13 | Schuldig

13.2. Eingebuchtet

Trevor Brand, 32 Jahre alt, seit acht Jahren als Detective bei der NYPD angestellt, stellte seinen Dienstwagen vor dem China Inn, in der 5th Ave ab. Ausgestiegen hielt er Ausschau nach dem besagten Wagen, den aus dem Jahre 1992 dunkelblauen gebauten Audi 80. Lange musste er nicht suchen, da dieser direkt auf der anderen Straßenseite stand. Das größere Problem war, über die Straßen zugelangen, weshalb er erst den Zebrastreifen und danach noch zwei weitere Straßenkreuzungen überqueren musste. Am Auto angekommen, klopfte er an die Fensterscheibe und weckte somit den darin schlafenden Fahrer. Noch total benommen, drehte der sich zum Fenster und erblickte einen Mann, dunkelbraune kurze Haare, einer sehr ernsten Miene, die durch seine dichtbewachsenen Augenbrauen verstärkt wurde.

Einen Wrestling Kampf würde er sicherlich nicht gewinnen können, aber er würde wahrscheinlich jeden mit seinem Blick in die Enge treiben können. Alex Burks, lehnte sich auf den Beifahrersitz und kurbelte das Fenster herunter. „Ja bitte?“ Ohne mit der Wimper zu zucken, zeigte der Mann, der im Übrigen einen bis zur Knie langen schwarzen Mantel trug, seine Dienstmarke und verlangte von Mister Burks, dass dieser aussteigen sollte. „Bin ich in Schwierigkeiten?“, fragte er, während er aus seinem Auto stieg und zu Detective Brand hinüber lief. „Ihre Freundin ist auf dem Büro und macht sich Sorgen um Sie. Sie hatte Angst, dass Ihnen was zugestoßen ist, aber wie ich sehe, haben sie wohl den Fahrersitz statt dem Bett vorgezogen.

Verlegen und unsicher zugleich, kratzte sich Alex Burks am Hinterkopf. „Wenn Sie das sagen muss es wohl so sein, Detective Brand.“ - Fehlalarm. Der gesuchte Ausreiser hatte es wahrscheinlich nur noch von der Kneipe bis zum Auto geschafft, ehe er darin eingeschlafen war – zu hoher Alkoholpegel? „Warten Sie einen Moment, ich gebe im Revier kurz bescheid, dass es Ihnen gut geht.“ Nickend legte Alex seine Jacke zurecht und lehnte sich an das Auto, während Officer Brand das Telefonat führte.

Also Mister Burks geht es gut, du hast mich also umsonst hergeschickt.“ Trevor lief einige Schritte vom Auto weg und warf einen Blick auf den durch den Schnee verdreckten Wagen, wodurch ihm noch etwas auffälliges auffiel. Trevor blickte zu Alex, der gerade nicht zu ihm sah, lief zum hinteren Teil des Wagens und beugte sich zur Stelle, wo eine verdächtig rote Stelle zu sehen war. „Ist das Blut“, fragte Trevor und winkte Mister Burks zu sich her. Als dieser die Stelle gezeigt bekam, konnte er sich nicht erklären, wie das an sein Auto kam – Ein Reh kann er mitten in Brooklyn nicht angefahren haben, aber vielleicht ein Hund oder Katze? Daran konnte er sich aber gar nicht erinnern - Er war ja nicht mal losgefahren. „Machen Sie bitte den Kofferraum auf.“ – „Denken Sie etwa, dass ich eine Leiche im Kofferraum versteckt habe?“ Der Mann hoffte auf ein Kopfschütteln des Polizisten, doch dieser sah ihn wieder mit dem eisernen Blick an, was soviel bedeutete wie – In ihrer Situation würde ich keine schlechten Witze reißen, es könnte ihnen zum Verhängnis werden.

Mit einer inneren Unruhe stand er vor dem Kofferraum und roch einen leicht verwesenden Geruch, der bis vor wenigen Sekunden noch nicht vorhanden war. Als er den Kofferraum aufmachte, traf ihm fast der Schlag, als er das tote Mädchen darin sah – Die vielen Blutspritzer in ihrem Gesicht, auf den Kleidern die zerrissen waren, der vor Angst erstarrte Blick und der weitgeöffnete Mund blieben in seinem Gedächtnis haften - es war das Mädchen, welches ihm in der vorherigen Nacht versehentlich angerempelt hatte. Detective Brands ernste Miene wechselte zu einem verärgerten und wütenden Blick. „Mit der Leiche im Kofferraum haben Sie Recht behalten, folgt nun das Geständnis?

