegenheit genutzt hatten, die Göttinnen und die Krieger anzugreifen war – Nein. Er blieb immer schön im Hintergrund.
Falls Hades tatsächlich hinter den vielen Frauenmorde steckte, war er wahrscheinlich auch der Kidnapper von Carmen, was aber wiederum bedeutete, dass die Polizistin in Lebensgefahr schwebte, denn schließlich endete eine Entführung immer mit einem Tod.
Tyler und die anderen mussten also verstärkter und noch gründlicher nach der Vermissten suchen. „Ich beame mich wieder zurück in unsere Wohnung um den Schwefel näher unter die Lupe zu nehmen“, teilte Hekate den anderen mit. „Ihr könnt ja zurück zu Ava und Violet gehen und schauen, ob Klotho und Atropos wieder zurück sind.“ Mit dem Vorschlag waren die Anwesenden einverstanden und verabschiedeten sich. Hekate wollte ebenfalls in Tylers Wohnung aufkreuzen, wenn sie den Dämon identifiziert hatte…
****
„Die
halbkoreanische Sängerin, Sidney Calsh wird seit gestern Nacht vermisst.
Hotelbesucher, die neben ihr das Zimmer hatten, hörten Hilfeschreie und
alarmierten sofort das Hotelpersonal. Als ihr Zimmer geöffnet wurde, fand man
ein leeres Zimmer auf. Sidney war verschwunden und das Fenster weit aufgerissen.
Die NYPD vermutet, dass jemand unbemerkt in ihr Zimmer gelangen konnte und sie
dann überrascht hatte. Die Videoaufnahmen des Hotels konnte keine auffällige
Person mit Sidney sehen. Er oder sie müsste durch das Fenster hinaus gestiegen
sein, wobei sich da die Frage stellt, wie er unbemerkt vom 10. Stockwerk
hinuntergelangen konnte. Ist Sidney Calsh entführt worden oder hat sie alles nur
inszeniert um aus der Musikwelt zu entkommen? Hatte sie die Schnauze voll vom
Star sein? Wir wissen es nicht, aber wir bleiben dran! Ich bin Claire Nolan, von
CBS Evening News und gebe zurück ins Studio.“
Ava und Violet starrten fassungslos auf den Fernseher. Sie wurden das Gefühl nicht los, dass Sidney ebenfalls von demselben Entführer gekidnappt wurde, wie die anderen Frauen. Als sich Violet wieder gesammelt hatte, wandte sie sich zu Ava, die noch besorgter aussah, als sie selbst schon war. „Also so langsam müssten wir oder die Polizei auf die Schliche kommen. Immer mehr Frauen verschwinden und werden dann kurz darauf tot aufgefunden…“
Ein grelles Licht leuchtete im Wohnzimmer auf, wo kurz darauf Dwight, Lachesis und Tyler im Zimmer erschienen. „Hier sind wir wieder“, sagte Dwight leicht erschöpft. „Sind die anderen schon hier?“ Violet schüttelte den Kopf. „Merkwürdig, die sind aber lange weg. Glaubt ihr, dass ihnen etwas zugestoßen ist?“ Lachesis schüttelte daraufhin unglaubwürdig den Kopf, „Nein, dass hätten wir sicherlich mitbekommen.“ Sie hatte gerade zu Ende gesprochen, als Hekate ebenfalls bei ihnen eintraf. Sie schien aufgeregt zu sein. „Wir hatten die ganze Zeit recht. Der Schwefel gehört zu Hades, dem Dämonenherrscher.“
Tyler verdrehte kurz seine Augen, denn er wusste, dass die Göttinnen seit Wochen ohne jeglichen Erfolg nach ihm fanden. Obwohl Ava die Anwesenden nicht noch mehr unter Druck setzen wollte, teilte sie ihnen mit, dass auch Sidney Calsh seit gestern vermisst wurde. Vielleicht war sie ebenfalls ein Opfer von Hades und deshalb mussten sie ihn so schnell wie möglich finden. Hekate hatte sich die Arbeit gemacht, den Dämon Mithilfe des Schwefels, auszupendeln und war auch erfolgreich. Da sie aber ohne die Hilfe der anderen nicht gegen ihn ankam, mussten sie erst einen Plan schmieden, um bei einem Angriff, nicht zu scheitern.
