13 | Schuldig

13.3. Den Tätern auf der Spur (Teil 2)

Es war mittlerweile Abend geworden und Ethan konnte in den verdienten Feierabend gehen. Doch anstatt nach Hause zu fahren, suchte er das Büro seiner Freundin auf. Diese hatte noch einige alte Akten von Alex Burks auf den Tisch liegen, Bilder von Lisa Cuwen und Drohbriefe, die an den wieder erneut Verdächtigten gerichtet waren. "Glaubst du, dass Burks eiskalt die Frau getötet und anschließend in den Kofferraum verseckz hat?" Ethan lief hinter den Bürotisch zu Carmen und stellte sich neben ihr. Er stützte sich am Tisch ab und blickte auf die Unterlagen. "Ein Teil von mir glaubt, dass er unschuldig ist, aber der andere Teil sieht ihn als Schuldigen. Tyler ist mit Hope ins Fellowship Gefängnis gefahren um noch einmal mit Burks zu sprechen. Vielleicht erfahren sie noch weitere Details über den gestrigen Abend. Viel Zeit bleibt ihnen jedoch nicht, da morgen Früh ja schon die Verhandlung ist."

Nachdenklich und den Blick auf das Bild des kleinen Mädchens, Lisa Cuwen gerichtet, lehnte Carmen ihren Kopf an Ethans Schulter. "Lisa war noch so jung und hatte quasi das ganze Leben noch vor sich. Ich frage mich, ob sie wirklich tot ist, denn bis heute haben sie ihre Leiche nicht finden können." Ethan drehte sich zu Carmen und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Stirn. "Die Menschen auf der Welt sind unberechenbar und unsere Aufgabe ist es, die Kriminellen hinter Gitter zu bringen und sie vor den Bürgern zu schützen. Leicht ist unser Job nicht, aber wir kämpfen für die Gerechtigkeit." Gerührt über Ethans Aussage, strich sie ihm über die Wange und merkte, wie sein Handy anfing zu vibrieren. Ethan griff in seine Hosentasche und klappte sein Handy auf, "Die Kaution, die der Richter im Fall von Alex Burks gestellt hat wurde bezahlt. Er ist also bis zur Verhandlung auf freiem Fuß. Im Überwachungsvideo habe ich ein Schatten auf dem Rücksitz in Burks Auto gesehen. Da dieser Schatten nur kurz zu sehen war und das Bild danach unerklärlich flackerte, vermute ich, dass ein Geist oder Dämon in seinem Wagen war. Womöglich war Burks nur zur falschen Zeit am falschen Ort." Ein Dämon oder Geist? Irgendwie zog Tyler das Übernatürliche magisch an. War es denn nicht seit seiner Bestimmung immer so gewesen? Erst der Fall mit Rachel Kingston (1. Episode) bis hinzu Melody Candis (11. Episode), immer war ein Dämon oder ähnliches mit involviert oder täuschte sich Ethan da nur, weil er früher nichts von alldem gewusst hatte und daher niemals die kriminellen Handlungen in Zusammenhang mit den Dämonen hinterfragte?

"Wie wäre es, wenn du mit Carmen nachher auf ein gemeinsames Abendessen kommen würdest? Ava würde sich sicherlich über Besuch freuen, denn Besucher lenken sie vor ihren Ängsten der Schwangerschaft ab. Außerdem wäre sie nicht alleine, denn ich vermute, dass ich wieder mit den Moiren auf Dämonenjagd gehen muss", seufzte Tyler und klang weniger begeistert, als es um die Dämonen ging. "Ja klar. Danke für die Einladung, wobei es etwas später werden könnte, da Carmen noch bis um 23 Uhr arbeiten muss", antwortete Ethan und wurde von Carmen unterbrochen, "Geh du schon einmal vor. Wenn du da bist, längst du mich nur bloß von der Arbeit ab." Verdutzt spitze er seine Lippen und verzog unglaubwürdig sein Gesicht. "Wenn du dich so leicht ablenken lässt, kann ich doch nichts dafür", äußerte sich Ethan lachend über den Vorwurf seiner Freundin, der nicht ernst zunehmen war. Diese strich ihm zärtlich über die Wange und bestand darauf, dass Ethan schon vorher zu Tyler ging. "In Ordnung. Ich komme so ungefähr in einer viertel Stunde." Nach einem -bis gleich- legte Ethan auf und sah seine Freundin zufrieden lächelnd an. "Wir sehen uns nach der Arbeit", sagte Carmen leise und strich eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht, während sie ihn mit ihren großen kastanienbraunen Augen ansah. Ethan griff nach ihrer Hand und streichelte ihre Handfläche mit seinem Daumen, "Also bis später". Danach wandte er sich von ihr ab, während sie ihm wieder hinter her blickte und wieder in ihre Gedanken fiel...