Stotternd trat Alex einige Schritte zurück. „Ich… ich war das nicht. Ich kenne dieses Mädchen überhaupt nicht.“ – „Diese Aussage genügt mir. Erzählen Sie das im Revier, denn Sie sind festgenommen.“ Trevor packte Alex an der Schulter und schnallte ihm die Handschnallen an. „Glauben Sie mir doch, ich habe dieses Mädchen nicht umgebracht. Irgendjemand will mich reinlegen!“ Genervt verdrehte der Polizist seine Augen und verständigte mit der freien Hand seine Kollegen. „In der 5th Ave wurde eine Leiche im Kofferraum des Wagens von Alex Burks gefunden. Verständigt die CSU (Crime Sense United in New York). Es gibt Arbeit.

..: In Carmens Apartment :..

Carmen hatte heute die normale Schicht, weshalb sie eigentlich ausschlafen wollte, doch der gestrige Abend war noch so im Kopf stecken geblieben, dass sie fast kein Auge zudrücken konnte. Sechs Stunden, zwei zu wenig für ihre Verhältnisse, konnte sie schlafen und nun lag sie im Bett und genoss die Sonnenstrahlen, die ihr Gesicht trafen. Je häufiger sie sich mit Ethan verabredete, umso mehr wuchs die Zuneigung zu ihm - Ja sie war seit wenigen Wochen mit ihm zusammen und da alles noch so frisch war, konnte sie es fast nicht glauben. Dennoch, am gestrigen Abend kamen die beiden sich wieder ein bisschen näher und der Kuss, der in Carmen ein Feuerwerk der Gefühle verursacht hatte, weil sie in diesem Moment so unbeschreiblich glücklich war, so dass sie am liebsten hätte weinen und zugleich Freudensprünge machen konnte. Das eine Kribbeln im Bauchbereich, der ihr eine Wahnsinns Gänsehaut verursacht hatte, der sich am ganzen Körper bis hin zu ihren Fußspitzen verbreitet hatte und das alles nur durch einen einzigen Kuss. Sie stand auf und schwebte fast schon durch ihre Wohnung, da sie wirklich verliebt war.

Summend schaltete sie das Radio ein und erwartete nichts schlimmes – am besten was zu ihrer guten Laune passte. Vielleicht ein gutes altes Lied wie z.B. Eternal Flame. Aber es kam ganz anders als erwartet. Die Nachrichtensprecherin berichtete von einem Leichenfund im Kofferraum von Alex Burks, der schon einmal wegen Kindesentführung angeklagt wurde. Carmen setzte sich daraufhin entsetzt auf den Barhocker und blickte aus dem Fenster. Vor 1 1/2 Jahren musste sie die Mutter des vermissten Kindes Lisa Curwen ins Krankenhaus bringen, da sie einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Den unvergesslichen Blick voller Sorge und Angst, hatte sich damals so fest in ihr Gedächtnis gesetzt, dass sie regelrecht mitweinen musste. Schnell stand sie auf, lief in den Flur um das Telefon zu holen und wählte die Nummer vom Revier…

..: NYPD Revier :..