Gerade als Lachesis ihre Schwestern suchen gehen wollte, klingelte das Telefon.
Als Tyler den Anruf entgegengenommen hatte, reichte er das Telefon seiner Frau
weiter. „Dr. Xavier möchte mit dir sprechen.“
Daraufhin nahm sie das Telefon in die Hand und drückte sie gegen ihr Ohr. Sie
hatte während des Telefonates nicht viel gesprochen und meinte danach nur, dass
sie ins Krankenhaus müsste. Da die anderen auf die Suche nach Hades mussten,
entschied sich Violet dazu mit ihrer Mutter zu gehen. „Und wie geht es ihr?“ Ava
sah ihre Tochter mit einem besorgten Blick an. „Die Ärzte meinen, dass sich ihr
Zustand verschlechtert hat.“
.: Los Angeles 2008 :.
Als
Hope vor einigen Wochen verängstigt im Zimmer von Landon stand und mit ansehen
musste, wie die Ärzte versucht hatten, ihren Freund wiederzubeleben, hätte sie
niemals geglaubt, dass sie für eine kurze Zeit wieder aufatmen konnte. Die Ärzte
konnten ihn wiederbeleben und gaben ihm, Hope und der Familie die Möglichkeit,
mit der Situation zurecht zukommen. Obwohl alles so aussichtslos war, kämpfte
sich Landon Tag für Tag durch. Er war ein wahrer Soldat. Ein Krieger, der
einfach nach seinem Fall nicht liegen bleiben wollte, sondern immer wieder auf
das Neue aufstand.
Hope lag zusammen mit Landon im Krankenbett und hatten ihre Hände zusammengefaltet. Sie sahen sich verliebt an und sprachen dabei kein einziges Wort, denn sie genossen die ruhige Minute, wo sie alles vergessen und nur auf sich konzentrieren konnten.
Gefühlvoll streichelte Landon Hopes Wange und unterbrach die Stille: „Ich weiß nicht, wie lange ich meine Erinnerungen noch behalten kann. Sei mir bitte nicht böse, wenn du mir wieder völlig Fremd bist.“ Hope kannte die unangenehme Situation zu gut, aber jedes Mal war es für sie immer wieder schmerzhaft, wenn er sie mit völlig verstörten Augen angesehen hatte. „Es tut mir leid, dass ich dir nicht das geben kann, was du dir vorgestellt hast“, flüsterte Landon und umfasste die Hand seiner Freundin. Er drückte sie ganz fest um zu zeigen, wie sehr ihm der Gedanke daran, sie endgültig verlassen zu müssen, plagte.
„Du trägst keine Schuld und ich will nicht, dass du darüber sprichst, geschweige darüber nachdenkst. Was jetzt zählt ist das hier und jetzt und ich will jede Minute mit dir verbringen. Jede Minute...“, entgegnete Hope ihm und gab ihn einen einfühlsamen Kuss. Er liebte ihre weichen und sanften Lippen, die leicht nach Himbeere schmeckte, da sie zuvor ihre Lippen mit Lipgloss betont hatte. Noch während die beiden sich hingebungsvoll küssten, spürte Landon einen stechenden Schmerz auf der rechten Kopfhälfte. Er verkrampfte daraufhin zusammen und verzog sein Gesicht. Besorgt riss Hope ihre Augen auf und fragte ihn, was denn los war. Ihr entging nicht, dass Landons Gesicht völlig bleich geworden war und sie deshalb nur noch mehr beunruhigte.
Hope drückte sofort den Alarmknopf um Hilfe zu holen. Obwohl der Soldat tapfer gegen seine Schmerzen ankämpfte, waren diese jedoch stärker als sein Wille. Er drückte seine beiden Hände fest gegen seinen Kopf um einen Gegendruck zu erzeugen - Vielleicht würde der Schmerz ja nachlassen.
Nach nur wenigen Sekunden öffnete eine Krankenschwester die Tür: „Was ist passiert?“ Hope sprang aus dem Bett und schüttelte nur unwissend den Kopf. Sie wusste zwar, dass er Beschwerden hatte, jedoch nicht genau was, da er kaum reden konnte. Hope bekam Panik und lief unruhig im Zimmer umher. War nun der Tag gekommen, wo die beiden gemeinsam verbringen konnten?