****

Ava stand am Abend in der Küche und bereitete gerade das Abendessen für sich und ihren Mann vor -Spaghetti Bolognese. Das Hackfleisch brutzelte durch das Olivenöl im Topf, während Ava leise Warwick Avenue von Duffy, vor sich hinsummte. Als die Wohnungstür auf ging und eine Stimme fragte, was denn hier so fein duftete, lehnte sich Ava zur Tür um in den Flur hinaus zuschauen - Es war Tyler, der auf sie zu lief und ein breites Grinsen im Gesicht hatte. Zur Begrüßung gab er ihr einen Kuss und schaute danach an ihr vorbei. "Du kochst Spaghetti? Könntest du heute für vier Personen kochen? Ethan kommt. Carmen wird nach der Arbeit ebenfalls hier sein." Nickend wandte sich Ava von Tyler ab und ging wieder an den Herd. "Bei meinem spontanen Besuch im Krankenhaus tauchten zwei FBI-Agenten auf. Die zwei tot aufgefundenen Frauen waren bei Dr. Benton als Patientinnen angemeldet. Es stellte sich heraus, dass zwei weitere vermisste Frauen ebenfalls Patientinnen von ihm sind. Die FBI-Agenten schließen ihn zwar als Täter aus, dennoch musste er seine ganzen Akten zur Untersuchung freigeben. Die FBI schließt eine weitere Entführung einer seiner Patientinnen nicht aus, weshalb sie geheime Agenten in der Nähe des Wohnaufenthaltes der Frauen aufgestellt haben um sie zu überwachen."

Tyler rückte sich ein Stuhl zurecht und setzte sich darauf. "Die Moiren sind sich sicher, dass es der Herrscher der Unterwelt war, ein weiterer Ultiamte Se7en Dämon." Als Ava ihren Mann fragte, wer denn der Herrscher der Unterwelt war, antwortete er, "Aides oder besser bekannt als Hades, Gott der Unterwelt und Bruder von Poseidon und Zeus." Verwundert drehte sich Ava zu ihm hin. "Ich frage mich, welche Wiedergeburt du bist, ein Gott vielleicht?" Mit einem Stirnrunzeln schüttelte Tyler schnell seinen Kopf. "Das glaube ich nicht. Ich weiß zwar, dass meine damalige Mutter Themis, die Göttin der Gerechtigkeit war, doch von meinem Vater weiß ich bis heute nichts." - "Vielleicht solltest du die Moiren danach mal fragen", entgegnete Ava ihren Mann und wendete das Hackfleisch in dem Topf einmal um, wodurch die noch helle Fleischseite anfing zu brutzeln. "Ja, das könnte ich mal bei Gelegenheit tatsächlich fragen. Wer weiß, vielleicht war mein Vater ein alkoholsüchtiger Dämon und hatte Themis bei einer wilden Dämonenjagd kennengelernt. Das ich Anwalt geworden bin spricht ja dafür, dass Themis wirklich meine Mutter war und die Liebe zum Whisky eine Eigenschaft zu meinem unbekannten Vater gehörte". Unerwartet erschien Hekate in der Küche auf und hatte einen besorgten Gesichtsausdruck. "Waren meine Schwestern bei euch?" Tyler schüttelte unwissend den Kopf. "Nein, zuletzt habe ich Lachesis in Ethans Büro gesehen. Wo sie danach war, kann ich dir nicht sagen." Hekate sah nach Tylers Aussage nur noch besorgter aus. "Nachdem Atropos heute Morgen bei dir war, wollten Sie zusammen mit Klotho zu den Göttern gehen, um sich Rat zu holen. Da sie nicht wieder aufgetaucht waren, machte sich Lachesis auf den Weg in das Götterreich und ist ebenfalls nicht zurück gekommen. Ich mache mir wegen meinen Schwestern echt große Sorgen." Ava schüttete die Tomatensoße in den Topf und rührte mit dem Kochlöffel einmal um. "Wie lange sind sie denn schon weg?", fragte Ava. "Lachesis ist schon seit vier Stunden weg. Ich habe sie auch versucht zu kontaktieren, aber sie reagieren nicht auf meine Rufe." Ihre Stimme zitterte vor Sorge. "Sind sie vielleicht den Dämonen in die Quere gekommen?" Hekate wollte sich das nicht ausmalen, hatte aber schon an diese Möglichkeit nachgedacht. "Die Moiren sind clever und können sich eigentlich wehren, wenn sie in Gefahr sind." Noch bevor Tyler eine weitere Theorie äußern könnte, klingelte es an der Wohnungstür. Er stand auf, lief in den Flur und öffnete am Eingang die Tür. "Hey mein Sportsfreund, wie läuft es mit Burks voran?", begrüßte Ethan ihn und klopfte Tyler zweimal auf die Schulter. Dieser schritt zur Seite um ihn in die Wohnung zulassen. "Hope und ich wollen morgenfrüh einen Lügentest durchführen. Falls er die Wahrheit spricht, wird der Test die Grundlage für die morgige Anhörung sein." Ethan nickte zu frieden und merkte noch an, dass es in der Wohnung gut roch.