Alex Burks wollte um jeden Preis einen Anwalt, am liebsten derjenige, der ihn bei seiner ersten Anklage freisprechen konnte - Jason McGellegahr. Zu seinem Pech war dieser aber gerade in einem anderen Fall involviert, so dass Tyler Carrendoor den Platz für ihn einnahm. Im Polizeirevier wollte Detective Brand alles über den gestrigen Abend von Alex erfahren, doch dieser weigerte sich, da er ohne Anwalt nicht sprechen wollte. In Gedanken fluchte er mächtig - wäre er bloß nicht zurück nach Brooklyn gezogen, säße er gar nicht in diesem kleinen schlecht-belüfteten Verhörzimmer – schlimmer noch, ihm drohte wahrscheinlich wieder eine Klage. Er war doch unschuldig, wieso konnte er nicht einfach normal weiterleben? Irgendjemand wollte ihn hinter Gittern sehen, aber wer verdammt? Wahrscheinlich war es einer, der ihn immer noch für schuldig hielt - Hörte das denn wohl niemals auf? "Warum wollen Sie, dass es zum Prozess kommt? Ihre Chancen stehen sehr schlecht und meine Kollegen vom CSU werden schon herausfinden, wie Sie die Frau umgebracht haben. Gestehen Sie doch einfach, die Strafe würde bei einem sofortigen Geständnis milder ausfallen, als in einem Prozess." Trevor giftete ihn wieder mit seinen kalten und fest entschlossenen Augen an - Alex fragte sich, ob Detective Brand auch einen anderen Gesichtsausdruck besaß, weil er seitdem sie miteinander zu tun hatten, kein einziges mal freundlich, geschweige ein kurzes Lächeln im Gesicht hatte.

Es klopfte an der Tür und ein Mann, er müsste ungefähr so groß wie der vermeintliche Verdächtige sein, kurze hellbraune, fast schon dunkelbonde und gegelte Haare. Er sah auf jeden Fall viel freundlicher als Detective Brand aus und gehörte wahrscheinlich in die Kategorie - Ein Schwiegersohn, den sich alle Mütter wünschen würden. Sein frommes Aussehen wurde mit seinem hellen Anzug, einem cremefarbigen Designer Anzug, Alex kannte sich zwar nicht wirklich in der Modewelt aus, aber dieser sah wahnsinnig teuer aus, weil sie so gut verarbeitet wurde - es stammte definitiv nicht aus dem Wal-Mart. War er vielleicht sein Ersatz für Jason McGellegahr, sein Sprachrohr zu den Gesetzeshütern? Hoffnungsvoll starrte Alex ihn an und wurde enttäuscht, als dieser sich auf die Seite von Detective Brand, genauer gesagt sich direkt ihm gegenüber platziert hatte und seine freundliche Miene in eine Grimmige wechselte. - zu früh gefreut, doch nicht sein Rechtsanwalt. "Mein Name ist Terrence Capwell von der Staatsanwaltschaft. Sie werden nun eingebuchtet – Sie können wieder Atmen Mister Burks."

Alex wurde mit einem Male richtig bleich um die Nasenspitze. Lagen denn überhaupt schon die Ergebnisse von der CSU vor? Die Autopsie müsste doch beweisen können, dass er nichts mit dem Mord am Hut hatte. Aufbrausend lehnte er sich vor zu Mister Capwell, der gewaltig an Sympathiepunkte verloren hatte. "Ohne einen Beweis können Sie mich nicht anklagen, da müssten sie schon einen richterlichen Beschluss vorweisen können." - "Abwarten was ich hier dabei habe", sagte Terrence, griff in seine Aktentasche und holte die Unterlagen des Gerichtmediziners heraus umkurze Abschnitte dem Autopsiebericht vorzuelesen, "Dem Opfer wurde chirurgisch das Herz ohne jegliche Betäubungsmittel entwendet. Die Tatwaffe, ein Skalpell, wurde noch nicht gefunden. Die verkrampften Gesichtszüge, Finger und Zehen zufolge, deuten daraufhin, dass das Opfer, Samantha Smith, noch bei Bewusstsein war, als sie eiskalt ermordet wurde. Die Tatortermittler konnten bisher das entwendete Herz noch nicht finden, aber Fakt ist, dass man Ihr Blut auf den Kleidern von Samantha Smith gefunden hat und das reicht für eine Untersuchungshaft." Mister Capwell legte den Bericht zur Seite, stand auf um zur Tür zugelangen und bat die Polizisten vor der Tür, den Verdächtigen abzuführen.