.: heutige Zeit, Los Angeles :.
Hope lag mit geöffneten Augen im Bett und starrte zur Decke hinauf, da sie nicht
schlafen konnte - Zu viele Gedanken, die in ihrem Kopf herumschwirrten und sie
von ihrem Schlaf abhielten. Morgen würde sie ihr Versprechen einlösen können,
was aber wiederum bedeutete, dass sie mit Landon abschließen würde. Sie
beschloss aus dem Bett zusteigen, da sie sowieso nicht schlafen konnte.
Vorsichtig lief sie auf Zähenspitzen zur Tür, da sie keinen Lärm verursachen
wollte und womöglich Lee aufwecken könnte.
Langsam drückte sie Griff nach unten und zog die Tür zu sich, so dass sie aus dem Zimmer hinausgehen konnte. Neben der Tür entdeckte sie auf der linken Wandseite ein Bild, welcher ihn einem silbernen Bilderrahmen war. Das merkwürdige war, dass sie selbst auf dem Bild war. Das Foto wurde bei einem Fotographen geschossen und konnte unmöglich in die Hände von Lee gelangen, da sie die Bilder nur an Ava und Landon weitergereicht hatte.
"Wie ist das denn möglich", murmelte sie und lief mit einem komisches Gefühl aus dem Zimmer. Im Flur entdeckte sie weitere Bilder von ihr. Diesmal war sie zusammen mit Landon zusehen, im Hintergrund war der Strand zusehen - Sommer 2007. Sie wurde immer unruhiger und drehte sich in die Richtung des Wohnzimmers, wo noch das Licht gebrannt hatte und der Ton vom Fernseher zu hören war. Mit schnellen Schritten lief sie vor das Wohnzimmer und warf einen Blick hinein. Im Fernseher lief gerade die CBS Spätnachrichten und auf der Couch lag Lee mit zurückgelehntem Kopf auf der Couchlehne. Er hatte seine Augen geschlossen und sie vermutete, dass er vor dem Fernseher eingeschlafen war.
Als sie ihren Blick von ihm abgewandt, sich noch einmal im Wohnzimmer umgeschaut hatte, wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie gerade ein Deja Vu durchmachte. Irgendwie kam ihr die ganze Situation, die Wohnung an sich so bekannt vor. Auf Zehspitzen lief sie in das Wohnzimmer und schlich sich an Lee vorbei, um den Fernseher auszuschalten. Doch auf dem Regal, der über dem Fernseher war, stand eine seltene Uhr, die sie einmal gekauft hatte. Eine Ballerina, die auf einem drehbaren, runden Glasplatte im Kreis drehte und in ihrer Hand eine runde Uhr hielt. Wie konnte das möglich sein? Woher hatte Lee die ganzen Sachen und Bilder?....
.: Brooklyn :.
Carmen und Sidney wurden immer unruhiger, denn wie sich herausstellte, war
nicht nur eine Stimme zu hören, sondern noch einer weitere. Sie diskutierten
über wirres Zeug, zumindest empfand es Sidney für absurd und verrückt. Die
Polizistin dagegen, die mit der Dämonensache größtenteils eingeweiht war, wusste
genau, dass sie in eine sehr brenzliche Lage geraten war. Die Personen vor der
Tür diskutierten über eine der mächtigsten Dämonengruppe, die demnächst
vollständig wären. Die Dämonenmutter, einer der ultimate Se7en sollte nur noch
einen passenden Körper finden, während Moris gezähmt werden musste, da er viel
zu wild war. Auf das Erwachen von Hypnos, den wahren Sensenmann, müssen sie noch
warten.