In der Küche angekommen, reichte Ethan der Göttin freundlich die Hand und umarmte Ava herzlich. "Wie geht es dir und dem kleinen Dwight?" - "Ach Dwight tritt hin und wieder gegen den Bauch, aber sonst ist er ganz brav. Nur die Übelkeit und Krämpfe machen mir zu schaffen." - "Noch knapp zwei Monate, dann ist der kleine Dwight auf der Welt", lächelte Ethan und merkte erst jetzt, dass eine angespannte Situation im Raum herrschte und wollte wissen, wieso Hekate und die anderen so betrübt schauten. Als Tyler anfing ihm von den vor Stunden verschwundenen Moiren zu erzählen, bekam der Anwalt unerwartet stechende Kopfschmerzen. Wie immer, fing sich alles vor Tylers Augen zu drehen, dröhnender Druck in seinem Kopf. In seinem Kopf ging es wie in einem lauten Rock Konzert zu...

..: Tylers Vision :..

Als die Kopfschmerzen wieder nachließen, er die Augen wieder langsam öffnete, stand er auf der Straße in der Brooklyner Stadt. Es war dunkel und am Himmel leuchtete der Mond hell auf - Vollmond. Obwohl die vielen Lichter und Reklametafeln so bunt und fröhlich strahlten, war der Fokus doch dem gelbweißen Mond unterlegen. "Tyler wir müssen zu Molly", sagte Ethan und stupste den von der Situation überwältigten Anwalt an, "Wenn wir uns nicht beeilen, kommt für Molly jede Hilfe zu spät."

Ethan rannte in das große Wohngebäude, worin geschätzte hunderte von Apartments waren. Um den Polizisten nicht völlig aus den Augen zu verlieren, eilte Tyler seinem besten Freund hinterher. Er schaffte es gerade noch in den Aufzug, ehe diese zu ging und er womöglich minutenlang auf den nächsten Aufzug warten musste. Da Tyler und Ethan alleine im Lift waren, wollte der Anwalt vom Polizisten wissen, was passiert war.

"Molly rief auf den Revier an und hatte Carmen am Hörer. Aufgeregt teilte sie in Tränen mit, dass Alex Burks sich verändert hatte. Er war aggressiv und total außer sich. Sie erkannte ihren liebevollen Alex nicht mehr wieder und als sie in sein GEsicht blickte, konnte sie messerscharfe Zähne in seinem weit aufgerissenen Mund sehen. Seine Iris wurde wie bei einem Wolf hellblau, fast schon weiß, welche im Mondlicht richtig hell aufleuchteten. Daraufhin hat Carmen mich angerufen und mir das mit Burks mitgeteilt. Sie meinte aber auch, dass eine Streifenwache unterwegs zu Mollys Wohnung war." Unsicher schaute Tyler seinen besten Freund an. "Hast du die Silberpatronen, die Hekate extra für uns angefertigt hat?" Suchend tastete der Anwalt seine Jacke ab und spürte mehrere kleine Gegenstände in seiner inneren Jackentasche. Er griff hinein und fand tatsächlich fünf Patronen aus Silber. "Und für was benötigen wir denn diese Patronen?" - "Für Alex Burks, den Werwolf?!", antwortete Ethan und schüttelte unverständlich den Kopf. "Was hast du denn? Du wirkst auf mich, als würdest du total neben dir stehen." Stotternd stammelte Tyler etwas vor sich. Wenn Ethan wüsste, dass er alles zum ersten Mal hören würde, würde Ethan nur noch mehr mit dem Kopf schütteln.