"Ihre Rechte als Angeklagter kennen sie ja noch von ihrer letzten Anklage, aber für Sie wiederhole ich es liebend gerne noch einmal. Sie haben das Recht zu Schweigen und sich einen Rechtsbeistand zu holen, außerdem kann jede Ihrer Aussagen gegen Sie verwendet werden - Kollegen, ihr dürft den Herrn abführen." Überwältigt von dieser Situation stammelte er vor sich hin, er stand wirklich unter Schock, weil er sich zu einem nicht erklären konnte wie er mit der Leiche in Kontakt getreten war und vor allem, wie sein Blut auf ihre Kleider gelangen konnte. Kopfschüttelnd sah Trevor Alex an und hoffte, dass er diesmal hinter verschlossenen Gittertüren kam. Gerade als er einige Schritte aus dem Verhörzimmer machte, kam ihn ein Mann im schwarzen Anzug zusammen mit einer blonden, sehr attraktiven jungen Dame, Hope Waltham, entgegen. „Ich bin Tyler Carrendoor, Mister Burks Anwalt. Bevor ihr meinen Mandanten abführt, möchte ich noch einiges klarstellen.

Spöttisch verdrehte Terrence Capwell seine Augen, „Mister Carrendoor höchst persönlich - Was für eine Ehre endlich mal gegen einen meiner früheren Jahrgangskollegen antreten zu dürfen. Aber momentan sehen deine Karten schlecht aus. Ich habe einen richterlichen Beschluss, dass wir ihn in Untersuchungshaft nehmen dürfen.“ Hope wandte sich zu Tyler und zog ihre Augenbrauen zusammen, „Anscheinend kennt ihr euch beiden.“ – „Ja Terrence hat mit mir zusammen den Abschluss in der juristischen Fakultät absolviert. Und anscheinend waren die Staatsanwälte schneller als wir.“Alex, der immer noch in Handschellen da stand, mischte sich in das Gespräch der beiden Jack Lewis-Anwälte ein. „Sie sind also diejenigen, die mich vertreten werden?“, schnaufte Alex mit einer leichten Erleichterung, „Ich habe nichts getan – Ich bin unschuldig. Beweisen sie meine Unschuld, denn ich will im nachhinein nicht umsonst ihr Honorar bezahlt haben.“ Nach diesen Worten wurde er abgeführt. Terrence trat mit einem schiefen Grinsen zu Tyler, „Ich kenne deine Vorgehensweise und eins garantiere ich dir, ich werde jeden Stein umdrehen und dafür sorgen, dass Alex hinter Gitter kommt. Bis jetzt hattest du immer Glück gehabt, dass du Unschuldige Angeklagte bekommen hast, aber diesmal sieht es für einen Sieg nicht sehr rosig für dich aus. Viel Glück bei deiner Arbeit, du wirst es brauchen. Wir sehen uns morgen vor Gericht.

Terrence wandte sich von Tyler weg und lief mit Trevor zum Empfang. Die beiden Anwälte Hope und Tyler liefen mit einem großen Abstand nach. Im Korridor trafen Sie auf Ethan und eine aufgeregte Frau, die aussah, als würde sie mit Tyler oder Hope reden wollen. „Wieso haben die Polizisten ihn abgeführt? Hat er was gemacht? Steckt er in Schwierigkeiten?“, fragte Molly Sailer, Alex Freundin, den Anwalt und fuchtelte hysterisch mit ihren Händen in der Luft herum.

Man verdächtigt ihn des Mordes an Samantha Smith. Man fand sie tot im Kofferraum ihres Freundes.“ Molly riss entsetzt ihre Augen auf, ihr wurde richtig schlecht und sie hielt Ausschau nach einem Stuhl um sich setzen zu können. „Oh mein Gott.. Ich muss mich erst einmal hinsetzen.“ – „Dürfen wir Ihnen einige Fragen stellen? Wir vertreten Alex Burks und daher brauchen wir jede Information von ihm.“ Nickend setzten Hope und Molly sich auf die freien Stühle neben dem Büro von Detective Brand.

Ethan und Tyler dagegen liefen in sein Büro. „Ist er schuldig?“, fragte Ethan. „Ein Tatverdacht liegt ja vor, sonst hätten Sie ihn nicht mitnehmen dürfen. Ich muss erst ein Blick in die Autopsieakten werfen, danach kann ich dir was sagen“, entgegnete der Anwalt ihm. „Du weißt, dass du Alex Burks vertrittst – den Alex Burks, der damals wegen Kidnapping im Fall von Lisa Cuwen angeklagt wurde.“ Tyler nickte nachdenklich. „Ich würde auch lieber einen Vertreten, der bisher eine reine Akte hat, aber man kann sich seine Mandanten nun mal nicht Aussuchen – Big Boss hat nun mal das entschieden und nun heißt es jede kleine Unstimmigkeit herauszubekommen und gegen Terrence Capwell einzusetzen. Vielleicht kommt es ja gar nicht zur Verhandlung und die Klage wird fallen gelassen.“ Tylers Optimismus war beeindruckend, doch vielleicht schaffte er es ja wirklich..