Noch während Carmen und Sidney nach einem Fluchtweg suchten, ging auf einmal die Tür auf. Zwei Personen, darunter eine Frau mittleren Alters, trat zum Vorschein. „Na schau dir mal die Mädchen an. Kannst du auch die Angst von ihnen spüren?“ Die Frau klang mysteriös und unheimlich. Als sich dann ihre Augen völlig schwarz verfärbten, konnte die Sängerin nicht mehr und ließ einen Schrei los. „Oh mein Gott, wer oder was seid ihr?“
Die zwei Personen näherten sich den beiden Frauen. Lachend fragte der Mann, er müsste ebenfalls in ihrem Alter sein, ungefähr 1,80 m groß, graublonde Haare und ungewöhnliche leuchtende Augen, welche der beiden Mädchen Persephone aussuchen würde. Persephone, die Dämonenmutter streckte ihre Arme aus und schwankte von Sidney zu Carmen. Beide hielten verschüchtert die Luft an. Sie hatten Angst, dass ihnen genau dasselbe zustoßen könnte, wie die Leichen um sie herum. Im inneren hoffte Carmen, dass Tyler und die anderen ihr zur Hilfe kamen und sie aus der kritischen Situation befreite. Doch mit jeder Sekunde verlor sie die Hoffnung.
Der Zeigefinder stoppte bei der
Sängerin - die Entscheidung war gefallen. „Ich
möchte das asiatische Mädchen. Wieso hast du die Polizistin entführt? Die ist
doch total wertlos.“ Was würde mit Sidney gleich
passieren? Konnte sie sich überhaupt wehren und wieso musste es sie treffen und
nicht das Mädchen neben ihr, die Polizistin, die die ganze Zeit über zwar
angsterfüllt zitterte, aber kaum ein Ton von sich gab?
„Die Polizistin ist laut Lilith ein guter Fang. Sie hat Erfahrungen mit der
schwarzen Magie und hat sogar Hypnos zu sich geholt. Sie wollte Ethan, den
besten Freund des Kriegers wiederbeleben“, teilte der Mann seiner Gemahlin mit,
der im Übrigen Hades, der Dämonenherrscher war.
„Wir sind schon seit Wochen daran, Ethan zu überreden, aber der weigert sich.
Lieber erträgt er die schmerzhafte Folter, als sich zu unterwerfen.“ Persephone
war skeptisch, denn sie wüsste nicht, ob Ethan seine Meinung ändern würde,
obwohl sie die deutliche Verbindung zwischen den beiden spürte.
„Nein, ich habe mich für die Asiatin entschieden und dabei bleibe ich auch!“,
sagte die Dämonenmutter und sorgte in der nächsten Sekunde dafür, dass Sidney
wie von Geisterhand an die Wand gedrückt wurde und sich nicht mehr bewegen
konnte.
Schreiend versuchte sich die Sängerin zu befreien, doch ohne jeglichen Erfolg. Sie begriff
einfach nicht, was gerade mit ihr passierte und sie wollte es auch nicht
verstehen, weil alles viel zu verrückt für sie war.
Alles
war so unglaubwürdig, doch es schien doch alles real zu sein, weil sie die Angst
und die Schmerzen, die sie später ertragen musste, am eigenen Leibe spürte. Mit jedem Schritt, die Persephone
näher zu Sidney trat, wirkte sie bedrohlicher und angsteinflößender. Das
zynische Lächeln zusammen mit den gierigen Augen, wirkte auf die Sängerin so,
als würde sie gleich verspeist werden und sie hätte
keine Chance zu entkommen. Waren die zwei Personen etwa Kannibalen?
Die Dämonenmutter quetschte ihren Mund zusammen, so dass sie kaum noch schreien konnte. Mit einem starren Blick öffnete Persephone ihren Mund, woraus ein dunkler Rauch kam und in Sidney hinein drang. Sie fing an zu zappeln und zu würgen, da es sich für sie in diesem Moment so anfühlte, als würde sie ertrinken und vergeblich nach Sauerstoff suchen. Sie merkte wie die Luft langsam weg blieb, im Kopf sich alles ansammelte und einen unerträglichen Druck ausübte. Alles drehte sich um sie herum, bevor ihr schwarz vor Augen wurde und sie völlig die Kontrolle zu ihrem Körper verlor.
Carmen, die bis jetzt wie angewurzelt auf der Stelle stand, merkte wie Hades auf sie zukam und ein breites Grinsen im Gesicht hatte. „Da wir dich nicht brauchen, sollten wir dich zum Fraß freigeben. Ich denke, dass Moiris dich freudig empfangen wird.“ Leider wusste sie nicht, wer Moiris war, aber der Gedanke daran, dass sie als Futter dienen sollte, passte ihr gar nicht. Sie lief weiter zurück und stolperte jedoch über eine Frauenleiche. Infolgedessen verlor sie ihr Gleichgewicht und fiel direkt auf die tote Frau. Noch während sie versucht hatte aufzustehen, stand Hades schon unmittelbar hinter ihr und drohte im nächsten Moment nach ihr zugreifen.