Zum Glück ging die Aufzugstür auf und rettete Tyler aus der unangenehmen Lage. Mit schnellen Schritten liefen sie durch den Korridor und blieben vor dem Apartment mit der Nummer 134 stehen. Ethan drückte mehrmals gegen die Klingel und bewegte ungeduldig seinen Fuß auf und ab. "Warum öffnet Molly die Tür nicht?", fragte Ethan und drehte sich kurz zu Tyler um, der seine Augenbraue hochgezogen hatte, da er sich de selbe Frage gestellt hatte.  "Könnte es sein, dass Alex zurück gekehrt ist und womöglich Molly getö..." Plötzlich hörten die beiden einen Schuss fallen und rissen erschrocken die Augen auf. "Das kam aus der Wohnung." Ethan holte mit seinem Bein weit aus und trat gegen die Wohnungstür, wodurch diese aufsprang und sie in die Wohnung hineingelangen konnten. Überall wurde das Licht ausgeschaltet, doch Tyler und Ethan konnten durch den Mond die heruntergefallenen Gegenstände, die wild durcheinander auf den Boden lagen, sehen. Langsam öffnete Ethan die erste Zimmertür, die auf der rechten Seite des Flurs war und nahm seine Waffe in die Hand. Vorsichtig tastete er sich in das Zimmer und hielt währenddessen immer die Waffe vor sich gerichtet. "Da ist niemand", stellte der Polizist fest und gab Tyler ein Zeichen, der das nächste Zimmer, schräg gegenüber öffnen sollte. Aber auch in diesem Zimmer war niemand. Erst als sie am Ende des Flures angekommen waren und nur noch ein Zimmer übrig blieb waren sie sich sicher, dass der Schuss aus diesem Zimmer kommen musste.

Bevor Ethan die Tür aufmachte, rief er noch zu Tyler, dass er schon einmal seine Waffe richten sollte, falls Ethan nicht mehr rechtzeitig dazu kommen würde, abzudrücken. Doch als sie die Tür aufgemacht hatten, sie hatten sich auf einen wild gewordenen Werwolf vorbereitet, fanden sie nur einen aufgelösten und völlig verstörten Alex Burks. Auf dem Bett war Molly zu sehen. Reglos und total entstellt. Ihr Gesicht war in die Richtung von Ethan und Tyler gedreht, die Augen weit aufgerissen, der Mund leicht geöffnet die durch die blass gewordene Haut nur noch  erschreckender war. An der Brust war eine Schusswunde zusehen, dunkelrotes Blut verteilte sich auf ihrem weißen Nachthemd, sowie auf das weiße Bettlaken. Ihre rechte Hand war zusammengezogen und deutete daraufhin, dass sie nach etwas greifen wollte oder sogar in der Hand hatte.

Am Bettrand stand ein völlig aufgelöster und verwirrter Alex Burks. Er hatte in seiner rechten Hand einen Revolver, welcher er vor Schreck zu Boden fallen gelassen hatte, als Ethan und Tyler in das Zimmer gestürmt waren. Fassungslos starrte er erst auf das Bett, wo seine Freundin blutüberströmt da lag und anschließend zu Tyler und Ethan, die ihn mit giftigen Blicken ansahen. "Sie wollte mich mit dem Revolver erschießen und hatte auf meine bittenden Worte nicht gehört. Ich wollte ihr den Revolver aus der Hand reißen, es eskalierte und dann fiel der Schuss..."Alex Augen füllten sich mit Tränen, "Molly war doch mein ein und alles... Officer Bridgeman, Mister Carrendoor sie müssen mir glauben, es war ein unglücklicher Unfall." Verzweifelt blickte er in die fassungslosen Gesichter von Tyler und Ethan. Beide hörten hinter sich, mehrere Stimmen, die immer näher kamen. Als sie sich umdrehten waren zwei Polizeibeamte zusehen, die ihre Waffe in der Hand hatten und zu ihn gerannt kamen. Auch sie waren schockiert, die tote Molly Sailer zu sehen...