Nach dieser Aussage hin klopfte Ethan ihm auf die Schulter, „Du ich habe eine mysteriöse Email bekommen, kannst du mir das vielleicht erklären?“ Beide liefen hinter seinem Bürotisch und starrten auf den Bildschirm. Nachdem Ethan ihm die Email gezeigt hatte, runzelte Tyler die Stirn. „Die Wahrheit kommt immer ans Tageslicht, du wirst es schon sehen – Komisch, hast du was angestellt oder bist du ein Opfer der Spam-Mails geworden?“ Ethan plusterte seine Backen auf, denn er hatte keine Erklärung für diese Nachricht – sonst hätte er ja Tyler nicht fragen müssen. „Vielleicht stammt diese Email von einem Kriminellen, oder…“ –„Oder was?“ „Oder du hast wirklich ein dunkles Geheimnis, die der Absender kennt und gegen dich verwenden möchte.“ Ethan schüttelte schnell den Kopf, denn sein einziges Geheimnis bestand daraus, dass er zusammen mit Tyler und den anderen gegen die Dämonen kämpfte – Sonst nichts…

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Lachesis und Hekate saßen im Wohnzimmer und versuchten mithilfe einer Karte und einem Pendel, das Versteck des Dämonenherrschers ausfindig zumachen. Doch es stellte sich heraus, dass es nicht leicht war, denn in fast ganz New York wimmelte es nur von dämonischen Auren. „Kann es sein, dass wir bald ein mächtiges Problem haben werden?“, fragte Hekate ihre Schwester. „ Ich befürchte es auch, aber irgendjemand hält sie zurück oder findest du es nicht merkwürdig, dass die Dämonen so ruhig sind? Irgendetwas stinkt hier gewaltig und das rieche ich trotz meiner Erkältung und meiner verstopften Nase.“ Hekate richtete ihre Augen wieder auf den Pendel, der immer noch wie verrückt von einem Ort zum anderen sprang – überall wo sich Dämonen eben aufhielten.

Hekate wollte schon mit der Suche aufgeben, doch Lachesis gab die Hoffnung nicht auf. "Wir müssen halt genauer suchen. Vielleicht wäre es einfacher nach den gesuchten Personen zu suchen", schlug die Schicksalsgöttin vor, "Ich frag mal Ethan, vielleicht mag er uns ja die vermissten Personen verraten." Hekate schaute zu ihrer Schwester hinüber und war anfangs nicht wirklich begeistert von ihrer Idee, weil Hekate in Ethans Gegenwart immer ein schlechtes Gewissen wegen Carmen hatte - Hekate hatte ja Carmens Körper in Besitz genommen und das wochenlang. "Ethan hat uns schon längst verziehen. Er weiß ja, dass wir ihn und die anderen nur schützen wollten." Die Göttin der Hexerei verdrehte daraufhin ihre Augen - musste ihre Schwester sie immer daran erinnern, dass sie eine dunkle Seite hat? Es war von ihr sicherlich keine Absicht, aber damit traf man sie an einem wunden Punkt. Mit einem Satz stand Lachesis auf, sie hatte seit Tagen die Krippe, wollte aber nicht untätig im Bett liegen, griff nach dem Telefon, welcher auf der Wohnzimmerwand in einer Ladestation aufgeladen wurde und wählte die Handynummer von Ethan. Nach dreimaligen Klingeln, nahm Ethan mit einem "Ja bitte" ab. Ohne um den heißen Brei zureden, teilte sie ihm sofort ihr Anliegen mit.