Die Hand von ihm war schon direkt vor ihrem Gesicht, als Persephone zu Boden sackte und sich nicht mehr rührte. Hades spähte zu Sidney, die den Kopf zum Boden hängen lies und sich für einen Moment lang kaum regte. Carmen nutzte die Gelegenheit, in der Hades unaufmerksam war aus und rappelte sich wieder auf. Mit voller Kraft stieß sie den Dämonenherrscher zur Seite und rannte so schnell wie sie nur konnte zur offenstehenden Tür.
Sie war gerade mit einem Fuß aus dem dunklen Zimmer, als sie realisierte, wie sie sich nicht mehr bewegen konnte. Wie versteinert blieb sie auf der Stelle stehen und rührte sich keinen Milimeter. „Denkst du etwa, dass wir dich einfach so gehen lassen?“ Plötzlich wurde sie wie von Geisterhand wieder von der Tür weggezogen und landete in Hades festen Händegriff. Er hatte sie am Oberarm gepackt und diese brutal verdreht – ein lautes Knacken. Der Schmerz der darauf folgte, war so gewaltig, dass Carmen Tränen in die Augen schossen. Qualvoll fing sie an zu schreien und sie flehte Hades an, sie bitte frei zulassen.
„Wir fangen doch gerade erst an“, fing Hades bedrohlich an und wurde jedoch von jemanden aufgefordert, sie los zulassen.
Vor der Tür kam ein dunkelhaariger Mann
zum Vorschein mit einem hellblauen Langarmhemd, einer
kugelsicheren Schutzweste mit der Aufschrift NYPD auf dem Rücken und einer Waffe
in den Hand. Es war niemand geringeres als Trevor Brand, der
Polizeibeamte und Arbeitskollege von Carmen. Er und sein
Team hatten Mithilfe eines GPRS-Signals von Sidneys Handy, die vermisste
Sängerin aufgespürt.
Jedoch hatten sie nicht damit gerechnet, dass sie auch auf Carmen stoßen würden und mit ihr, die restlichen vermissten Frauen. Hinter ihm standen zwei weitere Polizisten, die damals bei Ethans Festnahme ebenfalls dabei waren…
Hinter einem Müllcontainer versteckt, lauerten Tyler und Dwight, die die Situation aus der Nähe betrachten konnten, ohne auf sich aufmerksam zu machen. Auf der rechten Seite, waren die Göttinnen, die ebenfalls hinter einem grauen Container waren und immer Augenkontakt zu Tyler und Dwight hielten. Was sollten sie machen? Die Polizei war zu ihrer Verwunderung schneller bei den Entführten gewesen, als sie gedacht hatten. Tyler konnte sich bei dieser Gelegenheit nicht zurück halten und fing an zu sticheln. „Und wer sagt nun, dass Magie besser ist als die Technik im 21. Jahrhundert?“
Daraufhin schüttelte Lachesis nur den Kopf, zuckte danach jedoch zusammen, da die Polizisten von einem violett farbigen Strahl getroffen wurden und in die Richtung der Container flogen. Am Gesichtsausdruck von Trevor war zu erkennen, dass er mit dieser Situation nicht gerechnet hätte und irgendwie auch hilflos wirkte. Er konnte sich nicht erklären, wie aus einer bloßen Hand, eine derartig gefährliche Substanz, fast wie in einem der Fantasie-Filmen schießen konnte.
Aus der Tür trat Sidney mit ungewöhnlichen Violett farbiges Funkeln in den Augen. Die Göttinnen erkannten sofort, wer im Körper der Sängerin steckte und beamten sich zu Tyler und Dwight, was sich im Nachhinein als fataler Fehler herausstellte. Denn durch ihren Einsatz der magischen Kräfte, konnte die Dämonenmutter im Körper von Sidney, die Anwesenheit weiterer Person, ja sogar Gottheiten, wimmern. „Sidney ist eine von den Ultimate Se7en! Persephone oder besser gesagt die Dämonenmutter!“
Fortsetzung: 14.4. Die Erkenntnis