****

Mit einem "Whoah" wachte Tyler aus seiner Bewusstlosigkeit wieder auf. Als er in die fragenden Gesichter blickte, fragte er sie, wie lange er denn weggetreten war. Zu seiner Verwunderung war er nur für fünf Minuten weggeteten. In der Vergangenheit hatte er sich von einer Abwesenheit von 45 Minuten auf knapp 10 Minuten bis hin zu 5 Minuten verringern können. "Du entwickelst dich weiter", meinte Hekate zu ihm, "Du wirst darüber erstaunt sein, wie du nur in wenigen Sekunden informative Visionen bekommst und die Kopfschmerzen langsam nachlassen werden."

Tyler nickte einvernehmlich, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, innerhalb von wenigen Sekunden Visionen zu bekommen, die einen ganze Situation schildern würde. Die Kopfschmerzen und die lange Abwesenheit würde er nicht vermissen, er wäre sogar froh, wenn seine Visionen ihn nicht so beanspruchen würde. "Was hast du gesehen", fragte Ava und reichte ihm ein Glas Wasser in die Hand. "Unser lieber Alex Burks ist die Wiedergeburt eines Werwolfes. In meiner Vision habe ich gesehen, wie Ethan mich darüber informiert hat und wir auf den Weg zu Molly Sailer waren, um sie vor Burks zu retten. Leider kamen wir zu spät, denn sie war bereits tot, als wir in der Wohnung ankamen."

Hekate runzelte unglaubwürdig die Stirn. Ihres Wissens nach, hatten sich alle Werwölfe zurückgezogen, weil der Schattendämon die baldige Wiedergeburt des mächtigsten Werwolfes angekündigt hatte. Sie wollten seine Auferstehung in einer Vollmondsnacht mit einem Blutbad in New York feiern. "Na dann tanzt er eben aus der Reihe. Kann man irgendwie feststellen, ob er eine Wiedergeburt eines Werwolfes oder einfach nur ein verwandelter, durch einen Angriff gewordenen Werwolfes ist?" Nachdenklich setzte sich Hekate auf den Stuhl am Küchentisch. "Um ein genaues Urteil über Alex machen zu können müsste ich ihn sehen." Ethan wandte sich zu Tyler, der noch ein wenig mitgenommen aussah, "Dann hat Burks wahrscheinlich doch die Frau getötet und kann sich nur nicht daran erinnern." Tyler nickte einmal, "Morgen kommt es doch nicht zu einem Prozess mit Alex Burks, da wir ihm das Handwerk legen müssen. Ansonsten steht er morgen wegen Doppelmord vor dem Gericht. Weißt du wo er wohnt?" Ethan zuckte daraufhin sein Handy aus seiner Hosentasche und wählte die Rufnummer von Carmen. Er bat sie, die Adresse von Alex Burks auszuhändigen und meinte auf ihre Frage hin, dass er verhindern muss, dass Burks einen weiteren Mord begeht. "Wir brauchen Silberpatronen", sagte Tyler und sah Hekate an. "Ich könnte euch einige anfertigen, aber dazu bräuchte ich Gegenstände aus echtem Silber." Daraufhin verließ Ava das Zimmer und kam mit einem verstaubten Koffer, man konnte aber dennoch erkennen, dass er braun war. "Ich habe es doch gewusst, dass das alte Silberbesteck von meinen Eltern einmal nützlich sein könnte. Sei es der Verkauf in einem Antiquitätenladen oder im Kampf gegen Dämonen." Sie stellte den Koffer auf den Küchentisch und öffnete ihn. "Ich bräuchte nun eine Schale, die nicht wärmeempfindlich ist." Hekate, die einige Löffel und Gabeln in der Hand hatte, legte diese in die schwarze Schale, die Ava ihr gegeben hatte und murmelte etwas auf lateinisch. Kurz daraufhin wurde das Besteck flüssig und formte sich zu Patronen. Voller Faszination starrten Ethan, Tyler und Ava auf die Schale mit den Silberpatronen. "Kannst du mir eine Pinnzette oder ähnliches geben? Die sind frisch geformt und heiß."