"In letzter Zeit verschwinden doch Personen und wir sind uns sicher, dass ein Dämon hinter dieser Sache steckt. Kannst du uns die Namen der vermissten Personen geben?" Im Hintergrund konnte sie das Husten von Tyler hören, was bedeutete, dass der Krieger bei Ethan war - Perfekt, dann wüsste er sofort, was nach der Arbeit auf ihn warten würde. "Braucht ihr die Liste sofort? Momentan ist es nämlich schlecht, weil..." Ethan konnte nicht mal zu Ende sprechen, als plötzlich Lachesis mit ihrem schnurlosen Telefon in der Hand vor ihm stand und ihn mit einer erröteten Nase, geschwollenen Augen anhustete, "Tut mir leid - Mich hat die Krippe erwischt." Hinter ihrem Rücken fing Tyler an zu lachen, "Auch Göttinnen sind nicht Immun gegen einer Erkältung, das beruhigt mich etwas, weil ihr somit euch nicht ganz von den Menschen unterscheidet."

Diese Bemerkung fand Lachesis zwar überflüssig, aber wenn der Krieger unbedingt das Bedürfnis hatte, sein Kommentar abzugeben, sollte er das machen. "Hast du eine Auflistung der Personen?" Ethan zögerte, "Ja, aber ich muss erst eine Kopie davon machen, warte hier." Er wollte kurz sein Büro verlassen, als hinter der Tür Hope zusehen war. "Darf ich Mister Carrendoor mitnehmen? Der Liebe soll seinen Kaffeeklatsch auf Heuteabend verschieben." Hope schielte an Ethan vorbei und erblickte Lachesis, die sie seit kurzem durch Tyler kannte, wunderte sich aber, wie sie unbemerkt in Zimmer gelangen konnte – wahrscheinlich war sie nur zu sehr auf das Gespräch mit Molly Sailer eingestellt und hatte Lynda (Lachesis) beim vorbeilaufen übersehen. Mit gespitzten Lippen trat Hope in das Zimmer hinein, sagte der braunhaarigen Frau Guten Morgen und drehte sich zu Tyler. "Miss Sailer wird gerade von Terrence Capwell zu Alex Burks verhört... Ihre Sichtweise habe ich in unserem kurzen Dialog festgehalten - Sie kann sich nicht vorstellen, dass er schuldig ist und Operationsinstrumente hätte er auch nicht zu Hause."

Tyler stupste Lachesis an und beugte sich zu ihr, "Findet heraus wo sich der Dämon versteckt hält, informiert mich, wenn ihr ihn gefunden habt. Ich werde derweil mich um Alex Burks, meiner normalen Tätigkeit beschäftigen." Mit diesen Worten verabschiedete sich Tyler von der Göttin und verließ zusammen mit Hope das Zimmer. Auf den Weg zum Ausgang trafen Sie wieder auf Ethan, der irgendwie schnell wieder in sein Zimmer wollte und in der Hand eine gelbe Akte hatte.

"Findest du nicht, dass er sich heute komisch verhält?", fragte Hope und bekam einen verdutzen Blick als Antwort, "Er wirkt irgendwie unruhig, fast schon nervös." - "Ach Ethan hat gestern zu wenig geschlafen, er war ja mit Carmen unterwegs." In Hopes Gesicht lichtete sich ein schiefes Grinsen, "Hättest du mir noch vor einem Jahr gesagt, dass die beiden zusammen kommen würden, hätte ich es dir nicht geglaubt. Er war ja total in Tyra verschossen, aber Carmen und er passen viel besser zusammen - Das steht fest." Tyler nickte nach einem kurzen Zögern einvernehmlich und hielt die Tür für Hope auf, "Laberbacke komm jetzt - heraus spaziert mit dir. Auf uns wartet eine Menge Arbeit“…

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Ethan überreichte Lachesis die Liste der vermissten Personen, die innerhalb der letzten vier Tage als vermisst gemeldet wurden. „Danke vielmals, ich weiß es sehr zu schätzen was du für uns alles machst. Es ist ja nicht selbstverständlich.“ Mit einem kleinen Lächeln stellte er klar, dass er es gern getan hatte. „Ich muss nun aber gleich wieder gehen. Die anderen warten schon auf mich.“ Wieder schenkte er ihr ein Lächeln, setzte sich hin und lehnte sich etwas zurück, „Wir bleiben in Kontakt. Informiert mich, wenn es neue Insider-News gibt.“ Nach einem einvernehmlichen Nicken löste sich die Göttin wieder in einem grellen Licht auf. Mittlerweile war es kurz nach 11 und Miss Sailer, die wahrscheinlich nicht gedacht hätte, dass ihr kurzer Besuch im Revier sich zu einem langen entwickeln würde, war ebenfalls noch anwesend.