Als Ava aus dem Fenster blickte, sah sie den Mond, der von den Wolken leicht bedeckt wurde. "Also an eurer Stelle würde ich mich beeilen." Dieser Meinung war Tyler auch, nachdem er ebenfalls aus dem Fenster gesehen hatte. Ethan, der nicht mal die Jacke ausgezogen hatte lief schon Richtung Ausgang, als Hekate Tyler und ihn kurz aufhielt. "Seid vorsichtig" - "Wir bleiben in Kontakt. Ich drück dir die Daumen bei der Suche nach den Moiren", sagte Tyler und gab Ava zum Abschied einen Kuss. "Wir beide kommen bald wieder. Du kannst ja schon mal mit dem Essen anfangen, ehe es kalt wird."...

****

Atropos versuchte Klotho und Lachesis, die bewusstlos waren, aufzuwecken. "Hey, wacht auf. Das ist ein sehr ungünstiger Zeitpunkt um ein kleines Nickerchen zu machen", flüsterte sie zu ihnen und versuchte währenddessen sich zu entfesseln. Alle drei waren an einem Stuhl festgebunden und die Arme nach hinten geknebelt. Das letzte, an das Atropos sich zuletzt erinnern konnte, war der erstickende schwarz-grauer Rauch, der so dicht gewesen war, dass sie kaum etwas erkennen konnte. Danach wurde sie bewusstlos und wachte an einem Stuhl gefesselt in einem Zimmer, wo kaum Licht zusehen war und die Dunkelheit dominiert hatte, auf. Sie schrie nach Hilfe, doch niemand kam um ihr zu helfen. Als Klotho nach drei Stunden ihr zu hilfe kommen wollte, wurde breitete sich wieder der dunkle Qulam aus und versetzte Atropos ein weiteres mal außer gefecht. Auch Klotho kam nicht an und fiel bewusstlos zu Boden. Die letzte, die den beiden zuhilfe kommen wollte war Lachesis, die mit ihrem Fieber total außer sich war, als sie die beiden gefesselt auffand. Doch auch sie wurde wie die anderen beiden zuvor überwältigt.

"Lachesis! Klotho! Jetzt wacht doch um Himmels Willen auf!" Atropos wurde etwas lauter, hoffte aber, dass sie niemand gehört hatte. Sie war sich sicher, dass die Dämonen dafür gesorgt hatten, dass die drei wehrlos auf den Stühlen gefesselt wurden. Ein leises stöhnen kam aus Lachesis Mund und kurz daraufhin öffnete sich das rechte AUge von Lachesis. Sie sah noch mitgenommener aus, als sie durch den Fieber schon war, riss aber ihre Augen weit auf, nachdem sie feststellen musste, dass sie festgebunden wurde. "Was um alles in der Welt geht hier gerade vor sich?", schimpfte sie und schaute zu Atropos rüber, die auf der anderen Seite des Raumen an der Wand auf dem Stuhl saß, "Na endlich.", sagte Atropos erleichtert und versuchte weiterhin sich aus den Fesseln zu befreien. Nun kam auch Klotho langsam zu sich. Brummend und vor sich dahin schimpfend, erhob die Göttin ihren Kopf und bewegte ihren Kopf erst nach rechts, dann nach links. "Das ist jetzt wohl ein Scherz." Verärgert schüttelte Klotho den Kopf, "Wir drei sitzen hier fest und ich könnte wetten, dass jeder Versuch uns hier rauszuholen scheitert, weil dann wieder der widerliche Qualm kommt und uns alle bewusstlos macht." Klotho hatte sich getäuscht, denn auch ohne einen Befreihungversuch schossen aus dem Boden mehrere kleine Qualwolken hervor, die nach und nach immer größer wurden und sich im ganzen Raum verteilte. "Oh nein, es fängt wieder an." Jeder von ihnen rechnete wieder mit einer Bewusstlosigkeit, doch mitten in dem ganzen Rauch, konnten sie einen dunklen Schatten erkennen. War jemand gekommen um sie zu retten?

weiter lesen: 13.4 Kampf im Vollmond