Terrence und Trevor würden sie in diesem Moment wahrscheinlich zu Alex Burks ausquetschen und Miss Sailer alle Fragen ohne jegliche Einwände beantworten müssen, da ihr sicherlich unterbreitet wurde, dass Justizbehinderung eine Straftat war. Mit Terrence Capwell war nicht zu spaßen, schließlich hatte er in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass viele Kriminelle hinter Schloss und Riegel kamen. Nun müsste aber auch Carmen bald im Revier auftauchen. Sie waren kurz nachdem Krankenhaus Aufenthalt von Carmen (Episode 12) zusammengekommen, hielten ihre Beziehung vor ihren Arbeitskollegen geheim, da dies sonst nur für Gesprächsstoff sorgen würde.

Ethan stand auf um seinen dritten Kaffee an diesem Morgen zu holen – seine Müdigkeit machte sich wieder bemerkbar. Im Gang sah er Molly Sailer, die noch bleicher geworden war. Man merkte ihr an, dass die ganze Sache ihr ziemlich nahe ging und sie war wahrscheinlich froh, als das Verhör zu Ende war. Bis jetzt war Alex Burks der einzige Verdächtige, aber vielleicht war er ja wirklich unschuldig – zumindest behauptet er das. Seit Ethan mit der Dämonsache konfrontiert wurde, stellte er sich bei einem Mord oft die Frage, ob vielleicht nicht ein Dämon dahinter steckte und die vermeintlichen Verdächtigten nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Während er in Richtung Küche schlenderte, merkte er wie die Eingangstüre mehrere male aufging. Um zu schauen, wer denn das Revier aufgesucht hatte, blickte er zur Tür und nahm zwei fremde Personen - eine zierliche Dame, braun-blonde Haare mittleren Alters und einen Herrn mit braunem Haar, ein eckiges Gesicht mit einigen Falten auf der Stirn. Wer waren diese beiden? Ethan beschloss den Kaffee später zu trinken und lief zum Empfang. Hinter den Tresen wühlte Trevor in der Aktenschublade herum, sah aber so aus, als würde er nicht fündig werden. „Kann ich dir behilfich sein? Nach was suchst du denn?“, fragte Ethan und schaute erst Trevor und danach die beiden fremden, die im übrigen Anzüge trugen, an. „Agent Miller und Agent Fuller von der FBI, wir haben den Befehl erteilt bekommen, den Fall mit den ungeklärten vermissten Frauen zu übernehmen. Detective Brand sucht gerade die dazugehörigen Akten.“ Trevor schaute Ethan an, der sich nachdenklich an den Kopf fasste, „Die Akten liegen bei mir im Büro. Haben sie denn schon einen konkreten Verdächtigen?“ Die zierliche Frau schielte kurz zu ihrem Kollegen, „Wir denken, dass es ein und der selbe Täter ist. Konkretes können wir noch nicht sagen, da wir uns erst seit einer Stunde mit dem Fall beschäftigen. Hier ist unsere Karte.“ Nicken lief Ethan schnell in sein Büro, um die fehlenden Akten den FBI-Agenten zu überreichen. Nachdem er dies getan hatte, bedankten sich Agent Miller und Agent Fuller und verschwanden wieder so schnell wie sie gekommen waren.

Kurz darauf fing das Telefon an zu schellen. „NYPD - Detective Brand,..“ – Aus dem Hörer ertönte ein lautes Rauschen und danach weibliche Hilfeschreie. „Hallo? Wer ist denn dran?“ Trevor riss seine Augen weit auf und deutete auf den PC, so dass Ethan via GPRS den Standort des Anrufs nach verfolgen konnte. „Was hörst du denn?“, fragte Ethan, während er mit der Maus ein Programm öffnete. „Ich glaube, dass wir gerade mit verfolgen können, wie jemand gequält wird.“

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